Endstation Bordstein? 

Barrierefreiheit: Rollstuhlfahrer stoßen im Würmtal an ihre Grenzen – was sich ändern muss

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Kabel auf den Straßen sind für Herolds Mobil ein Kraftakt. Auch die Supermarkt-Zufahrt an der Flurstraße ist nur gewaltsam zu überwinden...

Mit seinem Elektromobil kommt der Lochhamer Günther Herbold (94) kaum zum Supermarkt – plant  die Gemeinde endlich eine Verbesserung der Verhältnisse? Hallo hat nachgehakt.

Lochham – Mit 94 Jahren sind nur wenige Menschen so mobil wie Günther Herbold. Dank eines Elektromobils kann der Lochhamer eigenständig Erledigungen machen oder einkaufen. Eigentlich. Denn seit sich Herbold vor einem Jahr das Fahrzeug angeschafft hat, stößt er immer wieder auf Barrieren im Ort – etwa auf dem Weg zum Supermarkt. „Aber ich muss ja einkaufen, also muss ich mit Gewalt da drüber“, ärgert sich der 94-Jährige. „Wenn ich das drei Mal pro Woche mache, ist mein Mobil aber bald hin.“

Will Herbold von seiner Wohnung in der Lochhamer Straße zum Nahversorgungszentrum an der A 96 machen ihm zunächst „An der Würmleiten“ hohe Bordsteine zu schaffen. Die Pasinger Straße kann er dank Unterführung und Aufzug zwar überqueren – direkt dahinter ist aber Schluss: Die Gehwege zu den Einkaufsmärkten sind zu eng für sein Mobil. Die Zufahrt zum Parkplatz des angrenzenden Elektromarktes wird von einer Kabelbrücke blockiert, die das Stromkabel einer elektrischen Werbetafel schützt.

Laut Christian Rossteuscher, Geschäftsführer des Marktes, müsse das Kabel dort verlaufen. „Ich kann es auch nicht einfach blank liegenlassen, das ist eine Stolperfalle.“ Stattdessen solle Herbold mit seinem Mobil ein Stück weiter Richtung Autobahn fahren und vom Radweg in den Parkplatz einbiegen, schlägt Rossteuscher vor.

Auch bei der Gemeinde hat sich der Senior mehrfach beschwert. „Das letzte Mal vor etwa acht Wochen.“ Zwar habe ihm eine Mitarbeiterin zeitnah Verbesserungen versprochen. „Aber passiert ist nichts. Es kann doch nicht sein, dass eine Gemeinde wie Gräfelfing, in der so viele alte Leute wohnen, nicht barrierefrei ist.“

Gegenüber Hallo erklärt die Gemeinde: „Wir sind dankbar für die Hinweise aus der Bevölkerung und prüfen die monierten Stellen, beispielsweise hinsichtlich der Bordsteine. Wir gehen dem aber nach. Wir leiten die Hinweise gesammelt an das Bauamt weiter, die Maßnahmen ergreifen können. In welchem Zeitraum, darüber können wir aufgrund hoher Auslastung des Bauamts im Moment keine Aussage treffen." Auch der Inklusionsbeauftragte Günter Roll (BVGL) will Kontakt mit dem 94-Jährigen aufnehmen und sich über die Probleme informieren.

Romy Ebert-Adeikis

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