Party-Zoff in Gauting

Stoppt die Eskalation! Partys rauben den Gautingern den letzten Nerv

Trinkspiele statt Tischtennis: Die Wiese neben dem Betreuten Wohnen in Gauting wird immer öfter zum Partymachen genutzt – zum Leidwesen der Anwohner.
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Trinkspiele statt Tischtennis: Die Wiese neben dem Betreuten Wohnen in Gauting wird immer öfter zum Partymachen genutzt – zum Leidwesen der Anwohner.

Gauting - Laute Musik, eine aggressive Stimmung, Glasscherben: Feiern von Jugendlichen arten immer öfter aus - Was die Polizei dazu sagt und wie die Gemeinde härter durchgreifen will, weiß Hallo

Wenn die Nächte lau sind, wird den Bewohnern des Betreuten Wohnens am Gautinger Grubmühlerfeld wieder bang: „Ab dem späten Nachmittag glühen die Jugendlichen hier vor. Ab abends um 10 wird es dann richtig laut“, sagt Julia S. „Einmal konnte ich aus dem Gegröle – bei geschlossenem Fenster und am anderen Ende meiner Wohnung – die Melodie von Country Roads raushören. Und so geht das dann die ganze Nacht“, erinnert sich S.

Die 54-Jährige sitzt im Rollstuhl, lebt seit fast 20 Jahren in der Anlage direkt an der Würm. Ihr Schlafzimmerfenster geht zur angrenzenden Wiese hinaus, die sich dank Tischtennisplatte und Basketballplatz zum immer beliebteren Treffpunkt entwickelt. „Letzten Sommer gab es hier an jedem zweiten Tag eine Orgie“, erzählt S. Zigrattenstummel, Bierflaschen, Pizzakartons und anderer Müll bleiben davon übrig.

Die Feiernden sind nicht nur laut, sie hinterlassen auch viel Müll.

Vor allem in der Ferienzeit sei immer etwas los, bestätigt auch Einrichtungsleiterin Jutta Gerkov. Zehn bis 20 Personen sind dann dort abends versammelt, die jüngsten etwa 14 Jahre, wie Gerkov sagt. „Und dann hängen die hier völlig blau auf den Bänken...“

Nicht selten hätten die Bewohner der Anlage im letzten Sommer die Polizei geholt, allein Julia S. zwei Mal. „Aber viel tun kann die Polizei auch nicht. Wenn die weg ist, geht das wieder los.“

Ganz abstreiten kann das Ernst Wiedemann, Leiter der Polizei Gauting, nicht. „Dann muss man nochmal die Polizei rufen“, rät er Betroffenen. In ex­tremen Fällen könne ein Platzverbot ausgesprochen werden. „Aber das ist noch nie der Fall gewesen.“ Fünf bis zehn Mal im Jahr würden seine Beamten wegen Partys in Gauting gerufen. Eine Häufung sieht er darin nicht. „Aber es wird immer öfter Müll hinterlassen“, so Wiedemann.

Dabei sind die Anwohner am Grubmühlerfeld nicht die einzigen Betroffenen. „Aufgrund von aggressiver Stimmungslage“ bei Partys auf dem Vorplatz habe man mehrfach die Polizei gerufen, teilt die stellvertretende Leiterin des Kultur- und Bürgerhauses Bosco, Désirée Raff, mit. Auch am Rathausvorplatz werde zunehmend gefeiert, teilt Gemeindesprecherin Gabriele Heigl mit.

Alkohol- und Musikverbot am Rathausplatz

Nun hat Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) versprochen, dass das Ordnungsamt härter durchgreift. So sollen auf dem Rathausvorplatz und vielleicht beim Bosco Schilder aufgestellt werden, die die „Ortsregeln“ – keine Musik, kein Alkohol, kein Müll – vermitteln. Noch im Juli sollen sie bestellt werden. „Darüber hinaus prüft die Gemeinde eine mögliche Videoüberwachung auf dem Rathausvorplatz.“.

Auch der Basketballplatz neben der Wohnanlage bleibt nicht von Müll und anderen Hinterlassenschaften verschont.

Gemeinsam mit der Polizei will die Gemeinde laut Heigl zudem eine Sicherheitswacht aufbauen. Polizeichef Ernst Wiedemann weiß davon noch nichts. Zweimal hätte die Gemeinde deren Einrichtung bereits abgelehnt, wundert er sich.

Dass das härtere Vorgehen die Probleme am Grubmühlerfeld löst, daran glaubt Julia S. nicht. Das Gelände nebenan sei für Jugendliche einfach attraktiv. „Etwas Vergleichbares haben die jungen Leute in Gauting nicht.“ Ihre Idee: Ein ähnliches Gelände beim TC Gauting errichten, wo bereits jetzt eine Halfpipe steht. Alternativ könne eine Badestelle, keine 100 Meter von ihrer Wohnanlage entfernt, aufgewertet werden. Eine Grillstelle existiert dort ohnehin. 

Romy Ebert-Adeikis

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