Raven für die Subkultur

Neurieder Wald: Illegale Technoparty aufgelöst – Veranstalter sehen sich als Opfer

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Die Raver feierten mit Lasershow und mehreren DJs bis die Polizei die Party gegen 4 Uhr auflöste.

Über 400 Technofans, sieben Musiker und eine professionelle Lasershow: In der Nacht auf Karfreitag hat die Polizei in einer Kiesgrube ein illegales Raver-Treffen aufgelöst. Alle Hintergründe...

Neuried – „Über Nacht verwandelte sich eine Kiesgrube in einen ekstatischen Ort mit hunderten Ravern, einem massiven Soundsystem sowie einer legendären Lichtshow“: Mit diesen Worten blickt das Kollektiv Ravescape im Internet auf seine jüngste Technoparty in der Nacht auf Karfreitag zurück. „Leider nahm der Abend ein jähes Ende“, schreiben die Organisatoren weiter. Der Grund: Das Event im Wald bei Neuried mit rund 400 Teilnehmern wurde gegen vier Uhr von der Polizei aufgelöst.

Party mit sieben Musikern und Laser-Spektakel

Mehrere DJs waren mit von der Partie.

Eigentlich hätten die Veranstalter an alles gedacht, berichtet Planeggs Polizeichef Thomas Sorgalla: Sie hatten in der Kiesgrube beim Forsthaus Kasten eine Bar, Musikanlage und Stromversorgung mit Notstromaggregaten aufgebaut, sieben Musiker sowie einen Lichtshow-Experten engagiert und über die sozialen Medien Werbung für ihre Party gemacht. Einzig: eine Genehmigung für das alles hatten sie nicht. „Wir gehen davon aus, dass dies aus Unkenntnis der Fall war“, so Sorgalla weiter. Die Organisatoren erwarte jetzt eine Anzeige wegen unerlaubten Alkoholausschanks, fehlender Genehmigungen und der Missachtung des „Stiller Feiertag“-Gebots.

Auf die Party aufmerksam geworden seien die Beamten nicht wegen Anwohnerberschwerden oder Ähnlichem – dafür liegt die Kiesgrube zu weit abseits von Wohnbebauung. Sondern weil Teilnehmer der Polizei Drogenvorfälle gemeldet hatten. In dem Zuge fiel auch die Illegalität der Veranstaltung an sich auf.

In der Kiesgrube beim Forsthaus Kasten fand die illegale Party statt.

Doch die Nichtanmeldung sei nicht aus Unwissen geschehen, beteuert das Ravescape Kollektiv auf Hallo-Anfrage. Stattdessen wolle man „den Menschen die Möglichkeit geben, abseits vom zum großen Teil kommerzialisierten Clubbetrieb zu feiern“, teilt ein Organisator, der namentlich nicht genannt werden will, mit. „Die großen Hallen der Stadt, wo solch eine Lautstärke geduldet werden könnte, sind meistens überteuert. Man bräuchte mehr Örtlichkeiten, um solch eine Kultur aufrechtzuerhalten.“

Dem Organisator zufolge gibt es das Kollektiv seit sechs Monaten. Ziel sei es, Rave in der Landeshauptstadt zu fördern. „In München merkt man immer mehr, wie diese wichtige Subkultur ausstirbt. Würde die Stadt diese Tanzkultur beispielsweise mit dafür geeigneten Orten zu bezahlbaren Preisen unterstützen, könnten solche friedliche Anliegen auch im Interesse der Stadt fungieren.“ Stattdessen würden Veranstaltern Steine in den Weg gelegt, etwa mit lang im Voraus zu beantragenden Genehmigungen, so das Kollektiv. Man wisse, dass andere Events „nie vollständig genehmigt wurden.“

Kulturreferat: „Fördern auch Subkultur“

Am Tag danach räumten die Partymacher nach eigener Aussage im Wald wieder auf.

Die Stadt München will das so nicht stehen lassen. „Wir haben einen bunten Strauß an Fördermöglichkeiten, auch für Subkultur“, sagt der ständige Vertreter des Kulturreferenten, Anton Biebl. So gebe es etwa für Streetart eigene Fördertöpfe. Da die finanziellen Mittel aber nicht unbegrenzt seien, achte man darauf, dass die geförderten Veranstaltungen nicht kommerziell, künstlerisch qualitativ und nachhaltig, etwa für die Kulturvernetzung vor Ort, seien. „Deswegen fördern wir grundsätzlich eher keine Partys“, erklärt Biebl.

Mit dem „Gesamtkonzept Popularmusik“ sorge man zudem für Verbesserungen für Musiker und Konzertveranstalter, etwa durch die Vermittelung von Proberäumen. Dieses Instrumentarium greife für Technopartys aber nur bedingt. „Außerdem können wir nichts fördern, bei dem wir Angst haben müssen, dass Genehmigungen fehlen“, so Biebl. „Keine Förderung zu bekommen rechtfertigt aber natürlich nicht die Illegalität.“

Romy Ebert-Adeikis und Sophia Oberhuber

So wird genehmigt

Spätestens eine Woche vorab müssen öffentliche Vergnügungsveranstaltungen inklusive erwarteter Teilnehmerzahl schriftlich angezeigt werden. Auf öffentlichen Straßen oder in städtischen Grünanlagen beträgt die Frist sogar zwei Monate. Grundsätzlich müssen Flucht- und Rettungswege sowie bei entsprechender Größe Toiletten vorhanden sein. Je nach Uhrzeit und Lautstärke sind auch immissionschutzrechtliche Belange zu klären. Gibt es Alkohol, ist eine gesonderte Gestattung erforderlich.

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