Corona lässt Vereine ächzen

Sportvereine drängen auf Plan zur Wiedereröffnung – wie arg die Lage im Würmtal ist

Leere Sportplätze, leere Kassen: Der TSV Neuried hat durch die Corona-bedingte Schließung des Sportparks zehn Prozent seiner Mitglieder und damit viele Einnahmen verloren, so Geschäftsleiterin Michaela Schotte.
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Leere Sportplätze, leere Kassen: Der TSV Neuried hat durch die Corona-bedingte Schließung des Sportparks zehn Prozent seiner Mitglieder und damit viele Einnahmen verloren, so Geschäftsleiterin Michaela Schotte.
  • Romy Ebert-Adeikis
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Sportvereine wie der TSV Neuried fordern nun konkrete Pläne zu Wiederöffnungen und wollen sich Gehör verschaffen. Wie schlimm die Lage im Würmtal ist.

Neuried - Sieben Seiten lang ist der neueste Beschluss von Bund und Ländern zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Zum Sport heißt es darin nur: Man arbeite weiter „an der Entwicklung nächster Schritte der sicheren und gerechten Öffnungsstrategie“.

Vielen Sportvereinen ist das zu wenig. Auch dem TSV Neuried: „Breitensport wird nie richtig thematisiert, wir fühlen uns an den Rand gedrängt“, sagt Geschäftsleiterin Michaela Schotte. „Deswegen wollten wir uns Gehör verschaffen.“

Zusammen mit 13 anderen Großsportvereinen aus Bayern hat der TSV ein Positionspapier zur stufenweisen Öffnung der Sportstätten (siehe unten) entwickelt. „Es muss unbedingt etwas vorangehen“, so Schotte. Denn finanziell geht der Lockdown den Vereinen an die Substanz, trotz Schließung haben sie viele Fixkosten zu tragen.

„Für die November- und Dezemberhilfen fallen wir durchs Raster“, erklärt Schotte. „Zwar haben wir 2020 vom Landkreis die doppelte Vereins­pauschale erhalten, aber das Geld ist nur ein Bruchteil dessen, was wir an fehlenden Mitgliedereinnahmen haben.“

Weitere Forderungen neben Öffnungs-Plan

Zehn Prozent seiner Mitglieder hat der TSV Neuried zum 1. Januar verloren. „Härter als die Vereins­austritte trifft uns aber, dass wir wegen des Lockdowns keine Neueintritte haben“, so die Geschäftsleiterin. Aktuell hat der Neurieder Verein noch circa 2500 Mitglieder.

Deswegen fordern die Großsportvereine neben einem Öffnungs-Plan auch eine Kopfpauschale für jedes verlorene und jedes nicht neu gewonnene Vereinsmitglied. Letztere würden über den durchschnittlichen Mitgliederzuwachs der vergangenen fünf Jahre berechnet.

Im Würmtal ist der TSV der einzige Verein, der an dem Positionspapier beteiligt war. Doch viele andere begrüßen dessen Vorschläge. „Zermürbend“ beschreibt der Präsident der DJK Würmtal, Martin Götz, die aktuelle Situation ohne Öffnungsperspektive.

2020 habe der Verein durch den Zulauf zu Outdoorsportarten wie Cricket und Tennis einen Mitgliederverlust zwar noch wettmachen können.

Aber: „In diesem Jahr werden wir, je länger der Lockdown dauert, die Austritte nicht durch Neueintritte ausgleichen können.“

Wie schlimm die Lage bei anderen Sportvereinen im Würmtal ist

„Ein Neustart des Vereinssportbetriebes unter Auflagen würde den Menschen gut tun“, sagt auch Florian Häringer, Vizepräsident des SV Planegg-Krailling. „Wir sind bereit.“

Durch fehlende Kursgebühren, Spendengelder und Einnahmen der Tennishalle sowie dem Verlust von Sponsoren habe der Planegger Verein ein Minus im mittleren fünfstelligen Bereich eingefahren. Hilfsgelder vom Staat konnte er bisher nicht in Anspruch nehmen.

Auch der Gautinger Sportclub wird deutliche Verluste schreiben. Bei einem Komplettausfall der Tennishallensaison rechnet der Verein mit fehlenden 80 000 Euro, dazu kommen circa 9000 Euro Minus wegen ausgefallener Turniere.

„Sicherheitshalber haben wir alle Investitions-Projekte für 2021 gestoppt“, sagt die GSC-Vorsitzende Elisabeth Wetlitzky. Geplant war etwa, die Beleuchtung in allen Sporthallen auf LED umzustellen. Dazu kommt auch in Gauting ein Mitgliederschwund, „vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendlichen“, so Wetlitzky.

Das ist der Plan der Sportvereine

Eine „Sportampel“ soll die Sportstätten-Öffnung regeln. Ab 1. März und einem Inzidenzwert von unter 150 soll Freiluftsport für Kinder- und Jugendliche möglich sein. Spätestens ab 12. April soll es Erleichterungen auch für Erwachsene geben: bei einem Wert zwischen 50 und 100 kontaktloses Training in festen Gruppen, unter 35 auch Kontakttraining mit bis zu 20 Personen.

Sportbetrieb mit Maskenschutz?

Eine andere Option, um den Sportbetrieb wieder zeitnah zu ermöglichen, bringt Henning Wackerhage, Professor für Sportbiologie an der TU München, ins Spiel: „Ich schlage vor, dass man für eine Übergangszeit – also nicht permanent – Sport mit Maske diskutieren sollte, um wieder früher damit beginnen zu können.“

Zwar seien dafür nicht alle Sportarten geeignet. „Aber zum Beispiel könnte ich mir beim Fußball oder anderen Mannschaftssportarten Sport mit Maske vorstellen“, sagt Wackerhage. In Spanien wurde bereits teilweise mit Mund-Nasen-Schutz Handball gespielt.

Natürlich sei dafür auch nicht jede Person geeignet. Wackerhage kenne aber keine Studie, bei der das Tragen einer Maske bei körperlicher Betätigung grundsätzlich zu größeren gesundheitlichen Problemen geführt hat. „Generell zeigen diese Studien, dass Sport mit Maske möglich ist, auch wenn die Leistung bei maximalen Belastungen etwas runtergeht.“

Sobald an seiner Fakultät Experimente wieder erlaubt sind, möchte der TU-­Professor untersuchen, welche Auswirkungen eine Maske bei Maximalbelastung hat. „Wir werden eine Klebemaske testen, die auf das Gesicht getaped wird.“

Im Gegensatz zum gewöhnlichen Schutz bläst sich diese beim starken Ausatmen nicht wie ein Segel vom Gesicht weg. Wackerhage hat diese schon selbst ausgetestet - bei einer 35 Kilometer langen Radtour. „Für mich persönlich war es überhaupt kein Problem.“

Andere sparen, TSV Gräfelfing baut

Gräfelfing - Der TSV Gräfelfing lässt sich von Corona nicht ausbremsen: Pünktlich zum 95. Geburtstag hat dieser mit der Sanierung seines Vereinsheims begonnen. Circa sieben Millionen Euro werden investiert, um das Gebäude an der Hubert-Reissner-Straße mit neuen Sanitäranlagen, Umkleiden sowie Lagern auszustatten und in Sachen Brandschutz und Barrierefreiheit auf den neuesten Stand zu bringen.

„Begonnen wurde jetzt mit den Arbeiten im Keller“, so Vizepräsident Florian Brenner gegenüber Hallo. Dort muss unter anderem eine Kegelbahn neuen Räumen weichen. Im Anschluss soll das Erdgeschoss des Vereinsheims komplett neu gebaut werden. Der Umbau soll insgesamt etwa zwei Jahre dauern.

Bürgermeister, Vereinsführung, Sportverband und die Architektinnen setzten gemeinsam den Spatenstich für den Umbau beim TSV Gräfelfing.

Das Vorhaben sei durch die Corona-bedingte Schließung der Sportstätte nicht gefährdet – zumal unter anderem die Gemeinde den Teil-Neubau großzügig unterstützt „Die finanzielle Situation ist nicht beunruhigend“, sagt Brenner.

Auch Mitgliederaustritte habe der Verein bisher kaum zu beklagen, so der TSV-Vize. Aktuell gibt es circa 3400 Vereinsangehörige. Eine größere Herausforderung durch die Pandemie sei hingegen, Abteilungsstrukturen um zum Teil jahrzehntelang gewachsene Trainerteams aufrechtzuerhalten.

„Ganz zu schweigen von der Akquise neuer Trainer, die wir in manchen Abteilungen dringend bräuchten.“

rea

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