Zimmer im Tausch für Unterstützung

Mit Vertrauen durch die Krise – „Wohnen für Hilfe“ auch zur Corona-Zeit

Sitzen gern gemeinsam auf ihrer Terrasse: Andy Vogel (re.) und Klaus Serbin leben seit Mai 2019 in Planegg zusammen.
+
Sitzen gern gemeinsam auf ihrer Terrasse: Andy Vogel (re.) und Klaus Serbin leben seit Mai 2019 in Planegg zusammen.

In Planegg funktioniert „Wohnen für Hilfe“ auch zur Corona-Zeit.  So wohnen Rentner und Student zusammen und unterstützen sich gegenseitig. In Hallo berichten sie, wie ihr Zusammenleben auch in Krisenzeiten klappt...

  • Im Rahmen des Projekts „Wohnen für Hilfe“ wohnen Student und Rentner zusammen.
  • Zimmer im Tausch für Unterstützung klappt auch inCorona-Zeiten.
  • InHallo erzählt ein Bewohner-Pärchen über ihr gemeinsames Zusammenleben...

Planegg – Heiß ist es auf Klaus Serbins Terrasse in derPlanegger Mathildenstraße. Der 80-Jährige rückt einen großen, gelben Sonnenschirm an den Tisch, jetzt soll noch ein Glas Wasser für Abkühlung sorgen. 

„Lass mal, ich mach schon“, sagt Andy Vogel und klopft dem ­Senior kumpelhaft auf die Schulter. Wer die beiden nicht kennt, würde sie für Großvater und Enkel halten. Aber Vogel ist Serbins Mitbewohner. 

Der 36-Jährige lebt seit Mai 2019 im Rahmen des Projekts „Wohnen für Hilfe“ des Seniorentreffs Neuhausen in zwei Zimmern in Serbins Haus. Dafür bezahlt der ­Student der Sozialen Arbeit nur 100 Euro Nebenkosten. 

Anstelle der Miete hilft er Serbin vor allem im Garten: Pro Quadratmeter soll er eine Stunde im Monat anpacken. 

Ihr Rat fürs Zusammenleben: „Immer offen und ehrlich sein“

„Aber wir verstehen uns so gut, da braucht es dafür keinen festen Plan“, sagt Vogel. Das Geheimnis ihres Zusammenlebens: Routinen, wie der sonntägliche Waldspaziergang mit anschließendem Kochen, gemeinsame Interessen wie Politik, Musik oder Technik. 

„Und wir haben von Anfang an gesagt, dass wir immer offen und ehrlich miteinander umgehen“, betont Serbin. Das hilft auch in der Corona-­Krise. Dass der 80-Jährige sich bei seinem jungen Mitbewohner mit dem Virus anstecken könnte, war jedenfalls nie ein Thema. 

„Er vertraut mir, dass ich aufpasse und nicht auf Partys gehe oder so etwas“, so Vogel. „Mein größtes Problem ist die Einsamkeit. Und da ist Andys Anwesenheit einfach nur positiv“, findet Serbin. 

Drei Jahre ist es her, dass seine Frau den Kampf gegen den Krebs verloren hat. „Anfangs gab es noch viel zu erledigen, Freunde und Verwandte haben sich gekümmert. 

Maskenpflicht für Schulen in Bayern: Wann auch Grundschüler eine Maske im Unterricht tragen müssen

Aktuell 80 Wohnpaare in Stadt und Kreis München

Aber irgendwann wird das immer weniger und dann ist man allein“, erinnert sich der Planegger, dem Bekannte von dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ erzählt hatten. Aktuell gibt es 80 Wohnpaare wie Serbin und Vogel im Raum München. 

„Vor allem im Landkreis ist die Tendenz steigend“, sagt Ursula Schneider-­Savage vom Seniorentreff Neuhausen. Vogel kann sich das gut vorstellen: „Es gibt so viel ungenutzten Wohnraum und gerade in München reicht das Geld von Studenten kaum für die Miete.“ 

Zu Semesterbeginn gibt es dem Seniorentreff Neuhausen zufolge bis zu zehn Mal so viele Suchende wie freie Zimmer. „Viele Ältere haben Angst, dass man sich zu sehr einschränken muss oder sich nicht versteht. Das ist einfach schade“, so Serbin. Er hat das Experiment gewagt – und bereut es nicht. 

Mehr Infos zu „Wohnen für Hilfe“ gibt es telefonisch unter 13 92 84 19-20 oder www.seniorentreff-neuhausen.de.

rea

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Corona im Landkreis München: Zahlreiche Einrichtungen wieder offen - Weniger als zehn aktuell Infizierte
Corona im Landkreis München: Zahlreiche Einrichtungen wieder offen - Weniger als zehn aktuell Infizierte
Das passiert 2020 in Neuried – Die große Jahresvorschau
Das passiert 2020 in Neuried – Die große Jahresvorschau
Margot Hielscher: Preis zu Ehren eines Multitalents
Margot Hielscher: Preis zu Ehren eines Multitalents
Tickende Zeitbomben im Westen Münchens
Tickende Zeitbomben im Westen Münchens

Kommentare