Kommt jetzt das "Kopfgeld" für Schmierfinken?

Sprayer-Krieg in Gräfelfing

FC Bayern versus 1860 München: Christoph Claassen glaubt, dass in Gräfelfing ein Sprayer-Kampf ausgebrochen ist.
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FC Bayern versus 1860 München: Christoph Claassen glaubt, dass in Gräfelfing ein Sprayer-Kampf ausgebrochen ist.

Gräfelfing - Seit Wochen liefern sich Fußballfans in ihrem Wohnviertel einen Kampf um Aufmerksamkeit – mit Graffiti. Was sie jetzt planen

Christoph Claassen kann mit Fußball nicht viel anfangen. Das ist aber nicht der Grund, warum ihm FC Bayern- und 1860-München-Fans die Nerven rauben. „Die Konkurrenz der Vereine ist hier in Gräfelfing ein Vorwand für Vandalismus“, sagt Claassen. Allein in seinem Viertel – rund um die Rottenbucher Straße – hat er elf Stromversorgerkästen und Gartenzäune gezählt, die von Sprayern mit Fansymbolen beschmiert wurden.

„Seit ich Ende 2016 hierher gezogen bin hat das massiv zugenommen“, so Claassen, der jetzt gegen die Vandalen vorgehen will. Seine Idee: Anwohner sollen Geld an Polizei oder Gemeinde spenden, die davon eine Belohnung für Hinweise zu den Tätern ausloben. „Ich würde sofort 100 Euro geben“, bietet Claassen an. Er befürchtet eine Eskalation der Lage. „Wenn wir jetzt nichts machen, sprayen sie bald auch an Garagen und Hauswände. Die Hemmschwelle sinkt.“

Graffiti im ganzen Viertel

So wie bei Elsa Schober, zwei Straßen weiter, deren Gartenzaun von Unbekannten rot und weiß markiert wurde. Erst vor Tagen ist auch ein Stromkasten in ihrer Straße so verunstaltet worden. Von Claassens „Kopfgeld“ ist sie aber nicht überzeugt. „Gräfelfing ist keine Gemeinde, in der es ums Geld geht“, sagt sie. Gemeinsam mit ihren Nachbarn hat sie andere Pläne geschmiedet: Warnschilder aufhängen, nachts Streife gehen, Kameras installieren. „Wir sind aktiv, wir wissen, was hier los ist.“ Und zwar jede Menge, wie Claasen findet. Bevor der 49-Jährige nach Gräfelfing kam, lebte er in München. „Selbst da gab es im Verhältnis weniger Graffiti.“

Seit November wurden vier Sprayer festgenommen

Beim Polizeipräsidium München kann man das so nicht bestätigen. „Gräfelfing ist bei uns kein Schwerpunkt“, sagt Daniel Bartel von der Koordinierungsgruppe Graffiti. Dafür seien die Fallzahlen (siehe unten) in der Gemeinde zu gering. Allerdings sind dort seit November vier Sprayer festgenommen worden – drei Bayernfans und ein „Blauer“, wie Bartel sagt. „Die Häufung der Festnahmen wirft natürlich Fragen auf.“

Auch derzeit werde in Gräfelfing wegen Fußball-Schmierereien ermittelt. „Der Bezug zu Fußball nimmt in der Tat zu“, sagt der Polizist. Das gelte aber vor allem für die Münchner Innenstadt und den Bereich um das Grünwalder Stadion.

Eine Belohnung für Hinweise zu Sprayern hält die Polizei in Gräfelfing nicht für geeignet. „Das kann man bei besonderen Problemlagen machen, aber in Gräfelfing ist die Schwelle dafür noch nicht erreicht“, erklärt Bartel. Stattdessen appelliert er an die Aufmerksamkeit der Bürger. Werden Schmierereien sofort gemeldet, könnten Täter oft sogar auf frischer Tat ertappt werden.

Auch die Gemeinde ist skeptisch, beurteilt den Vorschlag als „ungewöhnlich bis unzulässig“. „Das wäre eine Vermischung von privaten und öffentlichem Recht, das wollen

wir nicht“, sagt Sprecherin Sabine Strack. Romy Ebert-Adeikis

Die Aufklärungsquote liegt bei 20 Prozent

2017 bearbeitete die Koordinierungsgruppe Graffiti münchenweit 2500 Anzeigen. Das sind etwas mehr als durchschnittlich: Normalerweise sind es etwa 2000 bis 2300 Fälle. Zum Vergleich: In Gräfelfing gab es 2017 insgesamt 15 Anzeigen wegen Graffiti, 2018 sind es bereits 13. Übrigens: Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten liegt bei rund 20 Prozent.

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