Würmtal-Forscher erhalten Paul-Ehrlich-Preis

Heilt ihre Arbeit unsere Gehirne?

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Professor Franz-Ulrich Hartl hält ein Chaperone-Modell in Händen. Das sind Proteine, die anderen Proteinen dabei helfen, sich dreidimensional zu falten.

Martinsried – Voller Tatendrang arbeitet die Wissenschaftler um Professor Franz-Ulrich Hartl am Max-Planck-Institut für Biochemie. Ihre Mission: Sie wollen Alzheimer und Demenz den Garaus machen

In seinem Büro am Max-Planck-Institut für Biochemie kann sich Professor Franz-Ulrich Hartl an Urkunden, Auszeichnungen und Pokalen eigentlich bereits jetzt satt sehen. Am 14. März wird der Direktor der Martinsrieder Einrichtung aber noch etwas Platz freiräumen müssen: An dem Tag bekommt er in Frankfurt den Paul-Ehrlich-Preis verliehen, eine der renommiertesten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Medizin im deutschsprachigen Raum. „Dieser Preis ist sehr ehrenvoll. Paul Ehrlich ist ein großes Vorbild für mich“, freut sich Hartl.

1908 hat Ehrlich für seine Forschung im Bereich der Immunologie den Nobelpreis für Medizin erhalten. „Nobelpreiswürdig“ – so beurteilen heute auch viele Wissenschaftler die Arbeit von Hartl. Denn: Gemeinsam mit dem US-Amerikaner Arthur Horwich hat der 61-Jährige die Grundlagen dafür geschaffen, Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson therapierbar zu machen.

Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte Chaperone. Das sind Proteine, die anderen Proteinen dabei helfen, sich dreidimensional zu falten. Nur so sind diese funktionstüchtig. „Molekulare Anstandsdamen“ nennt Hartl die von ihm und Horwich entdeckten Teilchen, da sie noch nicht gefaltete Proteine abschirmen und ihnen für die Faltung einen Rückzugsraum bieten. „Die Bedeutung dieser Entdeckung konnten wir Ende der 1980er-Jahre noch gar nicht absehen“, sagt Hartl, der den Preis gemeinsam mit seinem amerikanischen Forscherkollegen erhält.

Allerdings: Werden Proteine nicht korrekt gefaltet, können sie verklumpen und toxisch wirken – und so zum Beispiel Nervenzellen zerstören. Chaperone verhindern dies, wenn sie in ausreichender Zahl im Körper aktiv sind. „Daraus ergibt sich theoretisch die Möglichkeit, Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer zu verzögern oder deren Symptome zu lindern, wenn man die Chaperone gezielt aktivieren kann“, erklärt Hartl, der mit einem 35-köpfigen Team zusammenarbeitet. Bei Modellversuchen sei so etwas bereits gelungen. „Aber die Substanzen, die wir dafür verwenden, sind bisher nicht für Menschen geeignet.“ Trotzdem ist sich der Wissenschaftler sicher, dass es in den nächsten zehn Jahren einen Durchbruch bei der Therapie – etwa von Alzheimer – geben wird. „Wir wissen ja bereits, was die Verteidigungsstrategie des Körpers gegen die Krankheit ist“, so der 61-Jährige. Jetzt komme es darauf an, dieses Wissen auch medizinisch anwendbar zu machen.

Romy Ebert-Adeikis

Nachwuchspreis für Dorothee Dormann

Die Biochemikerin Dorothee Dormann aus Laim untersucht die Gemeinsamkeiten neurodegenerativer Krankheiten.

Was haben schwere Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer gemeinsam: Dieser Frage ist die Biochemikerin Dorothee Dormann aus Laim auf der Spur. „Es reizt mich, medizinisch angewandte Forschung zu machen. Gerade diese Krankheiten nehmen ja immer mehr zu“, sagt die 42-Jährige, die für ihre Arbeit am Biomedizinischen Centrum in Martinsried gerade mit dem Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis bedacht wurde.

Seit 2007 versucht Dormann, zu erklären, wie neurodegenerative Krankheiten entstehen. Mit ihrer Arbeitsgruppe am Institut für Zellbiologie konnte die Laimerin inzwischen nachweisen, dass Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sowie eine Form der Demenz eine Gemeinsamkeit haben: Bei beiden werden Proteine nicht zuverlässig in den Zellkern transportiert, was diese verklumpen lässt. „Wir arbeiten mit Modellen für Menschenzellen. In denen machen wir die Proteine sichtbar, etwa indem wir sie mit Antikörpern entfärben.“ Als nächstes möchte Dormann zeigen, dass bei Alzheimer-Patienten eine ähnliche Störung vorliegt. „Aber mit anderen Proteinen“, so die 42-Jährige.

Die 60 000 Euro Preisgeld möchte Dormann darin investieren, diese Thematik näher zu erforschen. Denn einige Projekte, die dazu bereits laufen, sind noch nicht finanziert. Aber auch ihr persönlich hilft die Auszeichnung: „Ich sehe mich gerade nach einer Professur um, da kann ich den Preis gut gebrauchen“, sagt Dormann lachend.

Romy Ebert-Adeikis

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