Erhöhter Methanwert zur Wiesn

Hendlgrills als Klimakiller?

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Sind Hendl verantwortlich für Methan in der Luft?

Derzeit umrunden Forscher mit Mess-Rucksäcken die Wiesn. Warum Grills und Heizstrahler  das Problem sein könnten, was das für das Klima bedeutet...

Gräfelfing/München – Ein Team der Technischen Universität München (TUM) geht derzeit Treibhausgasen auf dem Oktoberfest auf die Spur. 

Bei früheren Untersuchungen war den Wissenschaftlern um Jia Chen (37), Professorin für Umweltsensorik und Modellierung, ein deutlich erhöhter Methanwert in München zur Wiesn­zeit ins Auge gestochen. 

„Unser Ziel für die Messungen dieses Jahr ist es, die genauen Quellen der Emissionen zu finden“, sagt Chen.

Eine Messstation mit der Option auf Verlängerung, hofft Professorin Jia Chen.

Sie und ihr Team vermuten bisher Erdgas hinter den hohen Werten 

„Auf der Wiesn wird sehr viel mit Erdgas zubereitet und das besteht zu 95 Prozent aus Methan“, erklärt wissenschaftlicher Mitarbeiter Florian Dietrich (28).

„Es könnte sein, dass es ein Leck in den Gasleitungen gibt. Oder dass die Verbrennung bei den Hendlgrills und Heizstrahlern in den Biergärten nicht wirklich effizient ist und dort unverbranntes Methan in die Atmosphäre kommt.

“ Das ist darum problematisch, weil Methan einen deutlich höheren Treibhausgaseffekt – und damit Einfluss auf die Klimaerwärmung – hat als etwa CO2.

Was tatsächlich die Ursache der Emissionen zur Wiesnzeit ist, lässt sich an der Zusammensetzung der Treibhausgase in der Luft ablesen. Auf dem Festgelände selbst durften die Forscher aus Sicherheitsgründen aber keine Daten erheben. 

„Also mussten wir eine andere Lösung finden“,

Und die führte Chen unter anderem auf das Gräfelfinger Rathausdach.

Dort steht seit kurzem eines von fünf Spektrometern, das die Konzentration einzelner Gase misst. Die anderen Stationen sind auf dem Dach der TUM in der Theresienstraße sowie in Feldkirchen, Oberschleißheim und Taufkirchen aufgebaut. 

Vorerst für einen Monat haben Florian Dietrich (re.) und Benno Voggenreiter auf dem Gräfelfinger Rathaus eine Messstation aufgebaut.

Zusammen ergeben sie ein Netzwerk, dass – je nach Windrichtung – ‚saubere’ und bereits belastete Luftsäule miteinander vergleichen lässt. Weil die Spektrometer aber nur bei Sonnenlicht funktionieren, laufen Forscher zusätzlich mit Mess-Rucksäcken um das Festgelände und nehmen Luftproben in den Wiesnzelten.

Alle Daten gehen dann automatisiert an den TUM-Großrechner in Garching

Dort werden sie nach dem Oktoberfest aufwendig analysiert. „Dieses Netzwerk-Monitoring ist weltweit einmalig“, sagt Chen, die das Konzept 2012 in Harvard entwickelt hat.

Darum hofft die 37-Jährige, dass das Netzwerk auch nach dem Oktoberfest Bestand hat. Zwar sind die Spektrometer vorerst nur für einen Monat aufgestellt worden. Aber sollten sie sich die Standorte als geeignet erweisen, könnten sie dauerhaft Münchens Treibhausgas­emissionen überwachen und so einzigartige Infos für Klimafragen liefern.

Doch zuerst hofft das TUM-Team, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen Emissionsquellen zu verringern. „Dann kann München wirklich behaupten, klima­freundlich zu sein“, sag Chen.

Romy Ebert-Adeikis

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