Krise bei FDP

Kommunalwahl – Streit um Scholler schadet FDP-Wahlkampf 

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Neben Michael Nebel (li.) ist auch der übrige Vorstand zurückgetreten – abgesehen von Gemeinderat Jörg Scholler (re.).

In der FDP kriselt es. Nachdem der 75-jährige Gemeinderat bei der Nachwahl doch gewählt wurde,  traten daraufhin neben Nebel drei weitere Vorstandsmitglieder zurück. Was Scholler dazu sagt...

Update 15.01.:

Gräfelfing – Eigentlich war die FDP Gräfelfing unter den Schnellsten: Schon im März 2019 – ein Jahr vor der anstehenden Kommunalwahl – hatte sie mit Eike Nell einen Spitzenkandidaten für das Amt des Bürgermeisters benannt. 

Nun zeichnet sich aber ab, dass die Partei doch keinen Bewerber ins Rennen schicken wird. Nach einem Rückzug Nells aus persönlichen Gründen sagte jetzt auch Ersatzkandidat Michael Nebel ab – aus Ärger über die nachträgliche Bestätigung Jörg Schollers als Kandidat für die FDP-Gemeinderatsliste (siehe unten).

Rücktritte von vier Vorstandsmitglieder

Bei der ersten Listenaufstellung war der 75-jährige, langjährige Gemeinderat noch abgelehnt worden, um die FDP Gräfelfing zu verjüngen. Allerdings wurde eine Nachwahl notwendig, bei der Scholler schließlich doch gewählt wurde. 

„Ich habe nur die Mitglieder, die bisher bewusst weniger eingebunden waren, informiert, dass ich nochmal kandidiere. Das hat zur Mehrheit gereicht“, erklärt Scholler. Daraufhin traten Nebel und drei weitere Vorstandsmitglieder medienwirksam aus der Führungsriege des Ortsverbands zurück. 

Streit schadet dem FDP-Wahlkampf

Zum Ärger Schollers: „Außer emotionalen Gründen gab und gibt es keine sachliche Grundlage für die Rücktritte. Wenn Mitglieder meinen, sie müssten zurücktreten, weil sie demokratische Mehrheitsentscheidungen nicht zu akzeptieren vermögen, so tragen sie hierfür die alleinige Verantwortung. 

Dann haben sie Demokratie nicht verstanden“, wettert der 75-Jährige. Die Art und Weise der Auseinandersetzung schade dem FDP-Wahlkampf, so Scholler. Derzeit arbeite er daran, eine endgültige Kandidatenliste für den Gemeinderat aufzustellen. 

Die Suche nach einem neuen Bürgermeisterkandidaten sei dabei nachrangig. Scholler selbst kann aus Altersgründen nicht dafür antreten. 

rea

Was bisher geschah:

Gräfelfing – Paukenschlag bei der Gräfelfinger FDP: Gleich vier von fünf Vorstandsmitgliedern haben am Donnerstag ihren Rücktritt erklärt - darunter auch der erst im Dezember neu gewählte Vorsitzende Michael Nebel (37). Das gab der Vorstand in einer Pressemitteilung bekannt. Gleichzeitig steht der Ortsverband damit ohne Bürgermeisterkandidat da - zum zweiten Mal innerhalb nur weniger Wochen. Erst Ende November hatte der damalige Ortsvorsitzende Eike Nell seine Kandidatur aufgegeben, um in seine Heimat zurückzuziehen (Hallo berichtete). Anfang Dezember war ihm Michael Nebel sowohl als Vorsitzender als auch Bürgermeisterkandidat gefolgt.

Jetzt will auch Nebel nicht mehr

„Eine Kandidatur macht für mich - ohne Team, das hinter mir stehen würde - keinen Sinn“, erklärt der 37-Jährige auf Hallo-Anfrage. Bei der Neuaufstellung der Gemeinderatsliste Anfang Januar hatte eine Mehrheit gegen den Kurs des aktuellen FDP-Vorstands gestimmt. „Wir möchten dieser Entwicklung nicht im Wege stehen und treten daher hiermit in guter demokratischer Tradition mit sofortiger Wirkung von unseren Ämtern zurück“, heißt es in der Rücktrittserklärung von Michael Nebel, Schatzmeister Dieter Voss und den beiden Beisitzern Michael Schmid und Georg Wolters.

Konkret ging es dabei um die geplante Verjüngungskur des Ortsverbandes

Derzeit vertritt im Gräfelfinger Gemeinderat nur Jörg Scholler (75) die FDP. „Im vergangenen Jahr waren wir eigentlich zu dem Schluss gekommen, dass wir noch vor der Wahl einen Generationenwechsel vollziehen wollen. Dafür hatten wir auch mehrheitlich Unterstützung, außer von Jörg Scholler“, erklärt Nebel. Der stellvertretende Landrat, der seit 2002 im Gräfelfinger Gemeinderat sitzt, strebte auch für die diesjährige Kommunalwahl einen vorderen Platz auf der FDP-Kandidatenliste an, ging aber schlussendlich leer aus. „Aber so schnell gebe ich nicht auf“, so der 75-Jährige gegenüber Hallo. Bei der Neuaufstellungsveranstaltung im Januar kandidierte er erneut für Platz 3 der Liste – und wurde dieses Mal mehrheitlich gewählt.

Die Entscheidung kam für den Ortsvorsitzenden „völlig überraschend“ 

„Jörg Scholler hat uns aufs Kreuz gelegt“, so Nebel. Der sieht das freilich anders: Er habe mit „absolut legitimen Mitteln“ gearbeitet, betont Scholler. „Es gab mehrere Mitglieder, die vom Vorstand bisher bewusst ignoriert wurden. Diese habe ich über meine erneute Kandidatur informiert.“ Dass der Großteil des FDP-Vorstands wegen seiner Wahl zurückgetreten ist, hält er für „kein demokratisches Verhalten.“ Zumal mindestens sieben Personen nun auch ihre Kandidatur für die Gemeinderatsliste zurückziehen wollen.

Mit einer Liste antreten wird die FDP Gräfelfing dennoch definitiv, wie Scholler bestätigt. Für die Weggefallenen werden einfach andere Kandidaten nachrücken oder mehrfach gelistet. Scholler selbst wird voraussichtlich den vordersten Listenplatz einnehmen.

Ohne Bürgermeisterkandidat wäre die FDP Gräfelfing aber trotzdem. Mit 75 Jahren ist Scholler zu alt, um überhaupt antreten zu dürfen. Einen Wahlvorschlag müssen Parteien und Gruppierungen allerdings bereits bis Donnerstag, 23. Januar, einreichen. 

rea

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