Interview mit Thies Claussen

Zukunftsforscher: "Ohne U-Bahn geht es nicht"

Thies Claussen aus Krailling hat gerade sein zweites Zukunftsbuch veröffentlicht.
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Thies Claussen aus Krailling hat gerade sein zweites Zukunftsbuch veröffentlicht.

Krailling: Thies Claussen (67) blickt in die Zukunft: Gerade ist sein zweites Buch „Zukunft beginnt heute“ erschienen. Ein Gespräch über Flugtaxis, 3D-Drucker und die U-Bahn bis Planegg.

Herr Claussen, Sie leben sowohl im Würmtal als auch im Bayerischen Wald. Wie werden diese beiden Regionen im Jahr 2050 aussehen?

Grundsätzlich sehe ich für beide gute Chancen, auch wenn sie heute etwa beim  Pro-Kopf-Einkommen sehr unterschiedlich sind. Der Bayerische Wald hat aber ein großes Potenzial, vor allem wegen seiner erfolgreichen mittelständischen Unternehmen. Im Würmtal  wird sich natürlich der Siedlungsdruck aus München auf die Entwicklung auswirken.

Inwiefern?

Allein in Krailling sollte sich bis 2050 die Einwohnerzahl von heute rund von heute 7700 auf 9 000 bis 10 000 erhöhen. Soziale Spannungen aufgrund von Wohnungsnot werden anwachsen, dem muss man entgegenwirken. Gleichzeitig glaube ich, dass es im Würmtal eine bauliche Verdichtung nur bis zu einem bestimmten Grad geben und die Region weiterhin lebenswert sein wird.

Wird es das Würmtal an sich dann überhaupt noch geben? Oder ist es dann längst ein Teil von München?

Der Zusammenhalt im Würmtal ist ein ganz besonderer und wird auch in Zukunft weiter bestehen. Es wird andere Gemeinden geben, die von München geschluckt werden. Aber das Würmtal wird allein wegen seiner Geographie, der Wälder ringsherum, separat bleiben.

Ein großer Teil Ihres Buches widmet sich dem Verkehr der Zukunft. Schon jetzt staut es sich in und um München ständig. Was tun gegen den Verkehrskollaps?

Den gibt es heute schon temporär – allen voran beim Lkw-Verkehr. Die Lösung kann in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten nur in der Attraktivitätssteigerung des ÖPNV liegen. Die zweite Stammstrecke spielt da etwa eine Rolle. Im Würmtal wird es nicht gehen, ohne dass die U-Bahn eines Tages nicht doch bis Planegg fährt.

Wie können selbstfahrende Autos oder Flugtaxis helfen?

Flugtaxis ist zunächst noch Science Fiction. Das sieht bei autonomen Autos schon anders aus: BMW hat für 2021 angekündigt, solche in München einzusetzen. Danach wird es aber noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis das verbreitet ist. Und trotzdem: Ohne konsequenten Ausbau des ÖPNV werden auch autonome Autos nicht helfen.

Ein weiteres Kapitel widmen Sie dem 3D-Druck, der in Krailling dank der Firma EOS ja eine wichtige Rolle spielt. Warum gerade dem 3D-Druck?

Es ist eine Zukunftstechnologie, die kurz davor ist, in Massenproduktion zu gehen und hat große Potenziale was Flexibilität, Preis und Schnelligkeit anbelangt...

Wird Krailling davon profitieren?

Das tut es schon jetzt. Die Kraillinger Innovationsmeile ist auch wegen EOS eine Erfolgsstory. Wenn sich die Firma weiter so entwickelt, profitiert das ganze Würmtal, sogar ganz Oberbayern davon. Darum sollte man das Unternehmen so gut es geht unterstützen.

Woher kommt eigentlich Ihre Faszination für die Zukunft?

Früher habe ich mich mit den Zukunftschancen der Wirtschaft, bei der LfA mit der Förderung von Zukunftsunternehmen beschäftigt. Außerdem ist mein Sohn Professor für Strategie und Technologie an der LMU. Da will ich natürlich gern mitreden. 

Romy Ebert-Adeikis

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