Medizin

Ärzte - Mangel oder nicht?

München - Ärztemangel ist ein viel diskutiertes Thema. Die Ärztekammer berichtet jedoch, dass die Zahl der Ärzte im Freistaat ein Rekordstand erreicht hat. Wie passt das zusammen?

Die Zahl der Ärzte in Bayern ist auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Zum Ende des vergangenen Jahres zählte die Landesärztekammer 60 665 berufstätige Mediziner - gut drei Prozent mehr als im Vorjahr. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre summiert sich der Anstieg auf fast 14 Prozent. Der Präsident der Landesärztekammer, Max Kaplan, warnt dennoch weiter vor einem Ärztemangel: Viele Nachwuchsmediziner arbeiteten in Teilzeit. Außerdem seien die Arbeitszeitregeln vor allem im Krankenhaus weit strenger als früher. Schwierig ist die Lage insbesondere auf dem Land. Dort sind Allgemeinärzte nach Angaben der Kammer vielfach Mangelware.

„Um zwei Ärzte, die in Ruhestand gehen, zu ersetzen, bräuchten wir eigentlich drei Nachfolger“, sagte Kaplan der Nachrichtenagentur dpa. Auch bei Nachwuchsmedizinern mit Vollzeit-Arbeitsverträgen seien die Zeiten vorbei, in denen sie klaglos 60 Stunden oder mehr in der Woche arbeiteten. Außerdem steige der Bedarf an ärztlicher Arbeitskraft: „Wir sind eine älter werdende Gesellschaft. Und das ist natürlich verbunden mit der Zunahme chronischer Erkrankungen.“

Sorge bereitet der Kammer vor allem die Entwicklung bei den Hausärzten. Seit 2008 ist die Zahl der Allgemeinärzte in Bayern um acht Prozent gesunken. Insbesondere in ländlichen Regionen werde es für Hausärzte immer schwerer, Nachfolger zu finden, erklärte Kaplan. Allerdings sei im vergangenen Jahr erstmals seit langem die Zahl der Hausärzte, die jünger als 40 Jahre sind, wieder spürbar gestiegen. „Das könnte Licht am Ende des Tunnels sein“, sagte Kaplan.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte, von einem allgemeinen Ärztemangel könne im Freistaat keine Rede sein. „Wir haben eher eine Fehlverteilung“ sagte sie. Vor allem in den Städten sei die Versorgung sehr gut. „Im ländlichen Bereich wird es da schon dünner“, räumte Huml ein. Vor allem bei Hausärzten droht ihrer Ansicht nach ein Mangel. Denn jeder dritte Hausarzt sei älter als 60. Die Staatsregierung habe aber bereits verschiedene Programme auf den Weg gebracht, um einer akuten Unterversorgung vorzubeugen.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) müssen von Jahr zu Jahr mehr Hausarztpraxen ersatzlos schließen, weil keiner sie übernehmen will. 2009 waren davon laut KVB 50 Praxen betroffen. 2012 waren es bereits 122 Hausärzte, die keinen Nachfolger fanden. Dieses Problem betreffe alle Regierungsbezirke, sagte eine KVB-Sprecherin. Besonders schwierig sei es aber in ländlichen Regionen. Sie seien für junge Ärzte oft nicht attraktiv genug.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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