Aus Gauting in die Welt

„Tinder“ fürs Ehrenamt: Junge Gründer entwickeln Kontakt-App für Vereine und Helfer

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Legen den Fokus voll auf ihre Vision: Ludwig Petersen (links) und Paul Bäumler wollen mit der App „letsact“ das Ehrenamt in das digitale Zeitalter überführen.

Ihr Ziel: Das Ehrenamt modernisieren. Mit ihrer digitalen Freiwilligenbörse „letsact“ haben Paul Bäumler und Ludwig Petersen jetzt den ersten Schritt in die richtige Richtung unternommen.

Gauting – Es ist ein Klischee der Start-Up-Szene: Irgendwo in einer Garage oder einem Keller werkeln Visionäre an den Unternehmen der Zukunft. Für Paul Bäumler und Ludwig Petersen ist das kein Klischee, sondern Realität. 

„Angefangen an unserer App zu arbeiten, haben wir bei unseren Eltern“, erzählen die beiden 20-Jährigen. Inzwischen werkeln sie zwar in einem Co-Working-Space in München Schwabing, ihr Firmensitz ist aber bis heute im Würmtal: die Hiltlstraße in Gauting.

Dort haben die Hobbyprogrammierer und langjährigen Freunde ihre Vision entwickelt: „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, das Ehrenamt zu modernisieren“, erklärt Petersen selbstbewusst. „Die Leute haben immer weniger Freizeit, wollen die aber sinnvoll nutzen. Statt sich dauerhaft an ein Ehrenamt zu binden, wollen daher viele einmalige Aktionen machen. Und wir ermöglichen das.“

Die Lösung der Gautinger: „lets­act“ eine App, die man als digitale Freiwilligenbörse beschreiben könnte, in der sich Helfer für Projekte von Organisationen anmelden können. Dann spricht man – wie bei der Dating-App „Tinder“, von einem „Match“ Über 3000 davon hat „letsact“ schon generiert.

Wie schwer das im realen Leben ist, wissen Peters und Bäumel aus eigener Erfahrung. „Einmal habe ich ein eigenes Sportprojekt für Flüchtlinge gestartet“, so Petersen. „Dafür genug Leute zu finden, war echt schwer.“ Kann ein Non-Profit-Projekt sich keine professionelle Website leisten, ist allein das ein Dämpfer für die Bekanntheit. Genau da setzt „letsact“ an –und scheint damit einen Nerv der Zeit zu treffen.

Seit dem Launch der App vor einem Jahr haben sich rund 200 Organisationen und über 10 000 Freiwillige angemeldet. „Seit Kurzem können wir uns sogar 1000 Euro Gehalt zahlen“, sagen die Gründer lachend. Anfangs mussten sie all ihre Ersparnisse zusammengekratzen, um die App überhaupt zu starten. Langfristig soll sich „letsact“ darüber finanzieren, dass Firmen, die Mitarbeiter für Ehrenamt begeistern wollen, einen Teil der App intern nutzen können.

Jetzt wollen Petersen und Bäumel „letsact“ aber erstmal bundesweit bekannt machen. Damit das Angebot vielfältig ist, werden überregionale Projekte eingebunden. „Zum Beispiel starten wir jetzt eine Kampgne mit dem Bundesministerium für Digitalisierung“, verrät Bäumel.

Romy Ebert-Adeikis

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