Eigener Grund und eigenes Mobiliar

Keine Sitzbank von Gemeinde: Anwohner möbelt Bushaltestelle auf eigene Faust auf

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Martin Haindl (links) und Christian Haugg (FDP) an der Martinsrieder Bushaltestelle „Am Klopferspitz“.

Für ein Wartehäuschen „Am Klopferspitz“ hat Martin Haindl (79) der Gemeinde einen Teil seines Grundstücks zu Verfügung gestellt. Doch sitzen konnten Wartende dort nicht – bis jetzt.

Martinsried – „Bitte stehen lassen für alte Leute! Danke!“ steht auf dem Papierzettel über dem Polsterstuhl, der seit kurzem an der Martinsrieder Bushaltestelle „Am Klopferspitz“ angekettet ist. Es ist das Möbelstück von Martin Haindl, das besonders Älteren das Warten auf den Bus erleichtern soll. 

Denn die Gemeinde Planegg hat vor einigen Monaten zwar ein Wartehäuschen an dem Stopp errichtet. Aber keine Sitzgelegenheit. „Es ist traurig. Die Gemeinde ist reich, aber für so etwas hat sie keinen Cent übrig“, ärgert sich Haindl. Also hat der 79-Jährige einen eigenen Stuhl hingestellt. „Und der wird auch regelmäßig genutzt.“

Gemeinde soll auf Sitzgelegenheit verzichtet haben, weil nur wenig Platz sei

Dabei ist Haindl in Sachen Bushaltestelle der Gemeinde schon in anderer Sache entgegengekommen: Das Wartehäuschen steht auf seinem Grund, auf einem Streifen zwischen Haus und Gehweg. „Natürlich habe ich zugesagt, als die Gemeinde vor etwa zwei Jahren angefragt hat, ob ich den Teil zu Verfügung stellen kann. Was soll ich mit dem kleinen Streifen auch anfangen“, erzählt Haindl.

Eine klare Anweisung: Damit der Sitzplatz nicht geklaut wird, hat Haindl eine Nachricht hinterlassen.

Dass daraus aber nicht mehr als ein kleines Dach auf Metallfüßen geworden ist, versteht er nicht. „So weit ich weiß hat die Gemeinde keine Sitzgelegenheit vorgesehen, weil es angeblich zu wenig Platz gibt. Aber zumindest ein paar Klappsitze wären doch möglich gewesen“, so der Anwohner. Mit seiner Aktion zeigt er jetzt, dass sogar ein Polsterstuhl ausreichend Platz hat.

FDP-Fraktion hatte schon 2015 Ausstattung der Haltestelle mit Sitzplatz und Licht gefordert

„Da sieht man mal, was mit ein bisschen gutem Willen alles möglich ist“, sagt Christian Haugg. „Ehrenhaft“ sei das Engagement des Privatmanns, so der FDP-Gemeinderat, der sich schon seit Jahren für eine Verbesserung der Bus-Infrastruktur in Martinsried einsetzt. So hatte seine Fraktion im Winter 2015 den Antrag gestellt, sieben Haltestellen im Ortsteil zu modernisieren – damals ohne Erfolg.

Zwar ist zumindest der Stopp „Am Klopferspitz“ nun endlich wetterfest. „Aber mit unserem Antrag damals hatten wir auch auf Sitzgelegenheiten, eine Beleuchtung oder die Ausstattung mit Aschenbecher abgezielt“, so Haugg. Immerhin: Sitzen kann man jetzt in dem Wartehäuschen – dank Martin Haindl.

Romy Ebert-Adeikis

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