Gemeinderat lehnt Projekt ab

Rathaus-Neubau in Neuried geplatzt - bleibt Verwaltung jetzt im Gewerbegebiet?

So hätte das neue Rathaus aussehen können. Der Siegerentwurf des  Architektenbüros Ackermann+Renner wurde erst Anfang Februar vorgestellt.
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So hätte das neue Rathaus aussehen können. Der Siegerentwurf des Architektenbüros Ackermann+Renner wurde erst Anfang Februar vorgestellt.
  • Romy Ebert-Adeikis
    vonRomy Ebert-Adeikis
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Paukenschlag in Neuried: Der Gemeinderat hat den Bau eines neuen Rathauses in der Ortsmitte abgelehnt. Was die Gründe sind und wo die Verwaltung nun unterkommen soll.

  • Gemeinderat Neuried stoppt Neubaupläne für Rathaus
  • Vielfältige Gründe brachten die Ablehnung
  • Gemeinde liegt bereits ein Angebot zum Kauf des derzeitigen Gebäudes im Gewerbegebiet vor

Neuried - Keinen Monat ist es her, dass die Gemeinde Neuried stolz drei Siegerentwürfe für eine Umgestaltung der Ortsmitte samt neuem Rathaus präsentiert hat. Jetzt ist das alles hinfällig: Am Dienstag hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, den Neubau komplett abzusagen.

Neuried: Gegen Neubau des Rathauses stimmen fast alle Fraktionen

Eigentlich hatte das Gremium in der Sitzung den Antrag der CSU-Fraktion zur Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes diskutieren sollen. Am Ende kam es zum Paukenschlag: Mit Ausnahme der Christsozialen stimmten alle Gemeinderäte gegen das Vorhaben.

Die Gründe für die Entscheidung, die die Gemeinde am nächsten Tag nennt, sind vielzählig. So rechnet der Planungsverband damit, dass in Neuried in Zukunft deutlich mehr Kinder zur Schule gehen werden. „Daher ist mit bis zu 20 Klassen langfristig zu rechnen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Da ab 2025 jedes Kind auch Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung hat, müssen Schule und Hort voraussichtlich erweitert werden. Dafür brauche es gegebenenfalls die Flächen in der Ortsmitte.

Auch die aktuelle Pandemie habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt: „Es wird bezweifelt, ob ein Rathaus in der Ortsmitte zur Belebung beiträgt, da Corona gezeigt hat, dass vieles online erledigt werden kann und in Zukunft noch weiter ausgebaut wird“, teilt die Gemeinde mit.

Neues Rathaus Neuried: Gemeinderäte befürchten Baukostenexplosion

Große Sorgen gab es auch bezüglich der Kosten eine. Der Bau der Mehrzweckhalle und der Erweiterungsbau der Grundschule haben gezeigt, dass die Baukosten immer massiv - bis 30 Prozent - überschritten werden“, so die Gemeinde weiter. Aktuell sind für das Rathaus 11,5 Millionen Euro angedacht, diese könnten bei einer ähnlichen Kostenentwicklung auf bis zu 15 Millionen Euro steigen.

Gleichzeitig hätte Neuried aus dem Verkauf weiterer Flächen in der Ortsmitte für Wohn- und Geschäftsgebäude nicht ausreichend Geld erzielen können, um das Rathaus zu finanzieren. Das habe sich in den Entwürfen des Planungswettbewerbs gezeigt. „Die angedachte Bruttogeschossfläche für diese Gebäude wurde in allen Entwürfen zum Teil deutlich unterschritten“, so Gemeinde-Sprecherin Inke Franzen. Weniger Verkaufsfläche bedeute aber auch weniger Erlös.

Dazu kommt der zeitliche Druck: Aktuell ist die Gemeindeverwaltung in einem Geschäftsgebäude im Gewerbegebiet eingemietet. Dieser Vertrag läuft allerdings 2023 aus, ein Neubau des Rathauses hätte schnellstens finanziert werden müssen. „Unter der Voraussetzung hätte uns jeder Käufer in der Hand gehabt“, sagt Franzen.

Seit 2018 ist das Rathaus Neuried in einem Gebäude im Gewerbegebiet untergebracht. Der Mietvertrag läuft aber nur bis 2023.

Warum der erst vor wenigen Wochen beendete Planungswettstreit mit 18 Architekturteams und einer Wettbewerbssumme von immerhin 84.000 Euro insgesamt trotz dieser Umstände durchgeführt wurde, erklärt die Gemeinde-Sprecherin so: „Viele Punkte habe sich erst nach der Auslobung im März 2020 ergeben.“ Gegebenenfalls wäre die Gemeinde bei einem Abbruch auch schadensersatzpflichtig gewesen.

Rathaus Neuried könnte im Gewerbegebiet bleiben

Wo das Rathaus stattdessen in Zukunft untergebracht werden soll, beriet der Gemeinderat im Anschluss nicht öffentlich. In den sozialen Medien sind allerdings erste Details durchgesickert. So schreibt der Ortsverband der Grünen auf Instagram: „Jetzt hat sich die Möglichkeit ergeben, ein schon bestehendes Gebäude an anderer Stelle zu kaufen: Das derzeitige Rathaus am Hainbuchenring, das die Gemeinde seit 2018 angemietet hat.“ 

Demnach sei der Kauf des Gebäudes zwar teurer als die bisher angedachten Kosten für einen Neubau. „Aber es ist die sichere Variante. Die Kosten für einen Neubau sind realistisch betrachtet derzeit kaum kalkulierbar“, so die Grünen. Auch die CSU Neuried spricht von einem Ankauf des Geschäftsgebäudes.

Die Gemeinde bestätigt indes nur, dass ein Angebot vorliege, „das konkretisiert und im ersten Halbjahr umgesetzt werden soll“. Ein Rückzug des Rathauses ins Zentrum Neurieds scheint damit weit in die Ferne gerückt zu sein.

rea

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