Bürgermeister fassungslos

Post-Panne verhindert Corona-Impfungen in Neuried

Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel mit einer Postkiste voller Briefe.
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Bürgermeister Harald Zipfel ist entsetzt, dass 250 Info-Schreiben zum Impftag in der Gemeinde wegen einer falschen Frankierung nie verschickt wurden. 

Die Deutsche Post macht den Bemühungen zu Corona-Impfungen in Neuried einen Strich durch die Rechnung. Mehrere Info-Briefe wurden nicht versendet. Der Grund: Bürokratie...

  • Info-Briefe zur Corona-Impfung in Neuried wurden nicht versendet.
  • Bürgermeister Zipfel kritisiert Bürokratie der Deutschen Post.
  • Trotz Problem konnten 100 Bürger über 80 Jahre von mobilen Impfteams geimpft werden.

Update, 11. März, 14.30 Uhr:

Neuried - Im Streit mit der Deutschen Post um nicht verschickte Info-Schreiben zu einer Corona-Impfaktion, bezieht die Gemeinde Neuried nun erneut Stellung. Demnach sei beim Abgeben der Briefe in der örtlichen Postfiliale am Dienstag, 2. März, abgeklärt worden, dass diese als Massenschreiben verschickt werden können.

Porto-Panne in Neuried: Gemeinde hat sich in Postfiliale wegen Massenschreiben erkundigt

„Es mag sein, dass die Post uns so darstellt, als hätten wir nicht frankiert. Richtig ist es jedoch, dass wir die Briefe als Infopost bei unserer Filiale abgegeben haben und bezahlten“, so Gemeinde-Sprecherin Inke Franzen.

Die Frankierung übernehme in diesem Falle die Post und nicht der Kunde. „So war es dann ja auch, wobei auffiel, dass Corona-Briefe keine Infopost sind“, erklärt die Sprecherin.

Nach Angaben der Post wurde daraufhin bereits am Mittwoch, 3. März, eine E-Mail an die Gemeinde geschickt, in der auf die falsche Frankierung hingewiesen wurde. In der Gemeinde Neuried liege diese aber „niemanden von uns im Haus vor“, so Franzen. Auch ein auf Donnerstag, 4. März, datiertes Einschreiben habe das Rathaus erst am Tag der Impfaktion, Montag, 8. März, erreicht.

Die nicht zugestellten Schreiben hat die Gemeinde inzwischen per Amtsbote an die jeweiligen Adressaten verteilt. Unter anderem für diese werde ein weiterer Termin mit einem mobilen Impfteam organisiert.

Denn ohnehin hätten am Tag der ersten Aktion nicht mehr als die 100 angemeldeten Senioren immunisiert werden können. Der Grund: Mehr Impfdosen habe die Gemeinde für den Tag gar nicht erhalten.

Update, 9. März, 17.20 Uhr:

Neuried - Eigentlich hätte alles gut sein können: 100 Senioren aus Neuried wurden Anfang der Woche von einem mobilen Team des Impfzentrums Unterschleißheim in der örtlichen Mehrzweckhalle immunisiert.

Die Ernüchterung kam am Tag danach. Denn: Wahrscheinlich hätten noch viel mehr Über-80-Jährige das Angebot annehmen wollen. 250 Informationsschreiben der Gemeinde zum geplanten Impftag sind aber nie bei den Empfängern angekommen. 

Der Grund macht Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) fassungslos:

Die Post verhindert die Impfungen, weil Schreiben zum Thema Corona nicht als Massenbrief versendet werden, sondern regulär frankiert werden müssen. Das hätte man uns bei der Abgabe bei der Post mitteilen können und nicht die Briefe über eine Woche in Starnberg zwischenlagern.

Harald Zipfel

Die Gemeinde Neuried werde diese Briefe nun ordnungsgemäß frankieren und über einen weiteren Impftermin informieren.

Der Frust sitzt trotzdem tief: „Ein zügiges Durchimpfen der Bevölkerung nach dem Wunsch der Regierung scheitert zunehmend an Bürokratismus“, heißt es in einer Erklärung der Gemeinde.

Deutsche Post zu Brief-Panne: „Kein Fehlverhalten unsererseits“

Zu den Vorwürfen der Gemeinde erklärt Deutsche-Post-Sprecher Klaus-Dieter Nawrath auf Hallo-Anfrage: „Ein Fehlverhalten der Deutschen Post können wir im geschilderten Fall derzeit ausschließen, sowohl in unserer Partnerfiliale als auch im Briefzentrum.“

Tatsächlich sähen die Post-Bestimmungen vor, dass Einladungen zu Impfterminen nicht als Dialogpost, sondern als vollbezahlte Briefe zu versenden sind. „Zahlreichen Gemeinden ist das auch bekannt.“ Neuried habe diesbezüglich auch keine Beratung angefragt.

Der Post sei die fehlende Frankierung dann im Briefzentrum Starnberg aufgefallen. Schon am 3. März habe man die Gemeinde darüber informiert, auf eine E-Mail aber keine Antwort bekommen.

„Aus diesem Grund haben wir an die Gemeinde am 4. März ein Einwurfeinschreiben gesandt mit der Bitte, sich bei uns zu melden“, so Nawrath. Das sei aber erst diese Woche geschehen.

Corona-Impfung in Neuried - Trotz Post-Problem impft das mobile Impfteam 100 Bürger*innen

Trotz des Problems mit der Deutschen Post konnte die Gemeinde Neuried immerhin 100 Corona-Impfungen für den 8. März vereinbaren. Die Bürger wurden vom mobilen Impfteam aus Unterschleißheim gegen Corona geimpft.

Das mobile Impfteam kam in Neuried an.

Dafür wurden in der Mehrzweckhalle drei Impfkabinen aufgebaut und die Möglichkeit zum anschließenden Ausruhen geschaffen. Auch der Folgetermin drei Wochen später konnte bereits vereinbart werden.

Am kommenden Wochenende sollen dann durch das mobile Impfteam die Lehrer der Grund- und Musikschule sowie die Beschäftigten der Kindertagesstätte geimpft werden.

Neuried werde auch dem pädagogischen Personal aus Gräfelfing an dem Wochenende die Möglichkeit zur Impfung ermöglichen.

Pilotprojekt: Hausarzt-Impfungen starten in Gräfelfing

Neben den Impftagen in einzelnen Gemeinden startet jetzt noch ein zweites dezentrales Angebot im Landkreis München. Im Rahmen eines Pilotprojekts impfen ab sofort auch Hausärzte gegen eine Covid19-Erkrankung.

Der Startschuss dafür fällt am Mittwoch in Gräfelfing. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind zeitnah weitere Termine in Aying, Unterschleißheim und Unterhaching geplant. Welche Arztpraxen beteiligt sind, gab das Landratsamt vorab nicht bekannt, „damit nicht zu viele ohne Termin davorstehen“, so Sprecherin Christine Spiegel. 

rea/jh

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