Keine Angst vorm „Kippen-Killer“?

Zigarettenmüll an Bushalt stört Bürger – Doch Gemeinde scheut neue Aschenbecher

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„Sie sind einfach überall“: Kippenstummel sind ein großes Problem in der Gemeinde.

Planegg hat ein ernsthaftes Müllproblem – zumindest in Bezug auf Zigarettenstummel. Wie die Gemeinde dagegen vorgehen will, welche Barrieren bestehen...

„Sie sind einfach überall“, sagt Dr. Cornelia David. Über 200 Zigarettenstummel hat die Planegger Gemeinderätin der Freien Wähler allein an der Bushaltestelle vor ihrem Haus gezählt. „Alle wollen etwas fürs Klima und die Umwelt tun, aber die Zigaretten schmeißt man einfach auf den Boden. Dabei verunreinigt eine Kippe bis zu 40 Liter Grundwasser“, so David.

Auf das Müllproblem aufmerksam gemacht wurde sie von einer Planegger Bürgerin – genauso wie ihr Gemeinderat-Kollege Bruno Rigon (Grüne Gruppe21).Gemeinsam mit David fordert er, den Leuten stärker ins Bewusstsein zu rufen, dass an Haltestellen ein Rauchverbot gilt: „Es sollten große, gut sichtbare Hinweisschilder aufgehangen werden, so wie in München auch“, so Rigon. 

Unbelehrbare werde es aber immer geben: „Deswegen sollten MVV und die Gemeindeverwaltung auch nach einer Lösung suchen, damit man die Kippen ordnungsgemäß entsorgen kann.“ Bisher gibt es an den Planegger Bushaltestellen nämlich Mülleimer, aber keine Aschenbecher.

Über 200 Zigarettenstummel haben die Gemeinderäte Dr. Cornelia David und Bruno Rigon an der Haltestelle „Friedhof“ gezählt.

Eine entsprechende Anfrage Davids in der jüngsten Gemeinderatssitzung stieß bei Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) auf Ablehnung. „Sollte die Gemeinde die Abfalleimer an Bushaltestellen mit Aschenbechern ausstatten, dann bin ich mir sicher, dass das wieder einen riesigen Wirbel verursacht“, so Hofmann auf Nachfrage. So sei die Gemeinde schon „angegangen worden“, wenn in der Nähe von Bushaltestellen oder am Bahnhof Zigarettenautomaten standen.

Zum Beispiel hatte sich 2015 der Planegger Henri Kuntnowitz als „Kippen-Killer“ einen Namen gemacht, weil er auf die Entfernung von Zigarettenautomaten in der Nähe von Bus-Stops und Bahnhöfen pochte – sowohl in München als auch im Umland. 

„Man kann den ÖPNV nicht stärken, wenn einer Minderheit wie Rauchern Rechte eingeräumt werden, die andere massiv stören“, wirbt Kuntnowitz auch heute für Nichtraucherschutz. 

Einem Kompromiss ist er aber nicht abgeneigt: „Am Germeringer Bahnhof gibt es ein paar Meter von den Haltestellen entfernt Aschenbecher, die bis auf eine kleine Öffnung rundum zu sind, so dass der Rauch nicht rauszieht“, so Kuntnowitz, der ein übergreifendes Zukunftskonzept fordert. „Also dass MVV und Gemeinden jetzt eine Lösung für den Müll finden, aber kommunizieren, dass man das in ein paar Jahren abschaffen will.“

Als kein generelles Thema sieht der MVV Zigarettenmüll an Busstationen an. Gegen ein Aufstellen von größeren Nichtraucher-Hinweisen oder Aschenbechern sträube man sich aber nicht, so Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. „Wenn ein Gemeinderat fordert, dass wir uns in der Sache zusammenschließen, werden wir sicherlich einen Weg finden, das Problem zu lösen.“

Romy Ebert-Adeikis

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