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Neurieder kämpfen für die grüne Lunge

Raubbau im Wald: Stiftung treibt Kiesabbau bei Forst Kasten voran – jetzt regt sich Protest

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Diese Kiesgrube der Firma Glück im Forst Kasten sollte eigentlich 2002 wieder verfüllt werden. Stattdessen wird weiter abgebaut. Die Heiliggeistspital-Stiftung hat jetzt die Auskiesung von weiteren Flächen rund um das Gebiet ausgeschrieben.

Mehr als neun Hektar Wald will die Heiliggeistspital-Stiftung auf Neurieder Flur auskiesen lassen. Wann, von wem und in welchem Umfang – darüber schweigt man sich bislang größtenteils aus...

Neuried – 30 Jahre ist es her, dass Naturschützer in Bayern massiv gegen eine Wiederaufbereitungsanlage bei Wackersdorf protestierten. Genau dieser Geist lebt in Neuried gerade wieder auf. Der Grund: Im Wald zwischen Neuried und Planegg sollen 9,5 Hektar Wald dem Kiesabbau zum Opfer fallen. Einen entsprechenden Auftrag hat die Heiliggeistspital-Stiftung München, der 840 Hektar im Forst Kasten gehören, bereits 2018 ausgeschrieben.

Bürger fürchten es bleibt nicht bei 9,5 Hektar

„Wir sind entsetzt, dass dafür Bannwald gerodet werden soll“, sagt Nicole Neubauer von den „Bürgern gegen Kiesabbau“, einem Zusammenschluss von circa zehn Neuriedern. „Das ist eine Zerstörung unserer grünen Lunge“, empört sich auch Caroline Geisler. „Zumal es bei 9,5 Hektar sicher nicht bleibt.“ Bereits seit Jahrzehnten baut zudem die Gräfelfinger Firma Glück im Forst Kasten schon Kies ab.

Die „Bürger gegen Kiesabbau“: Diese Neurieder Waldanwohner wurden zuerst auf das Thema aufmerksam. Sie wollen das Vorhaben in jedem Fall verhindern.

Gemeinsam mit der Gemeinde und der Bürgerinitiative Neuried, die schon seit über 30 Jahren gegen Kiesabbau im Würmtal kämpft, haben die Anwohner jetzt die Öffentlichkeit über das neue Kiesvorhaben im Forst Kasten unterrichtet. 

Das Problem: Die Informationslage ist äußerst dünn. Wann der Abbau beginnen soll, wo genau gegraben wird und durch welches Unternehmen – all das sei nicht einmal der Gemeinde bekannt, erklärte Bürgermeister Harald Zipfel (SPD). „Wir fühlen uns absolut schlecht informiert.“ Auch deswegen unterstütze die Gemeinde das Anliegen der Bürger.

Bürgermeister: Gemeinde sind Hände gebunden

Denn – auch das machte der Bürgermeister beim Infoabend den über 100 Zuhörern deutlich – der Gemeinde selbst sind die Hände quasi gebunden. Abbaugenehmigungen erteilt das Landratsamt. Da große Teile Forst Kastens als Vorrangfläche für den Kiesabbau eingestuft sind, kann die Kommune nur unverbindliche Stellungnahmen zu geplanten Maßnahmen abgeben. 

Stattdessen rief Zipfel die Bürger dazu auf, gegen das Vorhaben der Heiliggeistspital-Stiftung Klagegemeinschaften zu bilden und dem Müncher Oberbürgermeister Dieter Reiter Protestbriefe zu schreiben.

Letzteres haben die „Bürger gegen Kiesabbau“ jetzt auch vor, wie Mitstreiterin Nicole Neubauer berichtet. „Weitere Maßnahmen werden wir aber noch besprechen“, erklärt die Anwohnergruppe.

Immerhin Ideen gibt es viele: So rief der Neurieder Künstler Michael Samay im Rahmen der Infoveranstaltung sogar zum „organisierten Widerstand“ auf – etwa dem Bauen von Baumhäusern im Wald. Auch das Grünzug-Netzwerk Würmtal hat den Neuriedern Unterstützung angeboten.

„Nicht normal, dass die Bürger von sich aus klagen sollen“

Hannelore und Bernd Quintenz von der Bürgerinitiative Neuried (BIN) sehen hingegen die Gemeinde mehr in der Pflicht. „Es ist nicht normal, dass die Bürger von sich aus klagen sollen“, findet die 73-Jährige.

So hätte die BIN bereits den Münchner Oberbürgermeister oder das Landratsamt kontaktiert, ohne eine greifbare Antwort zu ihren Bedenken – Zerstörung der Natur, zunehmender Lkw-Verkehr, Lärm- und Staubemissionen - zu bekommen. „Darum ärgert es mich am meisten, dass unser Bürgermeister so wenig eigenes Engagement zeigt.“

Hannelore und Bernd Quintenz von der Bürgerinitiative Neuried auf dem bereits zum Abbau genehmigten Grundstück 351/T.

Dass selbst Auflagen, etwa zur Verfüllung und Rekultivierung von Abbaugebieten, nicht immer der Natur helfen, zeige sich an der ebenfalls im Forst Kasten gelegenen Kiesgrube der Firma Glück. „Die sollte ursprünglich 2002 wieder verfüllt werden, stattdessen wird bis heute weiter ausgekiest“, ist Bernd Quintenz empört.

Gegenüber Hallo begründet das Sozialreferat der Stadt München den geplanten Kiesabbau damit, dass aus der Bewirtschaftung des Forstes grundsätzlich Erträge für die Erfüllung des Stiftungszwecks – dem Betrieb des Münchner Altenheims Heiliggeist – zu generieren sind. 

Die Sorgen der Bürger teilt das Sozialreferat nicht: Der Kiesabbau beziehe sich auf einen „verhältnismäßig kleinen Anteil der Waldfläche Forst Kasten“, so Sprecherin Hedwig Thomalla.

Genaueres zum Vorhaben kann aber auch sie nicht nennen, da die Ausschreibung derzeit noch laufe. „Mit der Erteilung eines Zuschlags ist innerhalb der nächsten Monate zu rechnen“, so Thomalla.

Romy Ebert-Adeikis

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