Belästigung durch Raser

Können Blumen Raser bremsen?

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Mit ihrer Breite lädt die Würmtalstraße Autofahrer zum Rasen ein – auch in den Anliegerstraßen. 

In Gräfelfing gibt es viele Beschwerden über Straßenlärm durch Raser. Wie kann man den Verkehr am besten entschleunigen – mit Blumenkübel oder Straßenrückbau?

Gräfelfing – Quietschende Reifen und Motoren, die aufheulen: Regelmäßig schreckt Familie Scholz wegen Autorennen aus ihrer Abend­ruhe. „Die starten wohl am Neurieder Weg, drehen bei uns an der Finkenstraße um 180 Grad um und rasen die Würmtalstraße wieder rauf“, erzählt Michael Scholz. 

In Sendling, wo die Familie bis vor vier Jahren gewohnt hat, sei es ruhiger gewesen. „Die Straßen hier ringsherum laden natürlich zum Rasen ein“, sagt Kerstin Scholz und meint damit vor allem die vierspurige Würmtalstraße. Die dort erlaubten 60 Stundenkilometer würde auch am Tag fast keiner einhalten. 

„Viele fahren mit 80 Kilometern pro Stunde und wenn sie dann in unsere Straße abbiegen, etwa um die Ampeln an der Pasinger Straße zu umgehen, sind sie nicht viel langsamer.“ 

Das Problem: In der Finkenstraße gilt Tempo 30. In der – mit knapp 100 Gästen eher schlecht besuchten – Bürgerversammlung hat Michael Scholz darum Veränderungen gefordert. „Zum Beispiel, dass die Finkenstraße eine Sackgasse oder Einbahnstraße wird.“ Das Letzteres durchaus wirkt, hat die Familie den Sommer über erfahren. 

Wegen der Sanierung des Neurieder Wegs war die Finkenstraße nur in eine Richtung befahrbar. „Das war vom Verkehr her eine echte Erleichterung für uns.“ Man plane schon lange einen Rückbau der Würmtalstraße, um den Verkehr zu entschleunigen, erklärte Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) in der Versammlung und versprach: „Wir werden uns die Situation mit der Polizei nochmal genauer anschauen.“ 

Für Michael Scholz ist das nicht genug: „Man muss doch auch kurzfristig etwas machen können: Zum Beispiel in der Finkenstraße Blumenkübel aufstellen, die die Straßenbreite einschränken und so den Verkehr ausbremsen.“ 

Zu stark ausgebremst fühlen sich hingegen viele Radfahrer in Gräfelfing, wie in der Bürgerversammlung deutlich wurde. „Ich bedauere, dass wir in der Bahnhofstraße keinen echten Radweg haben. Und jetzt ist das auch in der Rottenbucher Straße so“, sagte Ulrike Tuchnitz. 

Die dortigen Kombis aus Geh- und Radweg seien zu sch­mal­, um gut radeln zu können.„Nach Schulschluss herrscht in der Rottenbucher Straße Chaos! Wir müssen doch nicht warten, bis wieder jemand stirbt“, bekräftigte ein anderer Bürger den Vorstoß. 

„Wir haben fast überall in der Gemeinde Tempo 30. Da kann man auch auf der Straße sicher fahren“, relativierte Rathaus­chefin Wüst die Kritik. Gleichzeitig kündigte sie an, dass sich genau mit solchen Themen das Mobilitätskonzept beschäftigen wird. 

Das soll in Kürze weiter konkretisiert werden, so Wüst. Am 27. November seien dafür alle Gräfelfinger zu einem entsprechenden Bürgerdialog eingeladen.

Romy Ebert-Adeikis

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