Rettung für Schrauber?

Gautinger Werkstatt für Flüchtlinge: Räume gekündigt – Integrationsprojekt vor dem Aus? 

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Seit Juli steht das Integrationsprojekt GRAIN vor Problemen: Dem gemeinnützigen Unternehmen wurde als Mieter gekündigt. Welche Ideen die Schrauber vor dem Aus bewahren könnten und warum sie auch mit neuen Räumen vor großen Problemen stehen würden, lesen Sie hier.

Seit 2016 werkeln in den leeren Gebäuden des Apparatebau Gauting Flüchtlinge an Rädern und PCs. Seit Juli liegt das Integrationsprojekt GRAIN aber auf Eis: Die Kündigung flatterte ins Haus...

Gauting – Für Leiter Hans-Wilhelm Knape ist es ein „Tritt in die Kniekehlen von ehrenamtlich tätigen Menschen“: Das gemeinnützige Unternehmen GRAIN ist seit Juli heimatlos. Innerhalb von nur zwei Wochen musste die Gautinger Werkstatt für Flüchtlinge ihre Räume im ehemaligen AOA-Gebäude in der Ammerseestraße räumen. Der Eigentümer – die Nürnberger Diehl-Gruppe – hatte dem Integrationsprojekt als Mieter gekündigt.

GRAIN war Ende 2016 mit dem Gautinger Asylhelferkreis aufgebaut worden. Dort schraubten Ehrenamtliche mit Flüchtlingen an Fahrrädern und PCs, um diese für den Berufseinstieg vorzuqualifizieren.

Meinungsverschiedenheit könnte Kündigung bedingt haben

Laut Knape kam die Kündigung ohne Begründung – aber mit Vorgeschichte. Nach einem Wasserrohrbruch im Winter hatte GRAIN den Eigentümer um Schadensersatz für beschädigte Elektrogeräte gebeten. Dies sei aber genauso abgelehnt worden, wie ein Umzug des Werkstattlagers vom Keller ins Erdgeschoss, damit Material und Maschinen nicht schimmeln. „Als wir gesagt haben, dass wir die Sachen dann woanders lagern, kam prompt die Kündigung.“

Jetzt wirbt ein Banner am Gebäude dafür, dass Lagerräume gemietet werden könnten. „Die Diehl-Gruppe will noch einmal Kasse machen, ohne groß Ärger zu haben“, vermutet Knape. Das Unternehmen selbst wollte sich trotz mehrmaliger Anfrage von Hallo nicht zu dem Fall äußern.

Suche nach neuen Räumlichkeiten läuft auf Hochtouren

Leiter Hans-Wilhelm Knape.

Doch es gibt Hoffnung: In die Suche nach einer neuen Heimat hat sich jetzt der Wirtschaftsförderer der Gemeinde Gauting eingeschalten. Zwar könne die Gemeinde selbst keine passenden Räume zur Verfügung stellen. „Aber ich sehe ein paar Optionen“, sagt Fabian Kühnel-Widmann gegenüber Hallo. So sei er dabei, GRAIN den Kontakt einer Stockdorfer Firma zu vermitteln, die freie Räumlichkeiten habe. 

Auch in Gauting gebe es vielleicht Möglichkeiten. „Das sind aber alles Privatflächen. Da müssen sich die Parteien selbst verständigen, ob sie zusammenkommen“, so Kühnel-Widmann. „Außerdem hat die Diehl-Gruppe angeboten, Container auf der Fläche des AOA-Geländes aufzubauen – zumindest als Zwischenlösung, bis GRAIN neue Räume hat“, so der Wirtschaftsförderer. Das Angebot habe der Projektleiter vergangene Woche in einem Gespräch mit der Gemeinde gemacht.

Unternehmen muss Betrieb pausieren

Aber selbst wenn: Für eine reibungslose Fortführung von GRAIN kommt auch diese Option zu spät. Weil das AOA-Gelände mittelfristig zum Wohngebiet umgestaltet werden soll, hatten die Diehl-Gruppe und das gemeinützige Unternehmen nur eine Räumungsfrist von zwei Wochen vereinbart. Zu wenig – auch um geeignete Lagerräume für Geräte und Material zu finden.

„Jede Menge Werkzeug und unsere Werkbänke mussten wir im Wertstoffhof abgeben, weil wir dafür einfach keinen Platz gefunden haben“, so Hans-Wilhelm Knape, der einen Teil in seinem Privatkeller unterbringen konnte. „Vieles ist für immer verloren.“ Auch mit neuen Räumlichkeiten müsste das Intergrationsprojekt daher wieder komplett neu aufgebaut werden.

Romy Ebert-Adeikis

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