Volksbegehren für den Artenschutz – Aktionen im Würmtal geplant

Sie arbeiten fleißig wie die Bienen

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Mit Plakaten und Flyern will das Gräfelfinger Aktionsbündnis um Annette Rosellen und Klaus Tuchnitz für das Begehren werben, die Entwürfe stehen bereits.

Würmtal – Ab dem 31. Januar haben Bürger die Möglichkeit ihre Stimme für den Artenschutz abzugeben – auch im Würmtal sind einige Aktionen zu diesem Anlass geplant

Karl Heinz Jobst trauert um seine Bienen: Jedes Jahr sterbe etwa die Hälfte seiner Völker, weil sie der Varroamilbe, Motten oder mit Pestiziden gespritzten Pflanzen zum Opfer gefallen sind.

54 Prozent der Bienen in Deutschland sind ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Dass das Leben für die Tiere heutzutage wahrlich kein Honigschlecken ist, weiß auch Karl Heinz Jobst, Organisator der Solidarischen Imkerei Würmtal (Solim) und selbst Hobbyimker: „Wir müssen massiv zufüttern. Die Bienen finden nichts mehr zu fressen“, so der Gautinger. Jedes Jahr sterbe etwa die Hälfte seiner Bienenvölker, weil sie der Varroamilbe, Motten oder mit Pestiziden gespritzten Pflanzen zum Opfer gefallen sind. „Die Bienen fallen tot von den Blüten oder sind danach so desorientiert, dass sie das Gift an ihre Brut verfüttern, die dann Missbildungen entwickelt“, hat Jobst beo­bachtet.

Viele dieser Probleme könnten bald Geschichte sein, wenn sich das Volksbegehren „Rettet die Bienen, Vögel und Schmetterlinge – stoppt das Arten­sterben“ durchsetzt (Hallo berichtete). Dieses fordert mehr ökologische Landwirtschaft, Biotopverbünde und weniger Pestizide. Um die Forderungen zu realisieren, müssen sich zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar rund eine Million Wahlberechtigte in Bayern als Unterstützer des Begehren eintragen. Im Würmtal rühren mehrere Gruppen dafür die Werbetrommel.

„Wir wollen in Gräfelfing Plakate aufhängen, an den S-Bahnhöfen Flyer und Infomaterial verteilen sowie am 2. Februar einen Infostand aufbauen“, sagt Annette Rosellen vom Imkerverein Gräfelfing. Gemeinsam mit lokalen Parteivertretern, dem Bund Naturschutz und dem Landesbund Vogelschutz hat der Verein ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen. Bayernweit gibt es davon 80. In Gräfelfing will das Bündnis 1000 Unterstützer mobilisieren. Sicher, dass das Begehren bayernweit durchgeht, ist Rosellen aber nicht.

Tote Bienen: Immer wieder verlieren Imker ganze Völker.

Anders Karl Heinz Jobst: „Das wird das erfolgreichste Volksbegehren aller Zeiten“, glaubt der Gautinger. Über das Öko&Fair-Umweltzentrum wirbt er trotzdem dafür, sich als Unterstützer einzutragen.

In Planegg beginnen jetzt erste Planungen für Aktionen. „Ich werde anfragen, ob wir das Begehren als Gemeinde unterstützen können“, so der parteifreie Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour, der auch Bienenpate am Feodor-Lynen-Gymnasium ist (Hallo berichtete). Dessen Schülerimker wollen an der Schule über das Begehren informieren. Außerdem möchte von Schall-Riaucour im Gräfelfinger Filmeck einen Dokumentarfilm über das Insektensterben zeigen lassen.

Doch es gibt nicht nur Unterstützung für das Projekt: Der Bauernverband kritisiert es heftig. „Statt das bäuerliche Engagement anzuerkennen und weiter zu stärken, wird Stimmung gemacht und nach neuer Reglementierung gerufen“, sagt Bauernpräsident Walter Heidl. Anderen gehen die Forderungen nicht weit genug. „Man kann es nicht allen recht machen“, so Rosellen. „Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Romy Ebert-Adeikis

Hier können Sie sich eintragen

Befürworter des Volksbegehrens müssen sich persönlich in ihrem Rathaus dafür eintragen. Wichtig ist, den Personalausweis mitzubringen. Eine Online-Eintragung ist nicht möglich, es kann allerdings ein Eintragungsschein beantragt werden, um sich in einem anderen Rathaus einzutragen.

  • Gräfelfing:
    Einwohnermeldeamt, Ruffiniallee 2, Mo. bis Do. von 8 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr; freitags von 8 bis 12 Uhr; zudem am Samstag, 2. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
    Hier lesen Sie einen Artikel zum Imkerverein Gräfelfing.
  • Planegg:
    Rathaus, Pasinger Straße 8, Mo. bis Do. von 8 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16 Uhr, dienstags bis 20 Uhr; am Freitag von 8 bis 12 Uhr; zudem am Samstag und Sonntag, 2. und 3. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
  • Neuried:
    Bauamt (Zimmer 8), Planegger Straße 2; Mo. bis Do. von 8 bis 12 Uhr, mittwochs auch von 15 bis 18 Uhr; freitags von 7.30 bis 12 Uhr.
  • Krailling:
    Bürgerbüro, Rudolf-von-Hirsch-Str. 1, Mo. bis Fr. von 8 bis 12 Uhr, mittwochs auch 13 bis 16 Uhr, donnerstags auch 13 bis 19 Uhr; zudem am Samstag, 2. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
  • Gauting:
    Einwohnermeldeamt, Bahnhofstraße 7, Mo. bis Do.von 8 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16 Uhr, dienstags bis 20 Uhr; freitags von 8 bis 12 Uhr, zusätzlich Samstag, 9. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
  • Stockdorf: Bürgerbüro, Mitterweg 34, Montag, Dienstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr, dienstags auch von 15 bis 19 Uhr; donnerstags 7 bis 12 Uhr.

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