Becherweise Umweltschutz

Umweltschutz to go: Gräfelfinger setzt sich für Mehrweg-Kaffeebecher ein

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Sabine Strack (45) und Hans Sickinger (57) präsentieren die ersten Prototypen der Mehrweg-Kaffeebecher. Im Laufe dieser Woche werden die Becher gestaltet.

190 000 Kaffeebecher werden allein in München täglich weggeworfen. Im Würmtal sieht es nicht viel besser aus – noch nicht. Denn Bäcker Hans Sickinger (mit Sabine Strack von der Wirtschaftsförderung Gräfelfing) will diese Müllmassen künftig eindämmen – und alle Würmtaler Geschäfte, die Kaffee ausschenken, sollen mitmachen.

190 000 Kaffeebecher! Das ist die traurige Müll-Bilanz eines einzigen Tages in München. Dass sich daran etwas ändern muss, findet nicht nur der Abfallwirtschaftsbetrieb München (siehe unten) – sondern auch ein Bäckermeister aus Gräfelfing. Denn auch im Würmtal sind die „Coffee to go“-Becher ein Problem für die Umwelt: „Mich stören diese großen Mengen an Einweg-Bechern schon lange“, sagt Hans Sickinger (57). Der Gräfelfinger hat deshalb jetzt ein würmtalweites System für Mehrweg-Kaffeebecher ins Leben gerufen.

So funktioniert’s: Auf die neuen Becher soll es voraussichtlich einen Euro Pfand geben. Wer seinen Becher zurückbringt, erhält den Euro wieder oder aber einen frischen Kaffee in einem gespülten Becher.

Unterstützung bekommt der Bäckermeister von den Beauftragten für Wirtschaftsförderung in den Gemeinden Gauting, Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg. Diese befinden sich derzeit im Gespräch mit verschiedenen Geschäften, an denen Kaffee ausgeschenkt wird. „Viele wollen mitmachen. In Zukunft kann man seinen Becher zum Beispiel in dem einen Café kaufen und in einem anderen abgeben“, sagt Sabine Strack (45) von der Wirtschaftsförderung Gräfelfing.

Die Mehrweg-Kunststoffbecher sind auch schon fast fertig. Nun müssen sie noch gestaltet und bestellt werden. Nur die Wegwerf-Plastikdeckel bleiben, dafür sind diese aber recyclebar. „Ab Frühjahr dieses Jahres werden die Becher dann erhältlich sein“, sagt Strack. Sobald klar sei, wer alles mitmacht, wird die Öffentlichkeit darüber informiert.

„Ich hoffe, dass die Würmtaler das wohlwollend annehmen“, sagt Bäcker Sickinger. „In der Anfangsphase wird es bei mir noch die Alternative geben zwischen Einweg-Bechern und den neuen Mehrweg-Kaffeebechern.“ Langfristig hofft er, dass das Würmtal zum Vorbild für den gesamten Landkreis wird – und natürlich für München. Damit auch dort künftig deutlich weniger Kaffeebecher im Müll landen.
Laura Felbinger

Hallo München-Interview

Jeder, der sich einen Kaffee zum Mitnehmen holt, bekommt diesen in einem nicht recyclebaren Becher, der im Müll landet. Das muss nicht sein, findet der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) und entwickelt gerade eine Abfallvermeidungskampagne mit dem Schwerpunkt Einweg-Kaffeebecher.

Hallo München hat mit dem Leiter des Büros der Werkleitung des AWM Günther Langer (58, Foto re.) über die Kampagne gesprochen.

Herr Langer, seit wann ist der Müll durch Kaffeebecher ein Thema bei Ihnen?
Angestoßen wurde das durch einen Stadtrats-Antrag Ende letzten Jahres, in dem ein „Coffee to go“-Pfandsystem gefordert wurde. Deutschlandweit tut sich da immer mehr, beispielsweise im Würmtal. Das beobachten wir schon eine ganze Weile. Deshalb war klar, dass wir nun auch in Bezug auf die Umweltverschmutzung durch Kaffeebecher aktiv werden wollen.
Was unternimmt der AWM genau?
Im Herbst startet unsere Aufklärungskampagne. Es geht dabei um Abfallvermeidung allgemein und um die Kaffeebecher im Speziellen. Zunächst müssen wir ein Bewusstsein unter den Menschen schaffen, um sie auch zum dauerhaften Mitmachen zu motivieren. Und wir müssen Werbung für das Projekt machen. In der Zwischenzeit entscheiden wir, welches Mehrwegunternehmen wir unterstützen wollen. Wir kaufen dann eventuell Becher und verteilen diese unter der Bevölkerung, um das Ganze ins Rollen zu bringen.
Können Sie schon ein paar Details zu Ihrer Aufklärungskampagne verraten?
Wir informieren über unsere Homepage und Facebook. Momentan wird noch überlegt, wie das Thema der Öffentlichkeit zusätzlich nahe gebracht werden kann.
Im Würmtal versucht ein Bäcker gerade, alle Geschäftsleute zu motivieren, an einem gemeinsamen System teilzunehmen. Funktioniert es nur mit Eigeninitiative des Handels?
Ja. Es ist wichtig, dass möglichst viele mitmachen. Es hat keinen Sinn, wenn wir alleine so ein Rücknahme-System starten, bei dem es dann vielleicht drei bis vier Stellen in München gibt und die Leute einmal durch die ganze Stadt fahren müssen, um ihren Becher abzugeben.


Interview: Laura Felbinger

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