Sie wollen die Bahn blechen lassen

Bei 100 Stunden Verspätung –  Ehepaar will Geld bei DB einklagen

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In fünf Jahren sei die S6 „fast nie“ pünktlich gewesen.

 „Die S6 ist immer zu spät.“ Ein Ehepaar will Geld für vergeudete Zeit bei der Deutschen Bahn einklagen. Was die dazu sagt und wie viel Zeit bereits jetzt zusammengekommen ist...

Gauting – Wenn Maria Szasz morgens in Gauting in ihre S-Bahn steigt, nimmt sie die Anzeigentafel am Bahnhof ganz besonders ins Visier. Seit Anfang Januar zählt für die 50-Jährige jede Minute. Denn die Zeit, die ihr durch Warten auf die S 6 und Verzögerungen auf der Fahrt nach München verloren geht, will die Gautingerin der Deutsche Bahn in Rechnung stellen – als Ersatz für „entgangene Lebensfreude.“ In den ersten sechs Tagen haben sich schon insgesamt zwei Stunden Verspätung summiert.

In fünf Jahren sei die S6 „fast nie“ pünktlich gewesen

„In den fünf Jahren, die ich täglich zur Arbeit nach München fahre, habe ich fast nie erlebt, dass die S-Bahn pünktlich war“, beklagt sich Szasz. „Zum Glück habe ich einen sehr kulanten Chef, aber es ist ja peinlich, dass ich jeden Tag wegen der Bahn zu spät komme“, so die Büroangestellte. 

In der Regel nehme sie einen Zug früher als sie müsste. Und dennoch habe es Tage gegeben, an denen Kunden vorm geschlossenen Büro auf sie warten mussten. Ihr Mann Ulrich Savel schätzt, dass nur zehn Prozent der S-Bahnen von Gauting nach München pünktlich ihr Ziel erreichen. 

Ulrich Savel und Maria Szasz haben die Verspätungen der S-Bahn-Linie 6 satt. Sie wollen der Bahn jetzt eine Rechnung für vergeudete Zeit schreiben.

In mehreren E-mails an die Deutsche Bahn hat er seinem Ärger bereits Luft gemacht. „Aber es gibt zu viele Mitarbeiter, Beschwerden kommen bei den Verantwortlichen gar nicht an. Da braucht es andere Druckmittel“, glaubt der 68-Jährige. 

Deswegen will er jetzt Geld einfordern, sobald seine Frau auf ihrem Arbeitsweg 100 Stunden Verspätung angesammelt hat. Wie hoch die Summe dann sein soll? „Darüber werde ich erst noch mit meinem Rechtsanwalt sprechen“, so Savel. 

Wie die Bahn darauf reagiert

Große Erfolgschancen räumt die Bahn der Initiative nicht ein: „Im deutschen Eisenbahnverkehr gelten einheitliche, gesetzlich festgelegte Fahrgastrechte. Damit wird gewährleistet, dass die Ansprüche aller Kunden einheitlich beurteilt und bearbeitet werden“, teilt eine Sprecherin mit. 

Zudem ließen sich in einem so komplexen Fahrsystem wie im Raum München Störungen nicht vermeiden. „Zumal wir uns in einem Verkehrssystem bewegen, welches die Grenzen seiner Kapazität längst erreicht hat.“ 

2020 stünden aber Verbesserung der Fahrgastinformation und die Erneuerung der Infrastruktur auf der Agenda.

rea

Hier bekommen Fahrgäste bei Verspätungen Hilfe

Bei Verspätungen ist eine anteilige Kostenerstattung erst ab 60 Minuten Verzögerung möglich. Inhaber von Wochen- und Monatskarten müssen Verspätungsfälle gesammelt nach Ablauf der Geltungsdauer beim Servicecenter Fahrgastrechte in Frankfurt am Main einreichen. Dieses ist unter Telefon 0180/620 21 78 zu erreichen. Mehr Infos unter www.bahn.de/fahrgastrechte

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