Start der Arbeiten

Forst Kasten: Neuer Ärger um Kiesabbau

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In der Kiesgrube der Firma Glück im Forst Kasten wird weiter abgebaut.

Die Firma Glück beginnt Waldboden abzutragen. Ein Spaziergänger fühlt sich von Arbeitern bedroht. Bürgerinitiativen und Unternehmen streiten um bessere Argumente...

Neuried – Die Aufregung um den Kiesabbau im Forst Kasten reißt nicht ab (Hallo berichtete). Schon seit 1960 hat die Gräfelfinger Firma Glück die Erlaubnis am Neurieder Forst Kasten Kies abzubauen. Nachdem im vergangenen Jahr bereits Bäume gerodet worden waren, wird nun der Waldboden abgetragen - sehr zum Entsetzen einiger Anwohner. 

Radler beklagt Einschüchterung wegen Kiesabbau im Forst Kasten

Ein Würmtaler beschwert sich dabei über das Vorgehen des Unternehmens. Er sei kürzlich mit dem Radl vorbeigefahren und habe ein Foto machen wollen. „Sofort sind zwei Arbeiter auf mich zugestürmt und haben mir das Fotografieren aus datenschutzrechtlichen Gründen verboten“, klagt er. Er habe sich bedroht gefühlt – und das obwohl er auf dem offiziellen Spazierweg gewesen sei. „Das ist Einschüchterung von Waldspaziergängern pur“, klagt er. 

Er fordert nun, dass das Betriebsgelände durch Schilder oder einen Zaun klar abgegrenzt werden müsse. Derzeit gebe es nur einen aufgeschütteten Erdwall. „Wanderern ist doch so völlig unklar, wo sie gehen dürfen.“ 

Firma Glück: Beitrag zum Klimaschutz

Für Unmut sorgt auch ein Flyer, den die Firma Glück an die Haushalte im Würmtal verteilen ließ. Darin schreibt das Unternehmen, dass die Kiesgewinnung im Forst Kasten ein Beitrag zum Klimaschutz sei. Durch eine unterirdische Förderbandtrasse könne der gewonnene Kies ohne Lastwagenverkehr zum Werk nach Gräfelfing transportiert werden.  Der Kies komme dann ohne lange Transportrouten hauptsächlich im Würmtal sowie im Münchner Süden und Westen zum Einsatz. 

Auf den Flächen, auf denen der Kies abgebaut werden soll, gebe es hauptsächlich Fichtenmonokulturen, die zudem durch Stürme und Schädlinge nachhaltig beschädigt seien, so das Unternehmen. Nach dem Ende des Kiesabbaus werde die Firma stattdessen einen artenreichen und beständigen Mischwald pflanzen. „Wir nutzen die Flächen nur auf Zeit und geben Naturräume zurück, die hochwertiger sind, als dies vorher der Fall war.“ Aber auch schon während der Arbeiten  entstünden in den Kiesgruben kleine Biotope, in denen zahlreiche Tiere eine Lebensgrundlage fänden.

Bürgerinitiativen entsetzt über Flyer 

Gisela Krupski vom Forum  „Lebenswertes München“ zeigt sich entsetzt über den Flyer: „Hier präsentiert sich ein Kiesabbauunternehmen wie ein Naturschutzverband“, ärgert sie sich. Deshalb haben das Forum und andere Bürgerinitiativen, die gegen den Kiesabbau sind, Gegenargumente zusammengestellt. 

Trotz Förderband würden Lastwagen, die das Verfüllgut antransportieren, durch das Würmtal fahren. „Wir haben im Juli immer wieder mal eine Zeit lang die Einfahrt zur Grube beobachtet. Da kamen teilweise im Zweiminutentakt Lkw aller Größen angefahren.“ Zudem: „Bei rechtzeitiger Befassung mit dem Thema hätte der Unternehmer mit Expertenhilfe sicher Flächen nahe an München gefunden, die Kies hergeben, ohne Wald zu zerstören. Die Münchner Schotterebene umfasst nicht nur den Würmtaler Wald.“ 

Zudem seien der Wald keine Monokultur. „Seit 20 Jahren läuft intensiv der Umbau in einen Laubwald mit Buchen und Eichen. Seither sind rund 2,5 Millionen Bäume gepflanzt worden“, so der Flyer. Zudem brauche es Jahrzehnte, bis aus den Neuanpflanzungen wieder neue Bäume würden. Die Initiativen räumen ein, dass sich in Kiesgruben neue Tiere ansiedelten, aber vorher würden die bisher dort lebenden Tiere vertrieben. Zudem werde wieder verfüllt und aufgeforstet und dadurch den neuen Tieren wieder die Lebensgrundlage genommen. 

Andreas Schwarzbauer

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