Neurieder hoffen auf Musterklage

Nach Ärger mit Vonovia: Münchner Mieterverein will aktiv werden

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Seit 2014 gehört die Wohnanlage am Haderner Winkel, in der Sibylle Elsner lebt, zu Vonovia.

Neuried – Gegen dubiose Rechnungen und hohe Nebenkosten kämpfen Neurieder Vonovia­-Mieter schon seit Jahren. Wie jetzt ein Durchbruch erreicht werden könnte, lesen Sie hier

Berlin, München, Köln, Neuried: Vonovia, das größte private Immobilienunternehmen Deutschlands, ist überall vertreten. Fast überall steht der Wohnungsriese derzeit auch in der Kritik. Der Grund: dubiose Abrechnungen, die die Nebenkosten der in die Höhe treiben.

In Neuried gingen Mieter schon vor einem Jahr gegen Vonovia auf die Barrikaden (Hallo berichtete). Bei einer Veranstaltung mit dem Münchner Mieterverein warb eine Mietervereinigung dafür, gegen Vonovia zu klagen. Passiert ist seitdem wenig: „Es gibt keine Mietervereinigung mehr“, sagt Anwohnerin Sibylle Elsner (71). Diese habe sich zerschlagen, weil sich nur wenige Kläger fanden. „Und der Mieterverein ist bisher nur ein zahnloser Tiger.“

Seit Jahren versuchen zahlreiche Mieter sich gegen Vonovia zu wehren. „Aber als Einzelperson hat man keine Chance gegen so einen Riesenkonzern“, ärgert sich Sibylle Elsner (71).

Dabei ist der Ärger groß. „Seit Vonovia 2014 unsere Wohnanlage übernommen hat, war jede Abrechung falsch“, so Elsner, die seit 1986 am Haderner Winkel wohnt. „Ich müsste eigentlich jedes Jahr wegen jeder einzelnen Abrechnung klagen. Aber als Einzelperson hat man gegen so eine Firma ja keine Chance.“ Jetzt fürchtet die 71-Jährige, dass Ansprüche gegenüber Vonovia verjähren könnten. „Unsere einzige Hoffnung ist eine Musterfeststellungsklage.“

Diese könnte jetzt tatsächlich kommen, wie der Mieterverein München gegenüber Hallo bestätigte. Aktuell laufe noch die Privatklage eines betroffenen Münchners, am 26. April soll das Urteil fallen (Hallo berichtete). „Wenn der Prozess positiv ausgeht, werden wir auf jeden Fall eine Musterfeststellungsklage anstreben“, verspricht Geschäftsführer Volker Rastätter.

Dabei kann ein Verband im Namen mehrerer Betroffenen klagen. Elsner würde diese Möglichkeit gern ergreifen. Auch die Gemeinde Neuried – die eine Wohnung von Vonovia gemietet hat – erklärte auf Anfrage, dass sie sich an einer Musterfeststellungsklage beteiligen würde.

Allerdings: Vorerst werden die Neurieder wohl nicht mitklagen können. Denn der Mieterverein will laut Geschäftsführer Rastätter zunächst nur mit einer Vonovia-Anlage klagen, weil unklar sei, ob die Betriebskosten-Abrechnungen überall gleich erstellt würden. Als Präzedenzfall kommt Neuried aber nicht infrage: „In der ausgewählten Wohnanlage sollten mindestens 50 Mitglieder des Mietervereins leben.“ Die beiden Neurieder Anlagen haben aber jeweils nur 40. Stattdessen könnte eine Münchner Wohnanlage die Klage einbringen.

Vonovia selbst wehrt sich gegen den Vorwurf, überhöhte Betriebskosten zu berechnen. „Selbstverständlich rechnen wir nur Dienstleistungen ab, die sinnvoll sind“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Auf eine Anfrage von Hallo reagierte die Firma hingegen nicht. Immerhin: Eine Verjährung von Ansprüchen droht den Neuriedern dem Mietervereins-Chef zufolge nicht: „Wir haben mit Vonovia eine Verjährungssperre für Neuried vereinbart.“

Romy Ebert-Adeikis

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