Peter Köstler (CSU) übernimmt Amt in Gräfelfing 

Gräfelfings neuer Bürgermeister im Interview: "Gespräche in Sachen Lärmschutz wieder aufnehmen"

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Seit dem 1. Mai sitzt Peter Köstler auf dem Chefsessel der Gemeinde Gräfelfing.

Von Corona will sich Gräfelfings neuer Bürgermeister Peter Köstler (CSU) nicht bremsen lassen. Was jetzt als Erstes auf seiner Agenda steht, verrät er im Interview.

  • Peter Köstler ist seit dem 1. Mai Gräfelfings Bürgermeister
  • Gemeinde sei für Corona-Krise noch gut aufgestellt
  • Lochhams neue Mitte und Sanierung des Bürgerhauses stehen zeitnah an
  • Veränderungen im Gemeinderat

Gräfelfing - Nur ein Stockwerk liegt zwischen Peter Köstlers altem Büro im Gräfelfinger Rathaus und dem Arbeitszimmer des ersten Bürgermeisters, von dem aus der CSUler seit dem 1. Mai die Geschäfte der Gemeinde führt. Trotz des kurzen Wegs: Noch stapeln sich in einer Ecke der Amtsstube gelbe Kisten voller Akten. Um sich komplett einzurichten fehlte Köstler bisher sein Aktenschrank – und die Zeit. 

Bis Ende April war er noch als Verwaltungsleiter bei der Erzdiözese München und Freising tätig. Gleichzeitig hält die Corona-Pandemie Gräfelfing in Atem. Warum sich der neue Bürgermeister trotzdem nicht ausbremsen lassen will und warum er die Gemeinde gut gerüstet sieht, verrät er Hallo im Interview.

"Besondere Stimmung im Rathaus"

Herr Köstler, Sie übernehmen das Bürgermeisteramt in angespannten Zeiten. Was bedeutet das für Sie – fühlen Sie sich ins kalte Wasser geworfen?

Nein. Die Amtsgeschäfte kenne ich ja schon aus meinen zwölf Jahren als zweiter Bürgermeister. Außerdem ging es für mich ja relativ nahtlos über, weil ich in den Osterferien noch die Vertretung der Bürgermeisterin übernommen habe. Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, die Amtsübergabe beim Maifest mit der Bevölkerung zu feiern. Aber die Zeiten sind nunmal wie sie sind. 

Wie ist die Stimmung aktuell im Rathaus?

Die ist natürlich besonders. Meine erste Aufgabe als Bürgermeister war eine Besprechung mit den Amtsleitern, wie wir mit der Corona-Situation umgehen, um Mitarbeiter zu schützen und trotzdem für die Bürger da zu sein. Das Rathaus ist ja seit dieser Woche wieder geöffnet, aber natürlich unter Auflagen.

Gewerbesteuer-Einbußen noch „in überschaubarem Rahmen“

Als Bürgermeisterkandidat war Ihr Motto: „Gräfelfing kann mehr!“ Geht in der aktuellen Situation in der Gemeinde überhaupt noch mehr? 

Das ist möglich, aber man muss sich natürlich nach den aktuellen Gegebenheiten richten. Grundsätzlich bezog sich das Motto ja aber nicht darauf, mehr Geld auszugeben. Sondern auch darauf, neue Themen anzugreifen, die bisher etwas zu kurz gekommen sind – zum Beispiel der Lärmschutz an der A96. Die Krise hindert mich ja nicht daran, da Kontakte herzustellen.

Neue Schwimmhalle, Bürgerhaussanierung, Entlastungsstraße – Gräfelfing hat viele geplant. Ist dafür trotz Corona überhaupt noch das Geld da?

Ja, derzeit schon, weil wir in den vergangenen Jahren eine sehr gute Finanzlage aufgebaut haben. Zwar gibt es bereits einige Anträge auf Gewerbesteuer-Stundungen von Gräfelfinger Unternehmen, aber das ist noch in einem Rahmen, der überschaubar ist. Wir werden uns laufende Projekte aber natürlich mit der Kämmerin genau anschauen – wahrscheinlich zur Mitte des Jahres. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Zahlen wahrscheinlich noch nicht sehr aussagekräftig.

Sanierung des Bürgerhauses noch vor Sommerpause Thema

Welche Themen haben Sie in Ihren ersten Amtstagen denn bereits angegriffen? 

Zum Umbau des Pschorrhofs und des Rudolf-und-Maria-Gunst-Hauses gab es bereits erste Gespräche. Ich bin zuversichtlich, dass beides zeitnah wieder in den Gremien Thema ist. Auch die Sanierung des Bürgerhauses möchte ich noch vor der Sommerpause besprechen lassen. Dass die Autobahndirektion gerade an der A96 arbeitet, sehe ich zudem als Chance, den Faden in Sachen Lärmschutz wieder aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen.

In der Stichwahl konnten Sie sich nur knapp durchsetzen, im Gemeinderat sind sechs Parteien vertreten. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit nach der ersten Sitzung ein? 

Die Stimmung war gut, trotz gewisser Spannung bei den Wahlen für den neuen Zweiten und Dritten Bürgermeister (Anmerkung der Redaktion : Wolfgang Balk von der IGG und Martin Feldner von Bündnis 90/ Die Grünen). Hitzige Debatten werden nicht ausbleiben. Es soll ja auch ein Wettbewerb der Ideen bleiben – wenn man am Ende eine gemeinsame Linie findet und sich alle weiter in die Augen sehen können. 

Interview: R. Ebert-Adeikis

Ausschussgröße und Sitzungsgeld: Das ändert sich im neuen Gemeinderat

Gleich neun neue Gemeinderäte sitzen künftig im Gräfelfinger Gemeindegremium. Neu dazu gekommen sind Ochmaa Göbel (CSU), Lion Buro, Annette Rosellen und Ute Sturm (alle IGG), Anette Kitzmann-Waterloo und Sabine Müllauer (beide SPD), Martin Feldner, Ulrike Tuchnitz und Gerhard Mengedoht (Bündnis 90/Grüne).

Neu sind auch die beiden stellvertretenden Bürgermeister: Wolfgang Balk (IGG) wurde für das Amt des 2. Bürgermeisters gewählt, als Gegenkandidat war Florian Ernstberger (BVGL) vorgeschlagen worden. Den Posten des 3. Bürgermeisters hat ab sofort Martin Feldner (Grüne) inne, der sich in einer Stichwahl gegen Florian Renner (BVGL) durchsetzte.

In den Gemeinde-Ausschüssen werden künftig jeweils neun Gemeinderäte debattieren. Bisher waren es sieben. Zudem wurde der „Ausschuss für überörtliche Angelegenheiten und Umwelt“ in „Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität“ umbenannt werden. „Der alte Begriff ist umständlich und nicht mehr zeitgemäß“, so Bürgermeister Peter Köstler. Ob damit auch eine inhaltliche Neuausrichtung einhergeht, werde in einer der kommenden Sitzungen debattiert. 

Bereits mehrheitlich beschlossen wurde eine Erhöhung der Aufwandsentschädigung für die Gemeinderäte. Auf Vorschlag Köstlers bekommen diese künftig 70 anstatt 50 Euro Sitzungsgeld. „Dem Gemeinderat anzugehören ist ein wichtiges Ehrenamt. Dafür haben die Mitglieder auch eine entsprechende Anerkennung verdient“, erklärt der Bürgermeister seinen Vorstoß. Zuletzt waren die Sitzungsgelder vor zwölf Jahren angehoben worden.

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