Alles Lug und Trug?

Manipulation im Gemeinderat? –  Martinsrieder Eltern bezichtigen Gemeinde der Lüge 

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So präsentierte die Gemeindeverwaltung dem Gremium den bisher einzigen tageshellen Raum in der „Bärenhöhle“ Martinsried – samt Licht von der Decke.

Der Streit um die Mittagsbetreuung eskaliert. Ein Antrag, die Räume zu verbessern, wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Jetzt werfen Eltern und die Schule der Gemeinde Täuschung vor.

Martinsried – Manipuliert Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) Entscheidungen im Planegger Gemeinderat? Diesen Vorwurf machen ihm Eltern der Grundschule Martinsried. Vor der Behandlung eines FDP-Antrags – der forderte, die dortige Mittagsbetreuung auf kindgerechte Einrichtung und ein offenes Ganztagsschulkonzept zu prüfen – habe die Verwaltung „Schönmalerei“ betrieben und die Entscheidung des Gremiums damit beeinflusst. 

Der Antrag wurde mit 20 zu drei Stimmen abgelehnt 

„Wir sind empört“, sagt Elternbeirats-Vorsitzende Alexandra Löffler. „Dem Gemeinderat wird einfach ins Gesicht gelogen!“ Seit 15 Jahren ist die AWO-Mittagsbetreuung „Bärenhöhle“ in einem Keller untergebracht. Im vergangenen Herbst hatten Eltern und Schulleitung schließlich tageshelle Räume für die Kinder gefordert, auch um bei Bedarf ein offenes Ganztagsschulkonzept zu ermöglichen. 

Dafür gebe es aber keinen Grund, legte die Verwaltung in der letzten Gemeinderatssitzung dar. So habe sich herauskristallisiert, „dass aktuell kein Bedarf an einer offenen Ganztagesklasse gesehen wird“. Zudem sei in den letzten Jahren viel in die Einrichtung investiert worden, ein Raum habe seit Oktober Fenster und einen Ausgang, der direkt zum Sportplatz führt. Ein zweiter werde nach Ostern fertiggestellt. „Damit stehen der Mittagsbetreuung dann zwei helle Tageslichträume (...) zur Verfügung.“ 

Rektorin Margit Baran-Lander (li.) und Elternbeirats-Vorsitzende Alexandra Löffler.

Eine falsche Tatsache, wie Elternbeirats-Vorsitzende Löffler findet. „Die Fenster sind Kellerschächte. Selbst zur Mittagszeit ist es nur in deren Nähe hell.“ Und der Sportplatz sei seit Monaten eine unbenutzbare Baustelle. „Ich fordere alle Gemeinderäte und Interessierten dazu auf, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.“ 

Bilderstrecke – Mittagsbetreuung Martinsried

Die Treppe zur "Bärenhöhle". Hier gehen die Kinder für die Mittagsbetreuung in den Keller.
Die Treppe zur "Bärenhöhle". Hier gehen die Kinder für die Mittagsbetreuung in den Keller. © Löffler
Die Eltern beschweren sich über das mangelnde Licht in der Unterbringung.
Die Eltern beschweren sich über das mangelnde Licht in der Unterbringung. © Löffler
Die Unterbringung im Keller sei für die Kinder ein Grund die Mittagsbetreuung abzulehnen.
Die Unterbringung im Keller sei für die Kinder ein Grund die Mittagsbetreuung abzulehnen. © Löffler
Die Aussicht aus einem der Kellerfenster.
Die Aussicht aus einem der Kellerfenster. © Löffler
Der Aufgang zum Sportplatz. Die Eltern bemängeln, dass er zu steil und zu rutschig für die Kinder ist. © Löffler
Der Sportplatz gleicht einer Baustelle, finden viele Eltern.
Der Sportplatz gleicht einer Baustelle, finden viele Eltern. © Löffler

Der Bürgermeister selbst verwahrt sich gegen den Vorwurf, den Gemeinderat getäuscht zu haben. „Wir erzählen das, was Fakt ist“, so Hofmann. Die Gemeindemitarbeiterin, die für Kinderbetreuung zuständig ist, habe zahlreiche Gespräche mit Schulamt, Schule, AWO und Eltern geführt. „Das, was in der Sitzung berichtet wurde, war eine Zusammenfassung dessen“, so Hofmann. 

Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmannn (SPD).

Auch in Bezug auf das Thema Ganztagsschule gibt es deutliche Differenzen

 „Ob die Eltern das wollen wurde nie ermittelt“, sagt Eltern-Vertreterin Löffler, die jetzt eine eigene Befragung anstoßen will. „Die Aussage der Schulleitung war klipp und klar, dass so etwas nicht gebraucht würde“, entgegnet dem Hofmann. „Das stimmt schlichtweg nicht“, empört sich Rektorin Margit Baran-Lander auf Anfrage von Hallo. Sie betont: „Der Bedarf wurde bisher nie ermittelt.“ Über das Konzept sei von der Gemeinde zudem falsch informiert worden. So hieß es unter anderem, dadurch würde es weder freitags noch in den Ferien eine Betreuung geben. „Tatsächlich bleibt alles gleich, außer dass die Eltern von Montag bis Donnerstag weniger für die Betreuung zahlen müssen“, so Baran-Lander. Sie hofft, dies im Gemeinderat künftig richtigstellen zu können. 

Bürgermeister Hofmann setzt stattdessen auf einen Runden Tisch, ein Datum sei bereits im Gespräch. „Wir laden aber nicht ewig dazu ein“, betont er und verweist auf zwei frühere Termine, die von den Eltern nicht wahrgenommen werden konnten. „Der erste musste krankheitsbedingt abgesagt werden, der zweite war direkt am ersten Tag nach den Ferien“, erklärt das Löffler, die auch Gemeinderäte dazuladen würde. Das lehnt der Bürgermeister aber ab. 

rea

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