Ein Leben für den Tod

Soziales Engagement – Das Bundesverdienstkreuz geht ins Würmtal

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Erika Brink wird das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Für ihr Engagement beim Hospizverein Würmtal erhält Erika Brink das Bundesverdienstkreuz. Seit über 20 Jahren widmet sie sich in ihrer Freizeit der sozialen Arbeit... 

Gräfelfing – „Wenn es einem finanziell gut geht und man Zeit hat, dann ist man dazu verpflichtet, der Gesellschaft etwas davon zurückzugeben“, sagt Erika Brink. Diesen Grundsatz lebt die Gräfelfingerin seit vielen Jahren – so sehr, dass sie für ihr soziales Engagement nun mit der Verdienstmedaille des Verdienst­ordens der Bundesrepublik Deutschland – auch Bundesverdienstkreuz genannt – ausgezeichnet wurde. 

Insgesamt drei Landkreisbewohnern hat Landrat Christoph Göbel (CSU) heuer die Ehrung überreicht. „Für eine Hausfrau ist das schon ungewöhnlich, damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Brink bescheiden. 

Dabei ist sie seit 2009 bereits verdiente Bürgerin Gräfelfings. Und das nicht ohne Grund: Seit über 20 Jahren widmet Brink einen Großteil ihrer Freizeit der Hospizarbeit. 1996 gründete sie den ersten Hospizverein im Landkreis München, nachdem sie für die Frauen Union einen Vortrag des Christophorus-Hospizvereins München organisiert hatte. „Die Dame hat so eindringlich von ihrer Arbeit erzählt, dass wir unbedingt selbst etwas tun wollten“, so Brink. 

Also brachte sie Palliativärzte, Pfarreien und Gemeinderäte zusammen und gründete einen eigenen Verein, dem sie auch viele Jahre vorstand. Wie sehr ein Hospizverein Angehörige unterstützen kann, musste Brink kürzlich selbst erfahren: Mit nur 48 Jahren verstarb eine ihrer Töchter an Krebs. „Dabei hat mir meine Ausbildung zur Hospizhelferin sehr geholfen“, sagt sie mit Tränen in den Augen. 

Inzwischen hat der Hospizverein Würmtal etwa 200 Mitglieder, Brink ist stellvertretende Vorsitzende. 19 Hospizhelfer begleiten aktuell Menschen in den Tod, ab Samstag, 23. November, startet ein neuer Ausbildungskurs. Im Kreis gibt es mittlerweile 17 Hospizvereine.

„Viele davon haben wir auch anfangs mit ausgebildet.“ Ihr Verein selbst habe hingegen Mitte der 90er-Jahre „absolut bei Null angefangen“, so Brink. „Damals gab es noch gar kein Empfinden dafür, dass jeder bis zum Ende in Würde leben sollte.“ Heute sei die Scheu, über den Tod zu reden, geringer. Trotzdem gäbe es noch viel zu tun: „Wir brauchen dringend mehr ambulante Tageshospize!“, fordert Brink. Sie hofft, dass im Zuge des Umbaus des Rudolf-Maria-Gunst-Hauses in Gräfelfing auch einige entsprechende Plätze eingerichtet werden. 

rea

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