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Eine Gräfelfingerin kämpft für die Belange von Slowaken im Ausland 

Als Europäerin durch und durch versteht sich Viera Horch. Ein Bild mit der slowakischen Flagge lehnt sie darum ab: „Es gibt schon genug Nationalisten in der Slowakei.“
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Als Europäerin durch und durch versteht sich Viera Horch. Ein Bild mit der slowakischen Flagge lehnt sie darum ab: „Es gibt schon genug Nationalisten in der Slowakei.“

Die 72-jährige Gräfelfingerin Viera Horch mit deutsch-slowakischen Staatsbürgerschaft kämpft für die Belange von Slowaken im Ausland – vielleicht auch bald als Abgeordnete.

Gräfelfing – Zum Tee gibt es bei Viera Horch traditionell slowakische Oblaten und Kekse. Obwohl die 72-Jährige schon seit 40 Jahren in Gräfelfing lebt, verbringt sie jedes Jahr zwei Monate in ihrem Elternhaus in der zentral­slowakischen Stadt Martin. 

Horch lebt in zwei Welten, kennt deren Vorzüge und Probleme. Dieses Wissen will sie jetzt nutzen, um die Slowakei vor allem in Bildungsfragen voranzubringen. Darum tritt sie Ende Februar auch für ein Mandat im slowakischen Nationalrat an. „Fast 20 Prozent der slowakischen Bevölkerung lebt im Ausland, diese Leute sollten im Parlament auch vertreten sein“, sagt die Gräfelfingerin. 

Das sieht so auch die Bewegung Olano („Gewöhnliche Leute und unabhängige Persönlichkeiten“), die Horch im November angefragt hatte, ob sie kandidieren will. Seit 2011 sitzt die 72-Jährige mit den zwei Staatsbürgerschaften dem slowakisch-deutschen-Kulturklub vor, ist zudem Übersetzerin. „Dadurch bekomme ich viel von den Problemen anderer Auslandsslowaken mit“, so Horch, die für deren Belange schon mehrfach vor Gericht gezogen ist. „Das Hauptproblem ist die Nichtanerkennung von Ausbildungen. Akademiker schlagen sich hier in Deutschland mit Hilfsjobs durch.“ Das ärgert Horch vor allem, da ihr Diplom in Wirtschaftswissenschaften in den 70er-Jahren noch anerkannt wurde. 

Verbesserungen wünscht sich Horch auch in Sachen Sprachkursen 

Derzeit organisiert ihr Verein ehrenamtlich Slowakisch-Unterricht für 70 Kinder. „München gibt uns dafür jährlich 10 000 Euro, kostenlose Räume. Unser Land nichts“, ärgert sie sich. Ob Horch sich für all das einsetzen kann, entscheiden die slowakischen Wähler am 29. Februar. Wie es für sie danach weitergeht, darüber will sich Horch noch nicht zu viele Gedanken machen. „Erstmal sollen möglichst viele Leute wählen gehen.“

rea

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