Wie stehen die Chancen für die Bürgermeisterkandidaten in Gräfelfing, Planegg und Gauting?

Stichwahlen im Würmtal: So positionieren sich die anderen Parteien

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Auf den Wahlplakaten machen in Gräfelfing auch die Parteien, die nicht in der Stichwahl sind, auf ihren Favoriten fürs Bürgermeisteramt aufmerksam.

Drei Duelle werden am Sonntag im Würmtal an der Wahlurne entschieden. Im Vorfeld werben einige Parteien für ihre Favoriten - und greifen auch zu umstrittenen Mitteln

  • In Gräfelfing, Planegg und Gauting kommt es am Sonntag zur Stichwahl
  • Gautings Amtsinhaberin sieht sich mit Vorwürfen der "Spezlwirtschaft" konfrontiert
  • Wahl und Auszählungen stehen im Zeichen der Corona-Krise

Würmtal – Wahlkampf-Endspurt in Gräfelfing, Planegg und Gauting: Am Sonntag, 29. März, entscheiden die Bürger endgültig über ihren Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre. Wie Hallo berichtete treten in Planegg Hermann Nafziger (CSU) und Cornelia David (Freie Wähler) gegeneinander an, während in Gräfelfing und Gauting Uta Wüst (IGG) und Brigitte Kössinger (CSU) darum kämpfen, ihr Bürgermeisteramt zu verteidigen. Wenige Tage vor der Stichwahl haben sich Unterstützer für die jeweiligen Kandidaten zu Wort gemeldet - zum Teil mit durchaus umstrittenen Mitteln.

Kommunalwahl Gauting: Streit um "Spezlwirtschaft" und Wahlkampf-Stil

Hans Wilhelm Knape hofft auf die Wende für Gauting. Der Bürgermeisterkandidat der Grünen hat es mit gut 29 Prozent in die Stichwahl gegen die CSU-Amtsinhaberin Brigitte Kössinger geschafft. "Wenn sich die Opposition jetzt hinter mir versammelt, habe ich sehr gute Chancen“, verkündete der 59-Jährige in Hallo kurz nach dem ersten Wahlgang. 

Hans Wilhelm Knape (Grüne)


Brigitte Kössinger (CSU)


Tatsächlich empfiehlt inzwischen etwa die Wählerliste "Menschen für Gauting" den Grünen: "Wir stimmen in allen wesentlichen Punkten mit den Zielen von Hans Wilhelm Knape überein und halten ihn für ausgesprochen fähig, das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Gauting verantwortungsvoll auszufüllen und eine neue Ära der Gautinger Kommunalpolitik einzuleiten", so die Gruppierung. Die Liste "Miteinander Füreinander" hat ihrem Spitzenkandidaten Jürgen Sklarek zufolge hingegen beschlossen, keinerlei Empfehlung auszusprechen.

Von Anfang an erhielt Knape auch die Unterstützung der SPD, die keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellte. Für Empörung sorgte in den vergangenen Tagen ein Flugblatt, das die Sozialdemokraten an Gautinger Haushalte verteilt haben, um zur Wahl des Grünen aufzufordern. 

Darin wirft die Partei der Amtsinhaberin unter anderem vor, in den vergangenen sechs Jahren die Gemeindeverwaltung von 120 auf 158 Stellen vergrößert zu haben, was jährlich an die zwei Millionen Euro koste. Zudem habe Kössinger politische Unterstützer wie den früheren Vorsitzenden von Zukunft Gauting, Fred Rauscher, in der Rathausverwaltung untergebracht. Rauscher ist seit gut einem Jahr einer von drei Pressesprechern der Gemeinde.

"Ich halte diesen Wahlkampfstil für nicht akzeptabel", wehrt sich Kössinger gegenüber Hallo gegen die Vorwürfe. "Jede Personalentscheidung in der Verwaltung ging durch den Finanz- und Hauptausschuss und war damit transparent."

SPD-Ortsvorsitzender Eberhard Brucker kann die Aufregung nicht verstehen. "Das Flugblatt hat zur breiten Diskussion beigetragen", ist er sich sicher. Den Vorwurf der "Spezlwirtschaft" sei einem Artikel der Süddeutschen Zeitung entnommen. "Brigitte Kössinger hätte diesem ja auch widersprechen können", so Brucker. Mit dem Wahlaufruf für Knape habe die SPD vor allem darauf hinweisen wollen, dass Gauting mit der aktuellen Bürgermeisterin nicht in guten Händen sei.

Knape selbst hat sich inzwischen von dem SPD-Flugblatt distanziert. Gegenüber dem Münchner Merkur sagte er: „Ich bin mit der Verschärfung des Tons und der Darstellung, wie sie in dem kritisierten SPD-Flyer zu lesen sind, nicht einverstanden."

Einen Überblick über die Ziele der beiden Kandidaten lesen Sie im Hallo-Steckbrief hier: Brigitte Kössinger, Hans Wilhelm Knape

Kommunalwahl Gräfelfing: Stehen sich zwei Fronten gegenüber?

Enger hätte das Kopf-an-Kopf-Rennen nicht sein können, das sich nach dem ersten Wahlgang in Gräfelfing abzeichnete: Gerade einmal zwei Stimmen mehr als HerausfordererPeter Köstler (CSU) konnte sich Amtsinhaberin Uta Wüst (Interessensgemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing) am 15. März sichern - beide erhielten 36,3 Prozent. Damit treten Köstler und Wüst wie schon vor sechs Jahren nochmal in der Stichwahl gegeneinander an.

Peter Köstler (CSU)


Uta Wüst (IGG)



Schon wenige Tage nach der Wahl bekundeten die Gräfelfinger Grünen ihre Zustimmung für Wüst. Zuvor war eine Online-Umfrage bei den Parteimitgliedern durchgeführt worden. "Trotz deutlicher Differenzen mit beiden Stichwahl-Kandidierenden zur Frage, wie viel Natur man für die sogenannte Entlastungsstraße oder den Neubau der Schwimm- und Sporthalle zerstören dürfe, sprach sich eine deutliche Mehrheit für die Unterstützung von Uta Wüst aus. Ihre Amtsführung wird insgesamt positiv gesehen und bei vielen Themenfeldern bestehen große Übereinstimmungen", so die Grünen.

Anders sieht das der Ortsverband der FDP in Gräfelfing. Er unterstützt klar die Wahl von CSU-Mann Peter Köstler.

Die Bürgervereinigung Gräfelfing-Lochham und die SPD haben sich hingegen dazu entschlossen, keine Wahlempfehlung abzugeben. "Den Wahlkampf um die Wählerstimmen überlassen wir den beiden Kandidaten", soSPD-Ortsvorsitzende Anette Kitzmann-Waterloo. 

Sie begründet die Position ihrer Partei unter anderem mit inhaltlichen Differenzen zu beiden Kandidaten. So befürworte Köstler - anders als die Sozialdemokraten - eine Umfahrung für Gräfelfing. Gegen Wüst spreche ihr Verhalten hinsichtlich einiger SPD-Anträge aus den vergangenen sechs Jahren - etwa zur Verbesserung der Verkehrssituation vor dem Rathaus.

Einen Überblick über die Ziele der beiden Kandidaten lesen Sie im Hallo-Steckbrief hier: Uta Wüst, Peter Köstler

Kommunalwahl Planegg: SPD und Bündnis 90/ Die Grünen für Nafziger, FDP für David

So viel steht fest: Planegg bekommt einen neuen Bürgermeister. Am Sonntag, 29. März, kämpfen Hermann Nafziger (CSU) und Cornelia David (Freie Wähler) darum, Amtsinhaber Heinrich Hofmann (SPD) zu beerben. Hofmann durfte aus Altersgründen nicht mehr kandidieren, insgesamt acht Bürgermeisterkandidaten standen in Planegg beim ersten Wahlgang zur Auswahl.

Gegen die zahlreiche Konkurrenz haben sich Nafziger (25,9 Prozent) und Cornelia David (17,4 Prozent) durchsetzen können. Inzwischen haben beide Kandidaten einige Unterstützer für sich gewinnen können.

Hermann Nafziger (CSU)


Cornelia David (Freie Wähler)


So stellt sich die SPD - die in Planegg nicht nur das Bürgermeisteramt, sondern auch vier Gemeinderatssitze einbüßte - klar hinter CSU-Mann Nafziger. "Er hat die Erfahrung und die Persönlichkeit, um in den nächsten sechs Jahren zwischen den verschiedenen Gruppen im Gemeinderat zu vermitteln", so SPD-Fraktionssprecher Felix Kempf. Zudem habe man das gemeinsame Ziel der Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

Ebenfalls auf seiner Seite wissen kann Nafziger Bündnis 90/Die Grünen. "Wir sind überzeugt, dass wir mit Hermann Nafziger als Bürgermeister unsere grünen Ziele besser umsetzen können. Auf vielen Themenfeldern gibt es große Übereinstimmung", so der Vorstand des Ortsverbands in einer Pressemitteilung.

Eine bessere Umsetzbarkeit ökologischer Ziele durch die Wahl des CSU-Manns - diese Überlegung kann die "grüne Gruppe 21" nicht teilen. "Guten Gewissens" könnten die jetzigen Gemeinderäte der Gruppierung keinen der beiden Kandidaten empfehlen. "Beide standen und stehen für weiteres Wachstum, für mehr Gewerbe", teilt Anneliese Bradel auf Anfrage von Hallo mit. Warum die künftigen Gemeinderäte von Bündnis 90/Die Grünen dennoch Nafziger unterstützen - "trotz der offensichtlichen Widersprüche in der politischen Ausrichtung und welche Vorteile sie sich davon versprechen" -  darüber könne man nur spekulieren, meint Bradel.

Nach Informationen von Hallo unterstützt der Ortsverband der FDP Planegg hingegen mehrheitlich Cornelia David, die für die Freien Wähler angetreten war. FDP-Bürgermeisterkandidat Philipp Pollems sowie der ebenfalls parteifreie langjährige Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour wollen sich hingegen auf keine der beiden Seiten stellen. Direkt nach dem ersten Wahlgang hatte sich von Schall-Riaucour noch vehement gegen David ausgesprochen.

Einen Überblick über die Ziele der beiden Kandidaten lesen Sie im Hallo-Steckbrief hier: Hermann Nafziger, Cornelia David

Wegen Coronavirus: Briefwahl und weitere Infektionsschutz-Maßnahmen in den Gemeinden

Ein besonderer Wahltag wird der 29. März ohnehin - wegen der Coronavirus-Krise, die auch auf das Würmtal deutliche Auswirkungen hat. Grundsätzlich werden alle Stichwahlen in Bayern als Briefwahl durchgeführt. Um Ansteckungen bei der Auszählung der Ergebnisse zu vermeiden, haben die Gemeinden zudem weitere Vorbereitungen getroffen. 

"Wir können bei der Stichwahl den Abstand zwischen den Wahlhelfern besser gewährleisten, als bei der ersten Wahl", erklärt Gautings amtierende Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU). Während für die Gemeinderatslisten noch Barcode-Leser eingesetzt werden mussten, werde bei der Stichwahl rein analog gezählt - so dass kein Wahlhelfer dem anderen direkt über die Schulter schauen muss.

Das ermöglicht den Wahlhelfern zudem, in einzelnen Klassenräumen im Otto-von-Taube-Gymnasium zu arbeiten. "Daher sind maximal acht Personen in einem Zimmer", so Kössinger. Bei der Wahl am 15. März war noch im Gautinger Rathaus ausgezählt worden.

Auch in Planegg wird die Auszählung ausschließlich am örtlichen Feodor-Lynen-Gymnasium durchgeführt. Zudem wurden die Wahlhelfer-Teams von acht auf vier Personen verkleinert.

"Die vier Personen werden in den Zimmern, in denen ausgezählt wird, weit auseinander gesetzt, so dass der Mindestabstand von 1,5 Metern durchgehend in jedem Fall gewährleistet ist", so Gemeinde-Sprecherin Martina Sohn. "Alle unsere Wahlhelfer werden zudem mit Schutzmasken und Handschuhen ausgerüstet."

In Gräfelfing sind nach Auskunft von Wahlleiterin Petra Hierl-Schmitz ohnehin vorwiegend Gemeindemitarbeiter - und damit Unter-65-Jährige - als Wahlhelfer aktiv. Die Zahl der Briefwahllokale wurde aufgestockt. "Dadurch, dass jedes Briefwahllokal nur mit fünf Helfern besetzt wird, können sich die Wahlhelfer großzügig im Raum verteilen und den Mindestabstand wahren."

 

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