Marode Inspektion in Planegg

Muss die Polizei Planegg umziehen? Gemeinderat debattiert Kompromiss für Neubau-Suche

60 Jahre nach ihrem Bau ist die Polizeiinspektion Planegg nicht mehr zeitgemäß.
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60 Jahre nach ihrem Bau ist die Polizeiinspektion Planegg nicht mehr zeitgemäß.
  • Romy Ebert-Adeikis
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Die Polizeistation Planegg ist nicht mehr zeitgemäß, ein Neubau muss dringend her. Doch im Gemeinderat ist der Standort umstritten. Jetzt liegt ein Kompromiss vor.

Update, 18. März, 8 Uhr:

Planegg - Die Polizeiinspektion Planegg braucht dringend einen Neubau. In der Frage, ob sie dafür das Grundstück am bisherigen Standort an der Josef-von-Hirsch-Straße erwerben kann, scheiden sich im Gemeinderat aber die Geister. So fordert die SPD, das Areal stattdessen für eine Kita zu nutzen.

Gemeinde Planegg will Polizei zwei Grundstücke zur Wahl stellen

Mehrere alternative Polizeistandorte wurden geprüft und nicht öffentlich im Gemeinderat debattiert. „Aber bisher konnten wir uns partout nicht auf einen einigen“, so Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU).

Die Gefahr: „Wenn wir der Polizei nichts anbieten, wird der Neubau trotzdem irgendwann ausgeschrieben und andere Gemeinden kommen zum Zug. Aber ich will den Standort Planegg unbedingt halten“, sagt Nafziger. Darum wird am Donnerstag, 18. März, nun ein Kompromissvorschlag diskutiert.

Dieser sieht vor, der Polizei entweder das aktuelle Gelände oder eine Fläche am nördlichen Bahnhofsareal zu verkaufen. „Dann kann die Polizei selbst entscheiden, welches Grundstück besser geeignet ist“, erklärt der Rathauschef.

Erlös für Grundstücksverkauf soll für Wohnungsbau eingesetzt werden

Der Verkaufserlös soll zweckgebunden in den Wohnungsbau fließen. Vergeben würde ein Grundstück aber nur, wenn die Gemeinde ein Rückkaufrecht erhält, verspricht Nafziger.

Aber auch zu dem Kompromiss deutet sich im Vorfeld eine kontroverse Debatte an: Während sich CSU und Liste-FDP deutlich dafür aussprechen und den bisherigen Polizeistandort bevorzugen, kommt für die meisten anderen Fraktionen ein Neubau nur am Bahnhof infrage.

Die SPD will den Beschlussvorschlag sogar gänzlich ablehnen. GrüneGruppe21-Fraktionssprecherin Angelika Lawo bringt zudem ein Gremium mit Gemeinderäten verschiedener Parteien ins Spiel, „die den Planungsprozess begleiten, so dass am Ende eine spruchreife Entscheidungsgrundlage vorliegt“. Das sei bisher nicht der Fall.

Für Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour (FDP-Fraktion) ist die Zeit des Zögerns vorbei. „Sonst gehen wir das Risiko ein, dass der Polizei der Geduldsfaden reißt und sie aus Planegg weggeht.“ Der große Zeitdruck jetzt sei auch eine Folge der Versäumnisse des früheren Bürgermeisters Heinrich Hofmann (SPD). „Hofmann hat nicht nur nichts getan, sondern auch den Gemeinderat nicht über den katastrophalen Zustand der Polizei informiert“, so von Schall-Riaucour.

Originalartikel vom 25. Februar 2021

Planegg - Am 1. März wird die Polizeiinspektion in der Josef-von-Hirsch-Straße in Planegg 60 Jahre alt. Für die dort tätigen Beamten nicht wirklich ein Grund zum Feiern, seitdem hat sich in dem Gebäude wenig getan.

Strom- und Wasserleitungen sind noch aus dieser Zeit. Die Zahl der Polizisten hat sich über die Jahre mehr als verdoppelt, für Beamtinnen mussten Umkleiden und Sanitäreinheiten geschaffen werden – ohne, dass das Haus erweitert wurde.

„Die Situation ist sehr beengt und nicht mehr zeitgemäß“, sagt Inspektionsleiter Thomas Sorgalla. „Ich denke nicht, dass wir hier noch fünf Jahre bleiben können.“

SPD Planegg sieht Chance eines Familienzentrums

Für einen Neubau wurde bereits ein Flächenbedarf erarbeitet. Aktuell läuft im Innenministerium ein Flächenmanagementprozess, der die wirtschaftliche Deckung des Bedarfs zum Ziel hat. Das heißt: Die Inspektion muss nicht zwingend am alten Standort bleiben.

Die SPD Planegg sieht darin eine Chance. „Durch den Verzicht auf den bisherigen Standort, besteht für die Gemeinde die Chance, auf Bedarfe im Bereich der Kinderbetreuung zu reagieren und das Konzept eines Familienzentrums zu vervollständigen“, schrieb jüngst die Planegger Bundestagsabgeordnete Bela Bach an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Stattdessen solle das Ministerium auch andere Standorte in Betracht ziehen. Konkret nennt Bach den aktuellen Bauhofparkplatz gegenüber der Feuerwehr.

Im Raum steht ein Neubau neben dem Bauhof.

„Die Stelle ist völlig ungeeignet“, ärgert sich Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) über den Vorstoß, zumal weder mit ihm noch mit der Polizei vorab gesprochen worden sei. „Die Fläche ist kleiner als die bisherige und der Grund durchzogen von Leitungen. Baut man da zum Beispiel eine Tiefgarage, die die Polizei eigentlich braucht, dann ist Planegg ohne Strom“, erklärt Nafziger.

Die Gemeinde selbst hat ebenfalls verschiedene Standorte geprüft, etwa am Bahnhofsareal, was in den kommenden Jahren umgestaltet wird. Am Donnerstag, 25. Februar, diskutiert der Gemeinderat nichtöffentlich über die Ergebnisse. „Fakt ist, die Auswahl ist in Planegg nicht groß“, so Nafziger.

Er selbst würde daher den bisherigen Standort bevorzugen. „Es ist doch super, wenn die Polizei direkt neben einer Schule präsent ist“, so der Bürgermeister. Zudem sei es gar nicht so leicht, auf dem Grundstück eine Kinderbetreuungseinrichtung einzurichten. Dafür seien nämlich große Außenflächen nötig.

Erweiterung der Josef-von-Hirsch-Straße?

Grundsätzlich sei eine Erweiterung der Polizei an der Josef-von-Hirsch-Straße möglich, sagt Inspektionsleiter Thomas Sorgalla. „Alle Nachbargebäude sind höher, wir könnten einfach zwei Stockwerke draufsetzen.“ Außerdem sei die Polizei an dem Standort fest verankert, nicht erst seit dem Bau der Inspektion vor 60 Jahren.

„Schon 1884 waren Polizisten im Planegger Zentrum ansässig“, sagt Sorgalla. Die Sichtbarkeit im Ort ist für ihn daher – neben der guten Erreichbarkeit – eine Priorität bei der Standortfrage. „Ein Neubau auf der Wiese oder versteckt im Gewerbegebiet erscheint mir nicht geeignet.“

Dann ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Inspektion sogar in einen der Nachbarorte ausweicht. Auch dort werden Flächen geprüft. „Ich werde den Standort Planegg verteidigen“, gibt sich Bürgermeister Nafziger kämpferisch.

rea

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