Im Schwebe-Fieber

Der Traum von öffentlichen Seilbahnen in München – erste Vision für Station im Würmtal

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Zur Zeit wird eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn am Frankfurter Ring durchgeführt.

Zur Zeit gibt Machbarkeitsstudien über Seilbahnen als öffentliches Verkehrsmittel in München. Neben dem Frankfurter Ring, regt sich auch im Würmtal in der Hinsicht einiges.

München – Führt in Zukunft eine Seilbahn vom Pasinger Bahnhof zur geplanten U-Bahn-Station Martinsried? Eine solche Vision wurde jetzt vom Gräfelfinger Schwerlast-Unternehmen Schmidbauer präsentiert – auf dessen Firmengelände die Bahn ebenfalls halten soll. Auf dem Filetgrundstück im Gräfelfinger Gewerbegebiet werden derzeit hauptsächlich Kräne gelagert. „Das ist ökonomisch nicht sinnvoll“, erklärte Geschäftsführer Werner Schmidbauer im Bauausschuss, warum er eine andere Nutzung anstrebt. Die Kräne sollen dafür auf ein anderes, etwa 10.000 Quadratmeter großes Grundstück im Würmtal umziehen. 

Neues Konzept will neben Seilbahn noch andere Bauvorhaben umsetzten

Das Konzept der Firma Schmidbauer sieht ein automatisiertes Park-Hochhaus mit circa 300 Stellplätzen und Panorama-Restaurant auf dem Dach sowie ein Büro- und Lagergebäude vor. Im Gegenzug dafür, dass die Firma ihr Gelände um einen Grünstreifen der Gemeinde erweitern darf, will sie einen öffentlichen Quartiersplatz mit Busstop, Taxistand und Seilbahn bauen. 

Modell für das Gelände mit der Seilbahn in Gräfelfing.

Die Bauausschuss-Mitglieder werteten die Pläne als mutig, aber charmant, solange die Seilbahn definitiv realisiert werden kann. Einzig die Grünen kritisierten, dass gerade ein Parkhaus zum Leuchtturm des Geländes gemacht werden soll. Das Gremium beschloss mehrheitlich, dass die Gemeindeverwaltung mit dem Unternehmen weitere Gespräche über einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan führen soll. Abzuwarten bleibe laut Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) aber zunächst eine Verkehrswertuntersuchung des Landkreises München. Dieser eruiert derzeit per Computer für insgesamt neun Seilbahnverbindungen, wie viele Fahrgäste diese jeweils potenziell nutzen würden. 

Darunter ist auch die Strecke von Pasing ins Würmtal, die über die Staatsstraße 2063 und Grünzüge führen könnte. „Im Anschluss soll für erfolgversprechende Verbindungen die bauliche Machbarkeit näher betrachtet werden“, so das Landratsamt auf Nachfrage. Der Landkreis sei aber aktuell auch in die Machbarkeitsstudie zur Seilbahn am Frankfurter Ring  eingebunden. 

Andersherum gibt es bisher weniger Kommunikation

Sowohl mit der Stadt München als auch mit der ebenfalls betroffenen Nachbargemeinde Planegg habe es bisher keine Gespräche zu dem Gräfelfinger Seilbahn-Konzept gegeben. „Daher ist auch keine Beurteilung möglich“, teilt MVG-Sprecher Matthias Korte mit. Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) zweifelt ganz grundsätzlich an der Umsetzbarkeit. 

„Dafür müssten sehr viele Grundstückseigentümer eingebunden werden.“ Andere Gemeinden setzen hingegen große Hoffnungen auf diese Form der Zukunftsmobilität. Etwa Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel, der die Würmtal-Seilbahn am liebsten bis über die Isarauen ausweiten würde. „Wenn wir keine Tangentialverbindungen schaffen, ersticken wir im Verkehr. Und eine Seilbahn erscheint mir als am schnellsten realisierbare Lösung, um unsere Straßen zu entlasten.“

Pläne der Stadt

Die Stadt München untersucht seit September eine Seilbahn über den Frankfurter Ring mit möglicher Verlängerung bis Unterföhring. „Ergebnisse werden Mitte 2020 erwartet“, so MVG-Sprecher Matthias Korte. Eine ähnliche Studie für eine Verbindung von Pasing nach Germering ist beantragt. Pläne für die Strecke vomPasinger Knie zum Neubaugebiet an der Paul-Gerhardt-Allee liegen derzeit auf Eis. Bereits seit 2014 ist eine Seilbahn von Englschalking zur Messestadt Riem im Gespräch.

rea

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