Würmtal im Security-Wahn

Würmtal-Jugend klagt: Immer mehr Sicherheitsdienste vertreiben uns

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Würmtal: Weil sich die Anwohner über den Lärm beschweren patrouillieren im Planegger Freibad und am Kupferhaus bereits Sicherheitsdienste. Für den Gräfelfinger Anger und das Gelände beim TSV Neuried werden die Aufpasser gefordert.

Sicherheitsdienst beim Feo

Nicht nur am Wellenbad in Planegg wird ein Sicherheitsdienst nach dem Rechten sehen (Hallo berichtete). Auch der Bereich zwischen Feodor-Lynen-Gymnasium und Kupferhaus ist nun in den Fokus der Aufpasser gerückt.

Weil sich auf dem Platz zwischen den Sporthallen, dem Schulgebäude und dem Planegger Kulturtempel morgens immer wieder Glasscherben finden, wird die Sicherheitsfirma dort heuer zum ersten Mal eingesetzt. Außerdem soll die LED-Beleuchtung der Sportanlage und des Parkplatzes die ganze Nacht über brennen. Dadurch sollen nächtliche Besucher gehemmt werden, sich ungeniert auszutoben. „Es ist schade, dass man so etwas machen muss“, sagte Planeggs Geschäftsführer Stefan Schaudig im Münchner Merkur.

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Nächtliche Partys am Neurieder Sportpark

Keine Nacht ohne Ruhestörung beklagten zuletzt Anwohner des Neurieder Sportparks. Sie reichten eine Unterschriftenliste bei der Gemeinde und beim TSV Neuried ein. Ihr Ziel: Politik und Verein sollen etwas gegen den nächtlichen Lärm unternehmen. Die Forderung nach einem Sicherheitsdienst stand ebenfalls im Raum. 

Der Weg zwischen Sportpark und Wohnsiedlung ist Schauplatz lauter, nächtlicher Partys, sagen die Anwohner. Sie fordern die Einhaltung der Nachtruhe.

70 Anwohner haben die Liste, die von Andreas Köck organisiert wurde, unterzeichnet. Den Überlegungen in der Gemeinde, eine Sicherheitsfirma einzusetzen, begegnet Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) jedoch zögerlich. „Die Frage ist, ob der Sicherheitsdienst die Jugendlichen überhaupt vertreiben darf“, sagt der Rathaus-Chef im Münchner Merkur. Falls ja, würde dies das Problem nur verschieben. Das zeigen Erfahrungen aus der Vergangenheit, als sich Anwohner am benachbarten Jugendhaus über nächtlichen Partylärm beschwert hatten. Das Freigelände wurde gesperrt, die Jugendlichen sind nun offenbar zum TSV-Gelände weitergewandert.

Die Beschwerden der Nachbarn ziehen nämlich nicht nur auf die zuletzt zahlreichen Feiern des TSV (diverse Aufstiege der Fußballer, Jahresabschlussfeste der Abteilungen und private Feiern der Mitglieder) ab. Auch Jugendliche, die an den Parkbänken entlang des Sportparks laut Musik hören, grölen und Flaschen zerschmeißen würden, sind den Anwohnern ein Dorn im Auge.

Sie fordern, dass die Nachtruhe durchgesetzt wird. Außerdem sollen die Bänke entfernt werden, um den Besuchern den Aufenthalt zu vergällen. Sowohl Gemeinde als auch Polizei verweisen darauf, dass ihre Möglichkeiten einzugreifen begrenzt seien. ad

Gräfefing: „Hier darf sich auch was rühren!“

Eigentlich schien die Debatte um einen Sicherheitsdienst zur Kontrolle lauter Partys am Gräfelfinger Anger (Hallo berichtete) beendet. Der Hauptausschuss hatte es abgelehnt, einen solchen dauerhaft einzurichten. Doch nun haben sieben Gemeinderäte beantragt, dies vom Hauptgremium überprüfen zu lassen. Bei den Gräfelfinger Jugendlichen kommt das Hickhack überhaupt nicht gut an. Sie halten den Einsatz einer Sicherheitsfirma für völlig überzogen. 

Wer will schon ständig unter Aufsicht stehen? Jack (v. li.), Benedikt und Cornelius jedenfalls nicht.

„Es ist blöd, wenn man immer unter Aufsicht steht“, sagt Jack. Der 15-Jährige spielt mit seinen Freunden oft Fußball am Anger. Er, Benedikt und Cornelius bekommen auch öfter mal die Anfänge der Partys mit, über die sich die Anwohner beschweren. „Soviel passiert da auch nicht, es wird halt Musik gehört“, sagen die drei.

Beide Seiten der Medaille kennen Martin Probst (29), Daniel Hagen (28) sowie Mechthild und Johannes Preis (beide 25). Sie sind selbst Anwohner am Anger und feiern auch gerne mal auf der Liegewiese ein Grillfest. Dabei könne es zwar schon einmal etwas lauter werden. „Deswegen aber einen Sicherheitsdienst einzusetzen, wäre komplett übertrieben“, sagen die vier unisono. 

Halten den Einsatz eines Sicherheitsdienstes für völlig übertrieben (v. li): Martin Probst, Daniel Hagen sowie Johannes und Mechthild Preis.

Generell dürfe sich bei einer Wohnanlage mit jungen Familien auch mal was rühren, sagt Johannes Preis. Man müsse auch nicht immer gleich die Polizei rufen. „Wenn es zu laut wird, dann rede ich eben mit den Jugendlichen“, sagt Hagen. Wenn man sich weiter Richtung Würm zurückziehe, sei der Lärm für die Anwohner auch nicht mehr so laut. Das Quartett glaubt, dass man dann auch ohne Security zu einem friedlichen Miteinander kommt.

Unterstützung bekommen die Jugendlichen auch von der SPD (siehe unten) und von Eltern. Eine Mutter, die anonym bleiben möchte, sagt: „Wir brauchen auch Flächen für unsere Jugendlichen, an denen sie sich treffen, Spaß haben und Fußball spielen dürfen.“ Endlich würde sich der Nachwuchs nicht mehr nur vor dem Fernseher aufhalten oder sich mit dem Handy beschäftigen. „Und dann ist das offenbar auch wieder nicht recht.“ ad

SPD lehnt Kontrolle ab

Einen Sicherheitsdienst auf der Angerwiese zur Kontrolle feiernder Menschen darf es in der lebensfrohen Gartenstadt Gräfelfing nach Ansicht von SPD-Gemeinderat Michael Langer nicht geben. „Natürlich ist es nicht schön, wenn es dort ab und zu mal an Sommerabenden zu laut zugeht – da haben wir volles Verständnis für die Anwohner, die sich ärgern und Abhilfe verlangen“, sagt er. Doch ein durch das Gelände patrouillierender Sicherheitsdienst könne dies nicht leisten, weil er gar keine Sanktionsmöglichkeiten habe. Stattdessen laufe man nur Gefahr, dass Konflikte eskalieren. „Was helfen kann, wäre ein Streetworker, der für Gespräche zum Konfliktabbau geschult ist“, sagt Langer. Ein solcher könne mit den jungen Leuten reden, wenn’s mal zu laut wird. Die SPD-Fraktion hat im Gemeinderat einen entsprechenden Antrag eingereicht, damit sich die Gemeinde um einen stundenweisen Einsatz eines Streetworkers an den neuralgischen Sommerabenden kümmert. „Das kostet nicht die Welt, kann aber viel bringen.“ ad

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