Verliert Gauting sein Gesicht?

Bürger kämpfen gegen AOA-Quartier: „Wollen kein Münchner Vorort sein“

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Besonders umstritten: Wo einst der Apparatebau AOA war, soll ein neues Quartier mit Supermarkt und 300 Wohnungen entstehen.

300 Wohnungen, ein Supermarkt, Gastronomie und ein Kindergarten: Das plant die Gemeinde am ehemaligen AOA-Gelände an der Ammerseestraße. Für einige Gautinger eine Horrorvorstellung.

Gauting – In welchem Gauting wollen wir leben? Diese Frage wurde bei der Bürgerversammlung nicht nur einmal gestellt. „Wir werden immer mehr zu einem gesichtslosen, von Investoren regierten Vorort von München“, empörte sich Eckhard Müller-Guntrum von „Gauting Aktiv“, der bereits gegen den Neubau am Grundschulareal mobil gemacht hatte (Hallo berichtete).

Neues Objekt des Ärgers: das geplante Quartier am sogenannten AOA-Gelände. Wo einst der Apparatebau Gauting fertigte, sollen etwa 300 Wohnungen, ein Supermarkt, Gastronomie und ein Kindergarten entstehen. Diese Idee sei die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Bauplan von 2002, der deutlich mehr Gewerbe vorgesehen hatte, so Bürgermeisterin Brigitte Kössinger in der Versammlung. Die Aufstellung des neuen Plans soll der Gemeinderat zeitnah billigen.

„Wer so viele Wohnungen baut, schafft Pull-Effekte und noch mehr Leute ziehen zu“, warf Hansjörg Hägele Bürgermeisterin Kössinger vor. Keineswegs würden die neuen Wohnungen nur für Zuziehende sein, antwortete die Bürgermeisterin. So gebe es 260 Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen, die verzweifelt nach einer geeigneten, günstigen Wohnung suchen würden. Andererseits hätten nicht alle Kinder im Ort einen Betreuungsplatz, weil die Träger ihrem Personal keinen bezahlbaren Wohnraum anbieten können. „Natürlich brauchen wir Erzieher von außen“, so Kössinger. „Aber vor allem wollen wir bezahlbare Wohnungen für die, die hier leben und sich hier engagieren.“ Für eine andere Darstellung habe sie kein Verständnis.

Wie viele Einwohner sie noch für Gauting geplant habe, wollte Kössinger den Bürgern nicht beantworten. „Das kann ich auch nicht, wir können ja keine Schlagbäume runterziehen“, so die CSUlerin. Klar sei aber: „Wir wollen ein gemischtes, ein soziales Gauting.“

Romy Ebert-Adeikis

Verkehrsprobleme an der Ammerseestraße

Für einige Gautinger ist der Umbau des AOA-Geländes eine Horrorvorstellung – und der nächste Schritt hin zu einer grauen Satellitenstadt Münchens. Auch, weil es bis dato kein entsprechendes Verkehrskonzept gibt.

Mehrfach kam der Verkehr an der Ammerseestraße zur Sprache. Wolfgang Meiler fragte nach einem Konzept, Lastwagen, die oft rasen würden, von der Straße zu verbannen. 

Das sei ohne Umfahrung nicht möglich, räumte die Bürgermeisterin ein – zumal es sich um eine Staatsstraße handele. Man wolle aber verkehrsberuhigende Maßnahmen mit dem Bau des neuen AOA-Geländes umsetzen. 

Nur vertrösten konnte Kössinger auch bei der Frage nach einem sicheren Schul- und Radweg an der Bahnunterführung. „Solange die Bahn die nicht erneuert, wird das Nadelöhr bleiben.“

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