Interkommunales Pilotprojekt im Landkreis München geplant

Wärme aus der Kiesgrube: Entsteht vor Münchens Toren der weltweit größte Solarthermiespeicher?

Seit 2018 wird in der Klostermeiergrube Kies abgebaut. Jetzt soll geprüft werden, ob dort  ein Erdbecken-Wärmespeicher entstehen könnte.
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Seit 2018 wird in der Klostermeiergrube Kies abgebaut. Jetzt soll geprüft werden, ob dort  ein Erdbecken-Wärmespeicher entstehen könnte.

Noch wird in Martinsried Kies abgebaut. In Zukunft könnte dort der größte Wärmespeicher der Welt stehen. Die Machbarkeit soll jetzt eine Studie prüfen.

  • Kiesgrube zwischen Planegg und Gräfelfing könnte sich als Erdbecken-Wärmespeicher eignen
  • Grüne Gruppierungen haben Machbarkeitsstudie beantragt
  • Dafür müsste Wiederverfüllung aber ausgesetzt werden

Landkreis - Es wäre ein großer Schritt hin zu Klimaneutralität: Vor den Toren von München könnte der größte Erdbecken- Wärmespeicher der Welt entstehen.

Grüne Gruppierungen aus den angrenzenden Gemeinden Planegg und Gräfelfing haben beantragt, das Vorhaben in der derzeit als Kiesabbaufläche genutzten Klostermeiergrube Martinsried zu prüfen. Im Idealfall soll auf dem Gelände Wärme für mehrere Tausend Haushalte gespeichert werden. 

„Hier ist der beste Ort. Wir haben den nötigen Platz und die Wirtschaftskraft, um ein solches Projekt umzusetzen“, sagt Martin Feldner von den Grünen Gräfelfing, die gemeinsam mit der GrünenGruppe 21 aus Planegg bereits eine Informationsveranstaltung zu dem Thema organisiert hatten.

Dass vier Gewerbegebiete in der Nähe liegen und in Martinsried bereits die Infrastruktur für ein Fernwärmenetz besteht, seien weitere Vorteile.

Landrat Göbel: "Wärmespeicher-Projekt ist eine interessante Idee"

Ebenso, dass sich die Lokalpolitiker für den Speicher offen zeigen „Die Überlegungen, einen solchen Solarwärmespeicher in Form eines interkommunalen Pilotprojekts im Landkreis München zu realisieren, halte ich für eine ausgesprochen interessante Idee“, sagt etwa Landrat Christoph Göbel (CSU). 

Zuerst müsste aber eine Machbarkeitsstudie eruieren, ob das fünf Hektar große Areal tatsächlich geeignet ist und wie die Wärme am besten eingespeist werden könnte. Auch Finanzierungsoptionen sollen von einem Fachbüro überprüft werden. „Klar ist, wenn wir einen echten Großspeicher anstreben, können die Gemeinden das nur mit Fördermitteln schultern“, so Feldner.

Verfüllung der Kiesgrube müsste für Speicher-Prüfung ausgesetzt werden

Zu dem Projekt  stehen die Bürgermeister von Gräfelfing und Planegg, Peter Köstler und Hermann Nafziger (beide CSU), bereits mit dem Landratsamt und dem Grundstückseigentümer im Gespräch. In den nächsten Wochen sollen dann die Gemeindegremien beraten, ob sie eine Machbarkeitsstudie anstoßen wollen

Falls ja, darf die Klostermeiergrube nicht wieder befüllt werden, wozu das Kieswerk Glück bis 2023 verpflichtet wäre.

Markus Wahl - Geschäftsleiter der Firma Glück, die in Martinsried Kies abbaut - steht einem Wärmespeicher in der Grube offen gegenüber.

„Wir sind aufgeschlossen gegenüber einer Studie, aber dann muss klar sein, dass wir unseren Zeitplan nicht einhalten können“, so Geschäftsführer Markus Wahl. Andernfalls würde Ende 2020 mit der Verfüllung begonnen.

Die Antragssteller hoffen hingegen, dass der Wärmespeicher realisiert wird. Bestenfalls könnte dann schon in zwei Jahren die Grube passé sein.

Solarkollektoren und Geothermie: So könnte der Wärmespeicher funktionieren

Gut erforscht sind bisher Wasserspeicher: In dem Fall würde die Klostermeiergrube mit Wasser gefüllt, das mit einer Isolation und einem Blechdach abgedeckt ist. 

Erwärmt werden kann dieses durch Solarthermiekollektoren oder Photovoltaikanlagen, die Wärmepumpen betreiben. Ein solches Solarfeld ist 1,4 Kilometer südlich des Areals ohnehin geplant. 

Auch Abwärme von Gebäuden und Geothermie könnten für Wärme sorgen. Diese würde bei Bedarf dann in ein Fernwärmenetz eingespeist, etwa im Winter.

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