Abriss-Angst

Aus für Traditions-Lokal? Neue Wohnungen statt teurer Sanierung

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Ein Neubau des „Lochhamer’s“ kommt für die Wirte nicht infrage

Gräfelfing - Droht einem Teil der Lochhamer Ortsgeschichte der Abriss? Statt der Sanierung der über 110 Jahre alten Traditionsgaststätte hat ein Architekt genau das vorgeschlagen – um mehr Platz für Wohnungen zu schaffen.

112 Jahre ist es her, dass aus einem Bauernhaus an der Würm ein Landwirtshaus entstand – die „Lochhamer Einkehr“, heute als „Lochhamer’s“ bekannt. Jetzt ist das Gebäude dringend sanierungsbedürftig. Seit Karin und Klaus Oeding das Traditionslokal vor 15 Jahren von der Gemeinde gepachtet haben, kämpfen sie mit der maroden Bausubstanz: Mal war der Holzfußboden brüchig, mal regnete es durchs Dach, dann streikte die Heizung. „Wir haben nur noch Mängelbriefe geschrieben“, sagt die Wirtin. Im jüngsten Bauausschuss wurde nun das ganze Ausmaß deutlich: 1,5 Millionen Euro würde es allein kosten, den besonders kaputten Nord-Anbau mit den Kühlräumen der bayerisch-mexikanischen Gaststätte durch einen neuen zu ersetzen. Mindestens nochmal so viel müsste in den Rest des Gebäudes gesteckt werden.

Für Architekt Bertold Ziersch der Grund, einen Komplettabriss und Neubau des „Lochhamer’s“ nach Auslaufen des Pachtvertrags 2024 vorzuschlagen –inklusive des ebenfalls maroden Jugendhauses auf der anderen Seite der Lochhamerstraße. Stattdessen könnten auf dem Gelände neben einem Gasthof auch Wohnungen und Tiefgaragen Platz finden.

Eine Forsetzung des Wirtshauses sei nach dem Abriss ungewiss

Wollen weiterhin für ihr Lokal kämpfen: Klaus und Karin Oeding

„Hirnrissig“ nennt Klaus Oeding den Vorschlag. „Es wird überhaupt nicht darüber nachgedacht, was den Bürgern in Gräfelfing wichtig ist. Wir sind ein Treffpunkt geworden“, sagt er. Stets sei das Lokal mit 170 Plätzen gut besucht, für Veranstaltungen beliebt. Auch wenn Ziersch in Aussicht gestellt habe, dass die Familie dort später wieder eine Wirtschaft betreiben könnten, sei eine Fortsetzung ungewiss. „Es geht ja auch um Existenzen. Wir können unseren 15 Mitarbeitern während der Bauzeit ja nicht sagen, sie sollen ein, zwei Jahre stempeln gehen.“

Immerhin: Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) stemmt sich genauso vehement gegen die Idee des Architekten. „An der Würm ist Lochham als Bauerndorf entstanden – wenn diese beiden Gebäude ersetzt werden, ist nichts mehr von dieser Geschichte hier erlebbar“, sagt sie Hallo. „Sie gehören ganz stark zur Identität der Gemeinde Gräfelfing.“ Den Pächtern habe sie laut Karin Oeding zugesichert, dass es keinen Abriss geben werde, solange sie Bürgermeisterin ist. Doch die Wirtsfamilie will auch selbst etwas für den Erhalt tun. Etwa 70 000 Euro plant Klaus Oeding in den nächsten fünf Jahren zusammen mit der Brauerei zu investieren. „Wir wollen Vollgas geben, damit die Gräfelfinger sehen, dass wir hinter dem Gebäude stehen.“ Die Gemeinde selbst plant vorerst nur Notreparaturen. So werden die Kühlräume abgerissen und vorübergehend durch fünf Container ersetzt. Konkretere Planungen könne man bis 2024 machen. Romy Ebert-Adeikis

Mängel auch am "Freizi"

Etwa 670 000 Euro muss die Gemeinde Gräfelfing auch in das Jugendhaus „Freizi“ im Ortsteil Lochham investieren. Problematisch sei dabei nicht nur die Bausubstanz des alten Bauernhauses, sondern auch die eigenwillige Umnutzung von Räumen oder das Zustellen von Fenstern, berichtete der Münchner Merkur. Besonderer Handlungsbedarf bestehe beim Brandschutz. So müssten dringend die Treppenhäuser zu richtigen Rettungswegen ausgebaut werden, hieß es im Gräfelfinger Bauausschuss.

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