Eigene Währung für´s Würmtal?

Kommt jetzt der „WürmTaler“? – Neuer Verein will eigene Währung – Gemeinden sind kritisch

Vorreiterprojekt in Oberösterreich: Seit Dezember 2016 kann man in sieben Gemeinden im Steirischen Ennstal mit dem „EnnsTaler“ bezahlen.
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Vorreiterprojekt in Oberösterreich: Seit Dezember 2016 kann man in sieben Gemeinden im Steirischen Ennstal mit dem „EnnsTaler“ bezahlen.

Eigene Währung für´s Würmtal?  Um regionale Firmen zu unterstützen, soll nun ein Verein gegründet werden. Der solle sich dann um den Druck  von „WürmTalern“ kümmern.  Gemeinden sind skeptisch...

  • Neuer Verein will eigene Währung für die Region.
  • Gemeinden sehen die Idee eher kritisch.
  • Vorreiterprojekt in Oberösterreich: So läuft es mit dem Regionalgeld

Würmtal – Dass Globalisierung nicht nur Vorteile bringt, hat sich mit der Corona-Pandemie deutlich gezeigt. 

Die jüngsten Erfahrungen treiben jetzt eine Idee zur Stärkung der regionalen Wirtschaft voran, die das Gautinger Umweltzentrum „Öko & Fair“ schon lange im Auge hat: eine Währung für das Würmtal.

„Bei uns fließt das meiste Geld nach München ab“, erklärt Mit-Initiator Karl Heinz Jobst  das Problem. „Seit der Corona-Krise sind die Leute deutlich mehr sensibilisiert dafür, wie wichtig der Bäcker um die Ecke ist.“ 

„Bei uns fließt das meiste Geld nach München ab“, erklärt Mit-Initiator Karl Heinz Jobst  das Problem.

Um regionale Firmen zu unterstützen, soll nun ein Verein gegründet werden. Der soll sich um den Druck und den Vertrieb von „WürmTalern“ kümmern, die dann nur in Gräfelfing, Planegg, Neuried, Krailling und Gauting ausgegeben werden können. 

Die dafür getauschten Euro müssen bei einer Bank hinterlegt sein und dürfen nicht ausgegeben werden. Für die Realisierung und den Druck von fälschungssicheren Geldscheinen arbeiten Jobst und Co. mit der Genossenschaft „Allmende“ zusammen, die ähnliche Projekte in Österreich umgesetzt hat (siehe unten). 

Als nächstes sollen die Kommunen mit ins Boot geholt werden. „Es dürfte angesichts dringend benötigter Gewerbesteuer-Mehreinnahmen nicht allzu schwierig sein, die Gemeinderäte von den Vorteilen zu überzeugen“, hofft Mit-Initiatorin Christiane Lüst. 

Meisten Gemeinden eher skeptisch

Doch auf Hallo-­Anfrage äußern sich die meisten eher skeptisch. Gräfelfings Bürgermeister Peter Köstler (CSU) bezweifelt den Erfolg der Aktion: 

„Wir sehen ja, dass die schon seit langem auch vor diesem Hintergrund der lokalen Kaufkraftstärkung eingeführten Würmtalgutscheine zwar angenommen werden, aber nicht von einer breiten Masse. Weder auf Seiten der Geschäfte noch auf Seiten der Kunden.“ Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux hält ein Regionalgeld zwar derzeit für nicht erforderlich, „aber ich bin bereit, darüber nachzudenken“. 

Es sei aber zu beachten, dass immer weniger Menschen überhaupt bar bezahlen. Für Neurieds Wirtschaftsförderin Meike Petro ist eine Regionalwährung ein Instrument für noch ländlichere Gegenden. 

„Ich glaube nicht, dass das im Großraum München funktioniert.“ Mit ihren Kollegen aus den anderen Würmtalgemeinden soll die Idee aber demnächst besprochen werden. 

Neurieds Wirtschaftsförderin Meike Petro (re.)

Immerhin: Unter den Unternehmen gibt es erste Befürworter – zum Beispiel das Planegger Reformhaus Mayr. „Für die Unternehmen kann der Würmtaler zu einem wichtigen Instrument der Kundenbindung werden“, sagt Filialleiterin Alexandra Meyer. 

Das könne dazu beitragen, das Würmtal „als attraktive Einkaufsregion“ zu bewahren. Wenn es nach Jobst geht, bräuchte es mindestens 50 Unternehmen, um den „WürmTaler“ in Umlauf zu bringen. Dann könnte es aber recht schnell gehen. 

„Wir hoffen, Ende des Jahres loslegen zu können.“ Bei der Finanzaufsicht des Bundes (BaFin) muss die Währung nicht gemeldet werden. Dafür ist das Verbreitungsgebiet zu klein.

Vorreiterprojekt in Oberösterreich: So läuft es mit dem Regionalgeld

Seit Dezember 2016 kann man in sieben Gemeinden im Steirischen Ennstal mit dem „Enns­Taler“ bezahlen. „Der Grund für die Einführung war der massive Kaufkraftabfluss in unserer Umlandregion“, berichtet Bernd Fischer, Obmann des Vereins „Ennstaler Regionalgeld“. 

In sieben Abholstellen können Euro im Verhältnis von 1 zu 1 in „EnnsTaler“ eingetauscht werden. Möglich ist aber auch, monatlich automatisch eine bestimmte Summe umzutauschen. „Zur Zeit werden so monatlich 11 000 EnnsTaler in Umlauf gebracht“, so Fischer. 

Derzeit seien rund 230 000 „EnnsTaler“ im Umlauf

Die Abonnenten erhalten im Gegenzug einen Umtauschrabatt, der wiederum gespendet werden kann. Derzeit seien rund 230 000 „EnnsTaler“ im Umlauf. 

Angenommen werden sie mittlerweile in 75 Betrieben. „Zum Start 2016 waren es noch 48“, so Fischer. Das Interesse wachse stetig, Konsumenten wie die Betriebe selbst würden dadurch bewusster regional einkaufen. 

„Einige Unternehmen konnten durch das Regionalgeld neue Kunden gewinnen. Ein lokaler Limonadenhersteller wurde durch seine Beteiligung in das Sortiment eines Nahversorgers aufgenommen.“

Romy Ebert-Adeikis

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