Kraillings Saubermann

Der „Plogging“-Trendsetter des Würmtals: „Tscho“ Zintl im Hallo München Portrait

Täglich findet Joseph „Tscho“ Zintl Müll am Bergerweiher. Jetzt will er mit Aufklebern den Dreckspatzen ihr Verhalten bewusst machen und mit einer Malaktion Kinder für die Umwelt begeistern.
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Täglich findet Joseph „Tscho“ Zintl Müll am Berger­weiher. Jetzt will er mit Aufklebern den Dreckspatzen ihr Verhalten bewusst machen und mit einer Malaktion Kinder für die Umwelt begeistern.

Krailling - Beinahe täglich findet Joseph „Tscho“ Zintl am Berger­weiher liegengebliebenen Müll - Hallo hat den Kraillinger beim Sammeln begleitet – ein Gespräch über Plastiktüten im Atlantik, schräge Blicke und Müllsammelflotten

Es kommt aus Schweden und liegt im Trend: Beim „Plogging“ sammeln Jogger beim Sporteln Müll ein. Für Joseph „Tscho“ Zintl (74) ist „ploggen“ zwar ein Fremdwort, er ist in der Hinsicht aber der Trendsetter des Würmtals: Seit Zintl 1972 nach Krailling gezogen ist, geht er jeden Morgen am Bergerweiher schwimmen – und schmeißt dann die Plastikfolien, Bierflaschen, Pizzakartons und Kippen weg, die andere liegen gelassen haben. „Das ist doch ein wunderschöner Platz“, sagt Zintl, der sich einen „Naturburschen durch und durch“ nennt.

„Müll im Meer beginnt in unserm Kopf“: Mit diesem Spruch hat Joseph Zintl ein Plakat und Aufkleber gestaltet.

Vor allem unter der Würmbrücke sitzen Gruppen gern zusammen, Zintl räumt ihnen hinterher. „Aber das ist schon besser geworden, vor zwei Jahren war hier noch täglich ein Sau­stall, jetzt dauert es eine Woche bis wieder was liegt.“ Für noch mehr Bewusstsein will der gelernte Reproduktionsfotograf jetzt mit selbstgestalteten Aufklebern sorgen. „Müll im Meer beginnt in unserem Kopf“, hat Zintl auf 30 Exemplare drucken lassen und bringt sie jetzt nach und nach am Gelände an, etwa an den Papierkörben.

Wie viel Müll tatsächlich im Meer ankommt, hat der 74-Jährige selbst erlebt, als er mit einem Segelschiff den Atlantik überquerte. „Ständig sieht man Plastiktüten“, erzählt er und träumt von Müllsammel­flotten auf hoher See. Aber er weiß auch, dass es ohne den Einzelnen nicht geht. „Es liegt in unserer Hand“, sagt der 74-Jährige. Es ist sein Lebensmotto, anwendbar auf seinen Kampf für die Natur und gegen Rassismus. Sich einzusetzen hat er von seinen Eltern gelernt, die als Widerstandskämpfer vor den Nazis flüchten mussten.

Sein Lebensmotto: „Es liegt in unserer Hand“

Für seinen Einsatz für die Natur muss Zintl keine Repressionen fürchten, aber manchmal schräge Blicke – zumindest im Ausland. Denn auch auf Reisen mit seinem Wohnmobil ist ein Müllsack immer dabei. „Wenn ich irgendwo stehenbleibe, dann räum ich erstmal weg“, sagt er. In Italien oder Griechenland ist ihm dafür nicht immer Verständnis entgegengeschlagen. „In Deutschland sehen die Menschen eher verschämt weg und tun so, als gehe es sie nichts an.“

Damit sich das ändert, will Zintl im Rahmen des Kult-Art-Festival in Krailling (Freitag, 6., bis Sonntag, 8. Juli) vor allem Kinder und Jugendliche für den Naturschutz begeistern. Er hat ein großes Plakat mit Delfinen gemalt, für das Kinder aus buntem Papier Fische ausschneiden und aufkleben dürfen. Bis dahin wird Zintl weiter allein Müll in die richtigen Behälter werfen müssen. Seine Sammeltüte aus Plastik nimmt er dann wieder mit. „Mehrfachverwertung“, sagt er mit einem Zwinkern. 

Romy Ebert-Adeikis

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