„In den Jahren davor gab es das in dem Ausmaß nicht“

Von Katzenstreu bis Pkw: So dreckig ist der Würmtal-Wald

„Müll abladen verboten“, warnt ein Schild nahe Forst Kasten. Das hielt Unbekannte aber nicht davon ab, direkt davor einen alten BMW zu entsorgen.
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„Müll abladen verboten“, warnt ein Schild nahe Forst Kasten. Das hielt Unbekannte aber nicht davon ab, direkt davor einen alten BMW zu entsorgen.

Gauting – Verpackungsmüll hier, eine liegengelassene Radkappe da – Abfall, soweit das Auge reicht: Die Wanderparkplätze rund um Gauting werden als Müllhalden missbraucht

Wer am Waldparkplatz zwischen Gauting und Gilching derzeit einen Blick auf die Wanderkarte werfen will, muss zuerst über einen Haufen Katzenstreu steigen. Keine zwei Meter daneben liegen Semmeln und Baguettes im Schnee, garniert mit alten Zeitungen. „Meistens liegen hier Flaschen oder Verpackungen“, erzählt eine Gautingerin, die regelmäßig mit ihrem Hund vorbeispaziert. „Aber ich habe hier auch schon Bierkästen gesehen.“

Am Wanderparkplatz an der Römerstraße liegen Unmengen von Backwaren und Flaschen.

Auch in den Sozialen Medien wird über die „Sauerei“ am Wanderparkplatz an der Römerstraße diskutiert, seitdem ein Spaziergänger auf Facebook davon Fotos hochgeladen hat. So behauptet ein Nutzer, dass an der Stelle seit einem Jahr „Katzen- und Hundestreu im großen Stil abgeladen“ werde. Andere berichten von weiteren Müllhalden auf Waldparkplätzen in Richtung Leutstetten oder Neuried.

„Viele Kleintierbesitzer entsorgen ihr Streu heimlich nachts im Wald“, bestätigt Gautings Vize-Polizeichef Martin Heinrich die Beobachtungen. „Das ist aber kein spezielles Problem unserer Gemeinde.“ Früher seien die Gautinger Beamten von Zeit zu Zeit „Umweltstreife“ im Wald gefahren, um Unrat zu finden. Mittlerweile ist das laut Heinrich aber aus Personalgründen nicht mehr möglich. 2018 habe man dennoch „relativ viele Fälle“ registriert. „In den Jahren davor gab es das in dem Ausmaß nicht“, so Heinrich.

Auch Katzen- und Hundestreu findet sich zu Hauf überall auf dem Gelände.

Eine Zunahme von Müllablagerungen kann Thomas Sorgalla, Leiter der benachbarten Polizeiinspektion Planegg, zwar nicht bestätigen. „Aber es passiert immer wieder, nicht nur an den Parkplätzen.“ Erst Ende Januar haben seine Beamten in der Nähe vom Forsthaus Kasten einen abgestellten, fahruntüchtigen BMW entdeckt. Letztes Jahr im Juni wurde in Planegg und Gauting eine ganze Wohnungseinrichtung gefunden. „Badewanne, Couch, Toilette, insgesamt 6,5 Quadratmeter Unrat.“ Den Täter konnte die Polizei ermitteln, das Landratsamt Starnberg hat inzwischen ein Bußgeld von 2500 Euro verhängt. In schlimmsten Fällen können auf Umweltsünder Bußen bis zu 100 000 Euro zukommen. Hilfreich für die Ermittlungen ist, wenn die Polizei zeitnah von den Verunreinigungen erfährt, appelliert Sorgalla an die Bürger, jeglichen Müll zu melden.

An der Römerstraße haben die Beamten der Polizei Gauting noch keinen Verursacher ausfindig machen können. Immerhin: Katzenstreu und Backwaren sollen jetzt vom Bauhof Krailling entfernt werden.

Romy Ebert-Adeikis

Problem auch mit Gartenabfall

Amtsförster Gerith Hinner ist unter anderem für die Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried zuständig. Auch er sieht viel Verschmutzung: „Sie finden im Wald heutzutage alles, von der ehemaligen Gartenhütte bis zum Ölkanister. Das hat definitiv zugenommen.“

Ein besonderes Problem sieht Hinner in Gräfelfing. Dort, wo der Gemeindewald an die Wohnbebauung reicht, würden viele Gartenabfälle in den Wald werfen. „Teilweise wird das meterdick aufgeschichtet und an den Boden kommt kein Sauerstoff mehr.“ Gartenschnitte, Moos oder Mulch sei aber ebenso als Abfall zu werten. „Was nicht aus dem Wald kommt, gehört nicht in den Wald“, so Hinner. Wer Gartenabfälle in der Natur ablädt, kann daher ebenfalls mit Bußgeldern bestraft werden.

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