Raum für neue Konzepte

Wohn-Alternative für Ältere – Gräfelfingerin will Post-Familien-WG gründen

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Tausche Haus gegen WG mit Gleichgesinnten: Isabel Evers und Patricia Young-Balik wollen die Gemeinde davon überzeugen, mehr Wohnformen für Ältere anzubieten.

Wohn-Alternative für Ältere: Gräfelfingerin will Post-Familien-WG gründenModerne Wohngemeinschaften für Ältere, die im Gegenzug ihre Häuser Familien zur Verfügung stellen. Wie das Konzept funktionieren soll, welche Unterstützer die 68-Jährige hat und welche anderen Anfragen es bei der Bürgerversammlung gab

Gräfelfing  – Sind die Kinder ausgezogen, bleiben die Eltern oft allein in ihren Häusern zurück. Gleichzeitig suchen im Würmtal junge Familien dringend Wohnraum. 

Patricia Young-Balik (Foto) hat auf der Gräfelfinger Bürgerversammlung eine Lösung für beide Probleme ins Spiel gebracht: 

Nicht selten geht der Traum vom Eigenheim mit der Familiengründung einher. Doch was, wenn die Kinder ausziehen? „Im Großteil der Häuser in unserer Straße wohnen alte Leute, allein oder maximal zu zweit“, hat Patricia Young-Balik (68) beobachtet. 

Sie selbst lebt mit ihrem Mann auf 160 Quadratmetern. „In zehn Jahren können wir das große Haus vielleicht nicht mehr bewirtschaften. Dann würde ich es gern für andere zur Verfügung stellen“, erklärte die 68-Jährige in der Gräfelfinger Bürgerversammlung. 

Gerade junge Familien würden im Würmtal nur schwer Wohnraum finden. Bereits bewohnte Häuser seien selten so gebaut, dass man sie splitten könne. Und in kleinere Wohnungen zu ziehen sei für Ältere häufig genauso teuer, wie im Haus zu bleiben. 

Von Bürgermeisterin Uta Wüst wollte Young-Balik darum wissen: „Was macht die Gemeinde dafür, um Alternativen für Ältere zu schaffen, die noch nicht ins Altersheim ziehen wollen?“ Sie glaubt: noch zu wenig. 

Gemeinsam mit Isabel Evers (52) will die Architektin neue Wohnformen in der Gemeinde voranbringen. Post-Familien-­WG nennen sie ihre Wunschvorstellung, in Fachkreisen ist oft von Cluster­-Wohnen die Rede. 

Gemeint sind damit mehrere kleine, in sich geschlossene Wohneinheiten, die über einen gemeinschaftlich genutzten Wohnbereich miteinander verbunden sind. 

Ein Vorbild: die Münchner Wohnbaugenossenschaft Wagnis.

„Privat ein geeignetes Grundstück zu finden, ist wegen der hohen Bodenpreise schwierig“, sagt Young-Balik. Und nicht jeder Bauträger wolle solche Projekte umsetzen. 

„Aber die Gemeinde könnte Vorreiter sein, eigene Grundstücke zur Verfügung stellen oder selbst bauen.Dann sollte die Gemeinde auch möglichst oft ihr Vorkaufsrecht für Grundstücke nutzen“, finden die beiden Frauen.

Ihnen geht es darum, dass Gräfelfing im Hinblick auf den hohen Altersdurchschnitt in der Gemeinde bewusster gestaltet wird. Der Bürgermeisterin zufolge prüfe Gräfelfing bereits, ob gemeindliche Liegenschaften für Genossenschaftsprojekte geeignet sind – zum Beispiel in der Bahnhofstraße 105. 

„Das wäre zumindest ein Anfang“, finden Evers und Young-Balik. Bei der Versammlung haben die beiden zudem Verbündete gefunden. Maria Lex-Fischer, Vorsitzende der örtlichen Senioren-Union, ist von dem Vorstoß begeistert. 

„Für die Alten wird in Gräfelfing zu wenig getan. Aber notfalls kann man auch in Eigen­initiative etwas auf die Beine stellen.“ 

Romy Ebert-Adeikis

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