Forst Kasten wird wieder zum Stadtrats-Thema

Kiesabbau: Selbst eigene Partei fällt OB in Rücken

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Die Heiliggeistspital-Stiftung hat Teile des Waldes für Kiesabbau ausgeschrieben.

Der Druck auf OB Dieter Reiter (SPD) wächst: Nach einem BA fordert nun selbst die eigene Stadtratsfraktion, den Kiesabbau auf Flächen der städtischen Heiliggeistspital-Stiftung zu verhindern.

Update: 9. August, 11 Uhr

Nach Bürgern und dem BA 19 erheben jetzt auch Münchner Stadträte ihre Stimme gegen eine Auskiesung von Flächen der städtischen Heiliggeistspital-Stiftung. Die SPD will einen Stopp des Vorhabens prüfen lassen. OB Dieter Reiter spricht mittlerweile von einem „richtigen Schritt“. 

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nachdem am Dienstag der Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln die Aussetzung des Ausschreibungsverfahrens für einen Kiesabbau im Forst Kasten (Neuried, Landkreis München) gefordert hatte, wird nun auch im Stadtrat darüber diskutiert. Die SPD-Fraktion stellte den Antrag, die anstehenden Vergabe eines Stiftungsgrundstücks vom Sozialreferat erneut prüfen zu lassen. 

Außerdem solle in Erfahrung gebracht werden, ob es möglich ist, „auch zukünftig keine weiteren Kiesabbauplanungen zu verfolgen“. 

Schon im Herbst soll der Stadtrat über das Thema nun ein weiteres Mal beraten.

Sozialreferat soll alternative Einnahmequellen für Stiftung eruieren 

Der Grund: „Die Menschen in den umliegenden Würmtaler Gemeinden, aber auch viele Münchner wollen die betreffende Waldfläche im Forst Kasten als Naherholungsgebiet erhalten. Wir können diesen Wunsch absolut nachvollziehen und wollen nach Möglichkeit Forstwirtschaft statt Kiesabbau auf dem 9,5 Hektar großen Areal“, so Fraktionssprecherin Verena Dietl. Um den Unterhalt des Heilig-Geist-Spitals weiter zu sichern solle das Sozialreferat aber prüfen, welche anderen Einnahmemöglichkeiten die Stiftung erschließen könnte.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßt den Vorstoß seiner Parteikollegen: „Ich halte es für den richtigen Schritt, dass die Frage des Kiesabbaus durch die Heiliggeistspital-Stiftung nochmals transparent geprüft und der Münchner Stadtrat im Ergebnis noch einmal mit der Angelegenheit befasst wird“, erklärte er auf Anfrage von Hallo.  

Ein Stimmungs-Umschwung? Noch Ende Juli hatte der Münchner Oberbürgermeister erklärt, dass ein Stopp des bereits geplanten Kiesabbaus der Heiliggeistspital-Stiftung nicht möglich sei, ohne Schadensersatzansprüche zu riskieren. „Das aktuelle Ausschreibungsverfahren wird weitergeführt“, teilte er damals auf Anfrage von Hallo mit. Er hege aber Sympathien dafür, „die Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks künftig in anderer Form zu erwirtschaften“.

Zwei Mal hatte der Stadtrat einstimmig der Auskiesung zugestimmt 

Sowohl 2014 sowie 2017 hatte der Münchner Stadtrat parteiübergreifend und einstimmig entschieden, einen Teil des Stiftungsgrundstücks im Forst Kasten bei Neuried für Kiesabbau auszuschreiben. Die Fläche liegt im Vorranggebiet für die Rohstoffgewinnung, was unter anderem SPD- und Grünen-Politikern im Münchner Süden kritisieren. Im September wird der BA 19 darum darüber debattieren, ob sie für eine Änderung des Regionalplans votieren wollen. 

Auch im Würmtal kämpfen Bürger weiter für einen Erhalt des Forst Kastens. So veranstaltet die Initiative „Wald Neuried erhalten“ am Sonntag, 11. August, gemeinsam mit Greenpeace einen dreistündigen Spaziergang durch den Wald. Treffpunkt ist um 11 Uhr die Bushaltestelle Dr. Rehm-Straße des Busses 261 an der Ecke Gautinger Straße.

Romy Ebert-Adeikis

Erstmeldung – Forstenrieder BA will städtisches Vorhaben stoppen

Auf 9,5 Hektar Waldfläche Im Forst Kasten bei Neuried (Landkreis München) will die städtische Heiliggeistspital-Stiftung Kies abbauen lassen (Hallo berichtete). Das Vorhaben wurde bereits europaweit ausgeschrieben, der Zuschlag soll innerhalb der kommenden Monate erteilt werden. 

Im Würmtal und dem Münchner Süden hat das massive Proteste ausgelöst. Zuletzt hatte ein Haderner bei der Regierung von Oberbayern Aufsichtsbeschwerde gegen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingereicht und eine Klage angedroht (Hallo berichtete).

Forst Kasten sei „dringend notwendige Frischluftoase“ für das Stadtklima

Jetzt bekommt das Stadtoberhaupt auch aus seiner eigenen Partei harschen Gegenwind: Die SPD-Fraktion im Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hat zur Sitzung am Dienstagabend mehrere Anträge eingereicht, um den Kiesabbau im Forst Kasten zu stoppen – sowohl kurzfristig als auch in Zukunft.

So will die Fraktion, das für die Stiftungsverwaltung zuständige Sozialreferat dazu auffordern, die Kiesabbau-Ausschreibung im Wald der Heiliggeistspital-Stiftung umgehend auszusetzen. 

„Die ausgeschriebene Fläche liegt bis auf geringe Teilflächen in einem Bannwald rund um Forst Kasten und ist nicht nur Naherholungsgebiet für viele Münchnerinnen und Münchner, sondern eine für das Stadtklima auch in Zukunft dringend notwendige Frischluftoase und bedarf des besonderen Schutzes“, so die Begründung der Stadtviertelpolitiker. 

Der BA stimmte dem mit großer Mehrheit zu. laut BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU) wurde zudem auf Wunsch der Grünen ergänzt, dass auch in Zukunft keine Flächen im Forst Kasten für Kiesabbau ausgeschrieben werden sollen.

Bereits Ende Juli hatte der Münchner Oberbürgermeister erklärt, dass ein Stopp des bereits geplanten Kiesabbaus der Heiliggeistspital-Stiftung nicht möglich sei, ohne Schadensersatzansprüche zu riskieren. „Das aktuelle Ausschreibungsverfahren wird weitergeführt“, teilte er auf Anfrage von Hallo mit. Er hege aber Sympathien dafür, „die Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks künftig in anderer Form zu erwirtschaften“.

Trotz der geringen Aussichten auf Erfolg will der BA 19 versuchen, den Kiesabbau zu stoppen. Weidinger: „Wir brauchen den Wald als Frischluftschneise und Erholungsgebiet, deswegen wollen wir unseren politischen Willen als BA zeigen.“

Lesen Sie auch: Chef der Gräfelfinger Kiesfirma Glück äußert sich zu den Vorwürfen

SPD fordert: Waldgebiet soll nicht länger Vorrangfläche für Kiesabbau sein

Doch noch ein zweiter Antrag drehte sich um die Zukunft der Rohstoffgewinnung im Münchner Süden: Die SPDler rund um den  BA-Baumbeauftragten Hans Jürgen Gerhards wollen zudem, dass Forst Kasten nicht länger als Vorrangfläche für Kiesabbau im Regionalplan vermerkt ist. Der OB solle sich dafür einsetzen, diese Festlegung schnellstmöglich aufzuheben, so die Forderung. 

Eine Waldrodung sei „in Zeiten einer drohenden Klimakatastrophe“ nicht hinzunehmen, zumal eine Wiederaufforstung erst nach vielen Jahren zum Tragen käme, argumentiert die Gruppe. Eine heutige Abwägung zwischen Rohstoffabbau und Schutz des Bannwaldes würde sicher zu Gunsten des Bannwaldes ausgehen.“ 

Der Antrag wurde auf Antrag von Alexander Aichwalder  (Grüne) in den September vertagt, um weitere gewünschte Änderungen im Regionalplan - insbesondere im Bereich Rohstoffgewinnung - zusammenzutragen.

Gertrud Fetzer-Wenngatz, die zwar kein BA-Mitglied ist, aber die SPD-Anträge angestoßen hatte, will jetzt weitere Münchner Bezirksausschüsse für den Stopp gewinnen. Zudem sollen Kontakte zu den Protestgruppen im Würmtal geknüpft werden.

Romy Ebert-Adeikis

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