Spenden für Stadträte?

Geld gegen Kiesabbau im Forst Kasten? Naturschützer wollen dem Münchner Stadtrat spenden

Über die Erweiterung des Kiesabbaus im Forst Kasten wird seit Jahren gestritten.
+
Über die Erweiterung des Kiesabbaus im Forst Kasten wird seit Jahren gestritten.
  • Romy Ebert-Adeikis
    vonRomy Ebert-Adeikis
    schließen

Eine Entscheidung zum Kiesabbau im Forst Kasten hat die Stadt erneut vertagt, weil ein Erhalt des Waldes zu Schadensersatzforderungen führen könnte. Naturschützer wollen finanziell helfen.

Würmtal/München - Das Schicksal von 9,5 Hektar Wald im Forst Kasten ist erneut vertagt worden.

Auf Antrag der Fraktion der Grün-Rosa-Liste im Münchner Stadtrat ist eine mögliche Freigabe der Fläche zum Kiesabbau verschoben worden, „um noch einige schwierige juristische Fragen zu klären“, so Fraktionssprecherin Anna Hanusch (Grüne).

Nach Informationen der AZ geht es dabei um die persönliche Haftung der Münchner Stadträte, sollte ein Kiesabbau auf der Waldfläche der städtischen Heiliggeistspital-Stiftung nicht zustande kommen.

Diese war bereits 2017 dafür ausgeschrieben worden. Der Bieter mit dem besten Angebot könnte auf Schadensersatz klagen, sollte die Stadt den Abbau doch stoppen. Insgesamt soll es um bis zu drei Millionen Euro gehen.

Vertagung der Entscheidung: „gutes Zeichen“ für Naturschützer

Weil die Sitzung des zuständigen Sozialausschusses nicht öffentlich stattfand, bestätigen das weder Stadt noch Lokalpolitiker.

Nur so viel: „Tatsächlich ist es so, dass wir in diesem Fall nicht klassisch als Stadträte, sondern auch im Sinne der städtischen Stiftung handeln müssen. Das setzt rechtlich andere Parameter“, so Fraktionssprecherin Hanusch. Diese Rechtsfragen sollen nun bis zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses am Donnerstag, 22. April, geklärt werden.

Auch für die Umweltschützer aus München und dem Würmtal, die sich vehement gegen die neue Auskiesung im Forst Kasten gewehrt hatten, ist das eine knifflige Situation: „Erstmal ist die Vertagung der Entscheidung ein gutes Zeichen. Es scheint, dass der Wille da ist, den Wald nicht unbedingt abzuholen“, sagt Katrin Koller von der Gruppe „Wald Neuried erhalten“.

Gleichzeitig fürchte man, dass die Stadträte wegen der drohenden finanziellen Konsequenzen nicht mehr frei in ihrer Entscheidung sind. „Wir wollen ja eigentlich nur, dass eine sachgerechte Entscheidung getroffen wird und keine angstgetriebene“, sagt auch Herbert Stepp vom Grünzug-Netzwerk Würmtal.

Naturschützer wollen Geld spenden

Die Idee: Um den Entscheidern die Angst zu nehmen, könnten sich die Naturfreunde sogar vorstellen, Geld für die Stiftung oder die Stadträte zu sammeln. Auch dafür müssen aber noch rechtliche Fragen geklärt werden. Den Stadträten die „Sorge vor Haftung zu nehmen“, könne bereits „eine Bestechungsanzeige nach sich ziehen“, so Stepp.

Unterdessen mehren sich Hinweise auf eine neue Kiesabbaufläche im Würmtal. Nach Informationen von Hallo könnte die regionale Firma „Glück“ ein Grundstück im Lochhamer Schlag – zwischen Würmtalstraße und Gräfelfinger Gewerbegebiet – ins Auge gefasst haben.

Geschäftsführer Markus Wahl wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Es gebe „verschiedene Überlegungen“. Wie Hallo aus gut unterrichteten Kreise erfahren hat, gab es aber erst kürzlich eine Präsentation des Unternehmens im örtlichen Gemeinderat.

Kiesabbau im Forst Kasten: Klage von Firma Glück abgelehnt

rea

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kampf um Kita-Plätze in Krailling: Schusteralm auf Sanatoriumswiese sei idealer Standort für Waldkindergarten
Kampf um Kita-Plätze in Krailling: Schusteralm auf Sanatoriumswiese sei idealer Standort für Waldkindergarten
Aus für Traditions-Lokal? Neue Wohnungen statt teurer Sanierung
Aus für Traditions-Lokal? Neue Wohnungen statt teurer Sanierung
Tickende Zeitbomben im Westen Münchens
Tickende Zeitbomben im Westen Münchens

Kommentare