Amtierende Bürgermeisterin verliert Stichwahl: Gräfelfing künftig in CSU-Hand

Nach verlorener Stichwahl: Wüst fliegt auch aus Gemeinderat

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Nicht mehr Bürgermeisterin und nicht mehr Gemeinderatsmitglied: Uta Wüst (IGG) muss gleich zwei Niederlagen einstecken.

Uta Wüst (IGG) muss Bürgermeisteramt an Peter Köstler (CSU) abgeben. Doch wegen eines Bürokratie-Fauxpas verliert sie auch Mandat im Gräfelfinger Gemeinderat.

Gräfelfing - Wenn am 5. Mai der neue Gräfelfinger Gemeinderat zusammenkommt, wird das Gremium deutlich anders aussehen, als in den vergangenen sechs Jahren. Nicht nur, dass mit Peter Köstler anstelle von Uta Wüst wieder die CSU das Zepter in der Hand hält. Die noch amtierende Bürgermeisterin wird dann nicht mal mehr im Gemeinderat sitzen.

Die Schuld dafür tragen aber nicht Gräfelfings Wähler, die Wüst mit über 3900 Stimmen in den Gemeinderat gewählt hätten - mit Abstand das beste Einzelergebnis ihrer Interessensgemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing. Stattdessen hindern rechtliche Gründe die 52-Jährige daran, im Gräfelfinger Gremium weiter mitreden zu können.

Nach dem ersten Wahlgang Mitte März - in dem sowohl die Amtsinhaberin als auch ihr CSU-Herausforderer Köstler exakt 36,3 Prozent der Stimmen erhielten - hatte Wüst schriftlich erklärt, im Falle einer Niederlage in der Stichwahl auf ihr Gemeinderatsmandat zu verzichten.

Hat mit 51 Prozent die Stichwahl um das Gräfelfinger Bürgermeisteramt gewonnen: Peter Köstler (CSU).

Am 29. März kam dann die Überraschung: Mit 51 Prozent der Stimmen wurde Köstler zum neuen Bürgermeister gewählt. Kurz nach der Niederlage erklärte Wüst dann auch gegenüber Hallo, sich nicht ganz aus der Kommunalpolitik zurückziehen zu wollen. "Ich mache im Gemeinderat weiter."

Einen damit verbundenen Widerruf ihrer ursprünglichen Verzichtserklärung, verhagelte ihr aber dasGemeinde- und Landkreiswahlgesetz: "Nach Ablauf einer Frist aus dem Wahlrecht war diese Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen, so dass sie aus rechtlichen Gründen nicht mehr in den neuen Gemeinderat einziehen kann", teilt der Gräfelfinger Wahlausschuss mit. 

Wüst hätte ihren Verzicht maximal eine Woche nach dem ersten Wahlgang widerrufen müssen. Der Bürokratie-Fauxpas ist der zweite herbe Rückschlag für die Lochhamerin und ihre Interessensgemeinschaft. Für diese ziehen nun Mathias Pollok, Wolfgang Balk, Ute Sturm,  Annette Rosellen und Lion Buro in den Gräfelfinger Gemeinderat ein.

Wüst zur Wahlniederlage: "Corona hat Arbeit von sechs Jahren überdeckt

Zu ihrer Wahlniederlage selbst hat Wüst auf Hallo-Anfrage erklärt: "Natürlich bin ich sehr enttäuscht." Anders als sonst üblich sei die Bürgermeisterwahl durch die aktuellen Umstände weniger eine Persönlichkeitswahl, sondern von Bundes- und Landespolitik mitbestimmt gewesen. "Es fühlt sich so an, als sei durch die Corona-Thematik meine Arbeit von sechs Jahren überdeckt worden."

Wüst glaubt, dass in dieser Ausnahmesituation eine Verschiebung der Stichwahl - etwa um zwei Monate - vertretbar gewesen wäre.

Dass Köstler vor allem die hohe Wahlbeteiligung von über 70 Prozent geholfen habe, glaubt dieser nicht. "Das war der allgemeinen Briefwahl geschuldet und hat sicher beiden Seiten genützt."

Köstler: "Zu wenig Impulse von Amtsführung"

Der CSU-Politiker erklärt sich seinen Erfolg anders: "Ich habe im Wahlkampf zwar keine Wechselstimmung erlebt, aber einige haben mir gegenüber schon gesagt, dass sie sich von der Amtsführung mehr Impulse gewünscht hätten."

Im Rathaus Gräfelfing regiert ab Mai die CSU.

Dagegen verwehrt sich Wüst im Gespräch mit Hallo vehement. "Man braucht sich nur in Gräfelfing umschauen, und dann sieht man, dass es anders ist", so die Noch-Bürgermeisterin mit Verweis auf den Schulneubau der Volksschule Lochham oder die Übernahme des Rudolf-und-Maria-Gunst-Hauses durch die Gemeinde.

Sein Amt übernehmen wird Köstler - Stand jetzt - in der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 5. Mai. "Daran halten wir im Moment fest, aber es kann sich in dieser turbulenten Zeit natürlich auch noch ändern", so der CSUler.

Auch in Gauting und Planegg ist ein CSU-Politiker in der Stichwahl zum Bürgermeister gewählt worden. In Neuried wurde SPD-Bürgermeister Harald Zipfel wiedergewählt.

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