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Hallo-Würmtal-Spezial

Krailling wählt die Wende

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Rudolph Haux (FDP) bei der offiziellen Unterschrift.

Rudolph Haux (FDP) bricht CSU-Dominanz im Rathaus – neuer Bürgermeister will transparenten Gemeinderat

Krailling – Am Sonntag, 12. Mai, hat Krailling gewählt: Nachdem die bisherige Rathauschefin Christine Borst (CSU) Anfang des Jahres aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt aufgeben musste (Hallo berichtete) wurde jetzt ihr Nachfolger bestimmt.

Update 29. Mai:

Viel Zeit zum Ausruhen hat man als Bürgermeister selten. Ein Lied davon singen kann Rudolph Haux: Nachdem der FDPler am Sonntag mit rund 62 Prozent zum neuen Kraillinger Bürgermeister gewählt wurde, führt er seit Dienstag bereits die Amtsgeschäfte – inklusive Leitung der Gemeinderatssitzung.

„Aber ich bin gut vorbereitet und habe im Rathaus ein professionelles Team hinter mir“, sagt Haux gelassen. „Allerdings muss ich mir noch einiges Wissen über die lokalpolitischen Verfahren aneignen.“ Der 61-Jährige, der seit Oktober 2015 als Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes fungierte, war bislang kein Mitglied im Gemeinderat. „Das Ziel war, 2020 für einen Sitz zu kandidieren. Dann kam mir aber die Bürgermeisterwahl dazwischen“, so Haux lachend.

Im Januar war die damalige Amtsinhaberin Christine Borst (CSU) überraschend aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Nach der außerplanmäßigen Bürgermeisterwahl am 12. Mai waren Haux und sein CSU-Kontrahent Henrik Jörgens in die Stichwahl eingezogen, die der FDPler nun klar für sich entscheiden konnte – auch dank der Unterstützung der meisten anderen politischen Gruppierungen. „Natürlich habe ich davon profitiert, dass Krailling nach 70 Jahren CSU einen Wechsel wollte“, gibt Haux zu. „Aber auch von meinem Personenwahlkampf. Mir ist klar, dass die meisten Leute nicht die FDP gewählt haben.“

Mit der Einarbeitung in sein neues Amt hat der 61-Jährige bereits am Tag nach der Wahl begonnen. Seine bisherige Tätigkeit als Vertriebs- und Projektberater für die Wasserwirtschaft gibt Haux zeitnah auf. „Es gibt aber noch einige laufende Projekte, die ich abwickeln muss“, kündigt der Kraillinger an. Das sei neben dem Bürgermeisteramt aber auf jeden Fall möglich.

Seine Ideen einbringen wollte Haux bereits in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. „Anders als in anderen Kommunen üblich werden in Krailling die Ergebnisse nichtöffentlicher Sitzungen auch nachträglich nicht bekannt gegeben. Das möchte ich im Sinne der Transparenz ändern.“ Romy Ebert-Adeikis

Das sagt der Wahlverlierer

Spürbar enttäuscht vom Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl ist CSU-Kandidat Henrik Jörgens. Nach dem Beinahe-Patt am 12. Mai hätten er und sein Team konkrete Inhalte zum Umweltschutz erarbeitet.

„Aber das kam bei den Leuten nicht an. Es wurde mehr auf Sprüche gehört“, sagt der 57-Jährige gegenüber Hallo. „Wenn in der Gesellschaft die Stimmung vorherrscht, dass die CSU – trotz guter Politik – nach 70 Jahren weg muss, dann kann man nicht viel machen.“ Jörgens hatte in der Stichwahl 1441 Stimmen, knapp 38 Prozent, erreicht.

Beruflich geht es für ihn jetzt im IT-Referat der Stadt München weiter. Kraillinger Politik mitgestalten will Jörgens dennoch: So sei eine Kandidatur für den Gemeinderat 2020 für ihn vorstellbar. „Die Liste bestimme aber nicht nur ich alleine.“ Mit einem Sieg hätte Jörgens der fünfte Kraillinger CSU-Bürgermeister werden können. Seit 1948 hat keine andere Partei im Ort regiert.

Update 27. Mai:

Das amtliche Endergebnis steht fest: 

  • Auf Rudolph Haux (FDP) entfielen 2354 gültige Stimmen
  • Auf Henrik Jörgens (CSU) entfielen 1441 gültige Stimmen
  • Es gab 83 ungültige Stimmen
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 64,62 %
  • Somit ist Rudolph Haux (FDP) neuer Erster Bürgermeister der Gemeinde Krailling

Bürgermeisterwahl 2019 - Das Ergebnis

Die Wahlbeteiligung lag bei 59,15%. Die Wahlbeteiligung fiel etwas schwächer als bei früheren Kommunalwahlen aus, jedoch nicht deutlich abfallend.

Auf die Kandidaten entfielen nach Auszählung aller Stimmbezirke folgende Stimmenanteile:

  • Henrik Jörgens (CSU): 33,47 % (1184 Stimmen)
  • Rudolph Haux (FDP): 33,39 % (1181 Stimmen)
  •  Adrienne Akontz (Grüne): 33,14 % (1172 Stimmen)

Aufgrund der Nachzählung der Stimmen zur Bürgermeisterwahl bleibt das Rathaus am  Montag, den 13. Mai 2019, geschlossen.

Gemeindesprecher Alexander Broschell: „Ein Ergebnis dieser Enge gab es noch nie“. Dieses enge Ergebnis zieht jetzt auch die Stichwahl am 26. Mai nach sich. Ein Novum für Krailling, denn eine Stichwahl gab es dort noch nie.

Ursprüngliche Meldung

Das Amt wird für sieben Jahre vergeben: Während der Kraillinger Gemeinderat kommendes Frühjahr im Rahmen der bayerischen Kommunalwahl neu zusammengesetzt wird, steht der Bürgermeister erst wieder 2026 zur Wahl. Vor den Kraillingern liegt also eine zukunftsträchtige Entscheidung, zumal mit Gewerbesteuer-Krise, Umgestaltung der Ortsmitte und Grundschulsanierung einige große Maßnahmen auf der Agenda stehen. 

Wie die drei Kandidaten, die ins Rennen um den Bürgermeisterposten gehen, zu diesen Themen stehen und welche eigenen Schwerpunkte sie setzen wollen, haben Henrik Jörgens (CSU), Adrienne Akontz (Grüne) und Rudolph Haux (FDP) im Hallo-Kandidatencheck verraten.

CSU

Henrik Jörgens (57).

Henrik Jörgens (57), Verwaltungsangestellter am IT-Referat München, verheiratet, zwei Kinder, aus Krailling:

  • Ortsmitte: Ein attraktives Ortszentrum mit einer bunten Mischung von Cafés und Geschäften für den täglichen Bedarf: Alle drei Generationen soll sich dort gerne aufhalten. Die Baumaterialien sind zu diskutieren.
  • Finanzen: Im Dialog mit den Unternehmen beste Rahmenbedingungen für nachhaltige Investitionen schaffen. Beispiel wäre ein Parkhaus in der KIM, damit ansässige Unternehmen Baurecht ausschöpfen können.
  • Senioren: Durch den Ausbau des ehrenamtlichen Fahrdienstes und einen besseres ÖPNV-Angebot (Taktung, Preis) soll die Mobilität erhalten bleiben. Das Betreute Wohnen am Caritas-Altenheim sollte umgesetzt werden.
  • Meine Vision: Zentrales Projekt ist die nachhaltige Erneuerung der Grundschule (mit Hort und Ganztagesklassen). Sonst möchte ich im stetigen Dialog mit der Bevölkerung stehen und zuhören, was deren Anliegen sind.

Bündnis 90/ Die Grünen

Adrienne Akontz (47).

Adrienne Akontz (47), Landschaftsplanerin, verheiratet, aus Krailling:

  • Ortsmitte: Die grundsätzlich gute Planung sollte weiterverfolgt werden mit bescheidenerer Ausstattung und Materialität. Ob wir eine lebendige Ortsmitte schaffen können, hängt nicht vom Material der Bodenbeläge ab. Die Grünflächen möglichst erhalten.
  • Finanzen: Dass die Gemeinde derzeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat, hat vor allem etwas mit überhöhten Ausgaben zu tun. Freiwillige Leistungen der Gemeinde müssen daher auf den Prüfstand, damit die Aufgaben der Zukunft, wie Energiewende, aber auch die Sanierung der Grundschule, gestemmt werden können.
  • Senioren: Eine funktionierende Nachbarschaftshilfe, Fahrdienste für Senioren, Familienhilfe und ähnliches bürgerschaftliches Engagement fördern. Initiativen für Kulturelle Veranstaltungen unterstützen. Einrichtung eines Seniorenbeirats als Unterstützung für die Arbeit des Gemeinderats.
  • Meine Vision: Das wertvolle Naturerbe von Krailling erhalten. Schaffung eines gemeindeweiten Biotopnetzes und die Umsetzung des neuen Bayerischen Naturschutzgesetzes zum Erhalt der Artenvielfalt in Krailling. Die Förderung erneuerbarer Energien.

FDP

Rudolph Haux (61).

Rudolph Haux (61), Vertriebs- und Projektberater für die Wasserwirtschaft, verheiratet, zwei Kinder, aus Krailling:

  • Ortsmitte: Krailling muss sich auf die Pflichtaufgaben konzentrieren, dazu gehört zunächst nicht die Ortsmitteplanung
  • Finanzen: Für die Kraillinger Innovationsmeile muss ein vernünftiges Parkplatzkonzept erarbeitet werden, gegebenenfalls auch in Verbindung mit einer Gastronomie- oder Einzelhandelsfläche. Dann kann auch das bestehende Baurecht vieler Firmen ausgeschöpft werden.
  • Senioren: Für Ältere gehören Mobilität und Einkaufsmöglichkeiten zu den wichtigsten Faktoren für ein gutes Leben im Ort. Ich möchte dafür ein Bürgerbus-Konzept initiieren.
  • Meine Vision: Vier Dinge stehen für mich vorne an: Grundschulsanierung oder Neubau, die Erarbeitung einer integrierten Ortsentwicklung, vereinfachte Genehmigungsverfahren zum Erweitern bestehender Gebäude sowie eine Prioritätenliste zur Straßensanierung nach transparenten Kriterien.

Das sollten Sie zur Wahl wissen

Gewählt wird am Sonntag, 12. Mai. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, wird diese parallel zur Europawahl am Sonntag, 26. Mai, stattfinden. Die Wahlunterlagen wurden bereits verschickt.

Weitere Informationen unter wahlen@krailling.de oder 089 / 857 06 500.

Romy Ebert-Adeikis/se/Gemeinde Krailling

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