Das Bitumen ist knapp und im Würmtal verzögern sich mehrere Baumaßnahmen

Raffinerieunglück: Kein Baustoff – keine Baustelle

Bevor am Allwettersportplatz Gräfelfing ein neuer Kunststoffbelag aufgebracht werden kann, müsste asphaltiert werden – doch es fehlt am nötigen Bitumen.
+
Bevor am Allwettersportplatz Gräfelfing ein neuer Kunststoffbelag aufgebracht werden kann, müsste asphaltiert werden – doch es fehlt am nötigen Bitumen.

Würmtal – Ganz Südbayern ist aktuell von einem Bitumenmangel betroffen – Die Folgen bekommen nun auch die Gemeinden im Würmtal zu spüren

Das Schuljahr läuft bereits – aber den Allwettersportplatz können die Schulen am Campus Lochham nur teilweise nutzen. Geplant war, bis Mitte September die Diskus- und Kugelstoßanlage fertigzustellen, bevor im Anschluss neue Spiel- und Sportgeräte organisiert werden. „Unter den Kunststoffbelag kommt aber Asphalt“, sagt Roland Strecker vom Bauamt Gräfelfing. „Und wir sind wie ganz Südbayern von einem Bitumenmangel betroffen.“ Aus dem zähflüssigen Baustoff wird in Mischwerken unter anderem Asphalt.

Der Grund für den Mangel liegt im nördlichen Oberbayern: Nach einer Explosion der Bayernoil-Raffinerie in Vohburg steht dort die Bitumenproduktion still. Der Baustoff muss nun aus Wien, Karlsruhe oder Ostdeutschland bezogen werden. „Für den Transport braucht es aber spezielle Tank­lastzüge. Da kommt es zu Engpässen“, erklärt Detlef Lupp, Geschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbands. Das führe zu starken Preissteigerungen. Gleichzeitig können Baufirmen nicht langfristig planen. „Die Asphaltmischwerke können ihren Verpflichtungen nur mehr schlecht als recht nachkommen.“

Bemerkbar macht sich das auch an der Alten Pasinger Straße in Gräfelfing. „Die sollte in dieser Woche asphaltiert werden. Die Baufirma schaut jetzt, über welche Quellen sie Asphalt bekommen kann“, sagt Strecker, der Verzögerungen fürchtet.

In Krailling sollte die Waldstraße bereits seit Juli saniert werden. Jetzt müssen die Anwohner wegen des Bitumenmangels noch länger warten – auf unbestimmte Zeit, wie Bauamtschef Helmut Mayer sagt. Stattdessen wird „Am Hang“ saniert, wo kaum Durchgangsverkehr blockiert wird. „Bis in Vohburg wieder Bitumen produziert wird, können noch mehrere Monate ins Land gehen“, schätzt Lupp vom Bauindustrieverband. Die Engpässe beim Baustoff könnten also noch wachsen.

Darum ist auch die Gemeinde Planegg von der Firma Strabag gewarnt worden, dass es zu einem Bitumen-Mangel kommen könnte. „Zum Beispiel am Bahnhof, wo wir besonders viel brauchen“, sagt Sprecherin Bärbel Zeller. Strabag wollte sich dazu gegenüber Hallo nicht äußern.

In Neuried und Gauting gibt es derzeit keine Probleme. Genauso wie in der Stadt München: „Die Straßenbaumaßnahmen konnten bereits wie geplant abgeschlossen werden; die Bitumen-Knappheit ist insofern kein Thema“, heißt es aus dem dortigen Baureferat.

Immerhin: Mehrkosten kommen auch auf betroffene Gemeinden vorerst nicht zu. Auf denen bleiben die Baufirmen sitzen.

Romy Ebert-Adeikis

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Raubbau im Wald: Stiftung treibt Kiesabbau bei Forst Kasten voran – jetzt regt sich Protest
Raubbau im Wald: Stiftung treibt Kiesabbau bei Forst Kasten voran – jetzt regt sich Protest
Im Bürgertreff Stockdorf kehrt Leben ein – wenn auch noch ohne eigene Küche
Im Bürgertreff Stockdorf kehrt Leben ein – wenn auch noch ohne eigene Küche
Leinenpflicht im Würmtal? – Verein fordert Einschränkung des Freilaufs für Hunde
Leinenpflicht im Würmtal? – Verein fordert Einschränkung des Freilaufs für Hunde
In Gedenken: Der Tag der Hinrichtung von Kurt Huber jährt sich zum 75. Mal
In Gedenken: Der Tag der Hinrichtung von Kurt Huber jährt sich zum 75. Mal

Kommentare