Anbindung umstritten

Martinsried: Gemeinderat beschließt weitestgehenden Erhalt des Walls 

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Soll grün bleiben: Die Mehrheit der Bürger wünschte sich bei der Infoveranstaltung der Gemeinde, den Martinsrieder Wall komplett zu erhalten.

Nach zahlreichen haarsträubenden Diskussionen über die Zukunft des grünen Walls ist jetzt eine Entscheidung gefallen. Was beschlossen wurde, die Gegenstimmen...

Martinsried – Die Entscheidung über die umstrittene Anbindung der geplanten Westumfahrung Martinsried ist gefallen. Am Ende war ein Grundstückstausch die Lösung – wenn auch ein anderer als von der Gemeinde ursprünglich vorgeschlagen. 

Aber: Mit dem Beschluss einer neuen Planungsvariante hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend dem Wunsch der Anwohner nachgegeben, den Martinsrieder Wall so weit wie möglich zu erhalten. Für diese soll die Verwaltung jetzt eine entsprechende Hochbau- und Straßenplanung in die Wege leiten. 

So funktioniert der neue Grundstückstausch 

Die neue Variante hatte die Gemeindeverwaltung nach der Anwohnerversammlung Anfang Juli entwickelt. Sie sieht vor, dass die Verbindungsstraße zur Umfahrung über das sogenannte Jaschek-Grundstück verlaufen kann. Der Eigentümer soll dafür bis zu 500 Quadratmeter des Areals an Planegg verkaufen. 

Im Gegenzug dafür soll er etwa 1200 Quadratmeter Land westlich seines Grundstücks erhalten. Dieses ist derzeit in Gemeindehand. Auf dem neu gefassten Grundstück kann der Investor dann seinen geplanten Gewerbebau errichten. 

Für diese Lösung stimmten am Ende 17 zu fünf Gemeinderäte. Auch, weil so der Wall nur auf der Nordseite teilweise abgetragen werden muss. „Somit könnte auch der Großteil des derzeitigen Baumbestandes auf dem Wall erhalten werden“, hieß es in der Beschlussvorlage. 

Kein Anspruch auf Schallschutz macht Kompromiss möglich 

Darin verwies die Verwaltung zudem darauf, dass eine ähnliche Idee von Gemeinde und Investor zunächst verworfen worden war. Der Grund: Sie ermöglicht keinen zusätzlichen Schallschutz für die Anwohner der Röntgenstraße. 

Das ist dem ebenfalls in der Gemeinderatssitzung vorgestellten Lärmgutachten zufolge aber gar nicht nötig. Demnach bestehe nur an einer Stelle der Röntgenstraße – und auch nur in den oberen Stockwerken – Anspruch auf Schallschutz. Das Gutachten empfahl der Gemeinde daher, nur einen passiven Schutz für die betroffenen Wohnungen. 

Abgelehnt wurde hingegen ein Vorschlag der CSU-Fraktion, auch einen Tunnel unter dem geplanten Gewerbebau zu prüfen. Ebenfalls keine Mehrheit fand sich für den Wunsch der Grünen Gruppe 21, den Grundstückstausch mit dem Investor so zu gestalten, dass dieser kein vermehrtes Baurecht erhält.

Romy Ebert-Adeikis

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Erstmeldung: 11. Juli – Nach Gegenwind: Neue Alternativen für Umfahrung?

Die Zukunft des grünen Walls ist nach wie vor ein heikles Thema: Die bisherigen Pläne für eine mögliche Umfahrung stießen auf Kritik. Jetzt wollen einige Parteien den Bürgern entgegenkommen.

Martinsried – Die Zukunft des Martinsrieder Walls soll bald geklärt werden. Am Donnerstag, 25. Juli, will der Gemeinderat Planegg eine Entscheidung darüber treffen, wie die geplante Westumfahrung an das Quartier angebunden wird – und ob der Grünstreifen als Ganzes erhalten bleibt. 

Das hatten zumindest viele Martinsrieder gefordert, die jüngst von der Gemeinde über die derzeitigen Pläne informiert wurden. Die SPD hat inzwischen einen Kompromissvorschlag vorgelegt.

Der Hintergrund: 

Ursprünglich sollte die Westumfahrung über das Jaschek-Grundstück an der Fraunhoferstraße 1 angebunden werden. Das Areal ging aber an einen Investor, der dort einen neuen Gewerbebau errichten möchte. Der Gemeinde sei ein Kauf laut Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) finanziell nicht möglich gewesen. Sie will nun einen Teil des Walls gegen das Jaschek-Grundstück tauschen, um dort die Straße bauen zu können. Diese Form der Anbindung würde nach derzeitiger Planung rund 1,4 Millionen Euro kosten.

Die Optionen: 

Nachdem die Bebauung des Walls schon seit Monaten für kontroverse Diskussionen sorgt, hat der Investor seine Pläne angepasst. Statt sechs Stockwerken soll sein Gewerbekomplex nur noch vier bis fünf haben – entweder mit oder ohne Parkdeck. Die Variante mit Parkdeck bevorzugt inzwischen auch die Gemeinde, weil diese den besten Schutz vor Lärm von der Westumfahrung biete. Das hat ein extra in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, das ebenfalls bei der Informationsveranstaltung vorgestellt wurde. Demnach würde auch eine sechs Meter hohe Schallschutzwand nicht vollständig vor Lärm schützen.

Das sagen die Bürger: 

Vor allem die direkten Anwohner plädieren für eine vollständige Erhaltung des Walls. In einer Veranstaltung für alle Bürger war die Meinung indes zwiegespalten: Ein Teil der Planegger wünschte sich eine zeitnahe Realisierung der Umfahrung – unabhängig von der Wall-Frage. 

Deutliche Kritik an den Gemeindeplänen übte der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen. Sie kritisieren, dass die Entscheidung um den Wall bereits bis zur Sommerpause „durchgepeitscht“ werden soll und wünschen sich mehr Bezug auf die Vorstellungen der Anwohner. 

Die Grünen warben erneut dafür, die Anbindung mit einem Tunnel unter dem Wall zu lösen (Hallo berichtete). Alternativ hatten Anwohner auch einen Tunnel unter dem Gewerbebau angeregt.

Das wird jetzt geprüft: 

Um den Bürgern entgegenzukommen, will die SPD Planegg eine Kompromisslösung prüfen lassen. So könnte die Straßenanbindung über das Jaschek-Grundstück verlaufen, wenn der Investor im Gegenzug Gemeindeflächen westlich seines derzeitigen Besitzes erhält. Auf diese Weise könne der Wall komplett erhalten bleiben, so Fraktionssprecher Felix Kempf. Eine Prüfung dieses Vorschlags hat die Partei jetzt beantragt.

Die Bedenken und die neuen Alternativen will der Bürgermeister mit dem Investor noch vor Ende Juli debattieren. 

Benedikt Strobach

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