Genossenschaftskonzept als Lösung?

Wie die Bürger jetzt den Bahnhof retten sollen

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Schon seit 2010 dem Abriss geweiht, aber immer noch da: der Bahnhof Gauting.

Gauting –  Eigentlich dürfte es den Gautinger Bahnhof schon seit 2010 nicht mehr geben. Doch er ist immer noch da – und zahlreiche Gautinger wollen jetzt auch dauerhaft den Erhalt sichern

Cuxhaven und Uelzen – beide in Niedersachsen – haben einen und Leutkirchen im Allgäu auch: einen Bürgerbahnhof. Dabei kaufen Privatpersonen Anteile einer Bürger-Genossenschaft. Von dem Geld wird ein maroder Bahnhof saniert und als Café, Veranstaltungs- oder Vereinshaus der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Ein Konzept, das jetzt auch in Gauting Schule machen soll.

„Das ist kein Hexenwerk“, sagt Gemeinderätin Christiane Lüst (Soziale Ökologen), die das Konzept schon lange befürwortet. „Das funktioniert an vielen anderen Orten in Deutschland, warum also nicht auch bei uns?“ Um den Betrag für die Sanierung zusammenzubekommen, müssten sich Lüsts Schätzung zufolge mindestens 1000 Bürger mit 500 bis 1000 Euro beteiligen. Im Anschluss könnte in dem Gebäude eine „Mobilitätszentrale“ für CarSharing- oder Fahrradverleihdienste entstehen, so Lüst.

Den Abriss des sanierungsbedürftigen Gautinger Bahnhofs hat der Gemeinderat eigentlich bereits im Juni 2010 beschlossen. Geschehen ist bisher nichts. Für die örtliche SPD kein Grund zur Entspannung: „Ein Stück Heimat steht auf dem Spiel. Bis zur Sommerpause will der Gemeinderat eine Entscheidung zum Erhalt oder Abriss des Bahnhofs treffen“, hatte die Partei kürzlich eine Informationsveranstaltung zu dem Thema angekündigt.

Zu dieser kamen am vergangenen Samstag rund 70 Besucher – darunter auch Christiane Lüst und ihr Fraktionskollege Hans Wilhelm Knape, die in der Runde die Idee des Bürgerbahnhofs erstmals vorstellten. „Einige waren sofort bereit einzusteigen“, ist Lüst vom Potenzial des Konzepts überzeugt. Bei der Veranstaltung stimmten zudem rund 90 Prozent der Zuhörer für den grundsätzlichen Erhalt des Gautinger Bahnhofs.

„Das Gebäude ist für Gauting wertvoll“, sagt der Architekt und Veranstaltungsinitiator Andreas Romero. Wie die evangelische Christuskirche und das Rathaus sei der Bahnhof, unter seiner bröckelnden Fassade, ein „feines Ziegelbauwerk“.

Auch für die Gemeinde sei ein Abriss nicht das „primäre Ziel“, sagt Sprecher Maximilian Olberding. Stattdessen sollen in Kürze sechs Planungsbüros Entwürfe für das Areal anfertigen. Mit welchen Vorgaben, darüber wird am Montag, 1. April, ab 19.30 Uhr im Kulturhaus Bosco mit den Gautingern diskutiert. Auch die fertigen Entwürfe sollen den Bürgern noch einmal vorgelegt werden, so Olberding. Mit der Idee des Bürgerbahnhofs wolle man sich ebenfalls auseinandersetzen.

Romy Ebert-Adeikis

Vorzeigeprojekt in Leutkirch im Allgäu

In Leutkirchen im Allgäu steht ebenfalls ein Bürgerbahnhof.

Eine Hausbrauerei mit Gastronomie und Biergarten, mehrere Büros und ein Informationszentrum „Nachhaltige Stadt“ – das alles ist der Bahnhof in Leutkirch im Allgäu. Entstanden ist diese bunte Mischung 2010 dank einer Bürger-Genossenschaft. 

„Es sind derzeit rund 700 Mitglieder mit einem Volumen von 1111 Anteilen à 1000 Euro beteiligt“, erklärt Initiator Christoph Skrodzki. Der Umbau habe netto 2,65 Millionen Euro gekostet.

Aufgrund des großen Erfolgs gibt es jetzt eine zweite Bürger-Genossenschaft in Leutkich, so Skrodzki: Sie will aus einer maroden Brauerei eine „Allgäuer Genussmanufaktur“ machen.

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