Die Hüter der Gemeindegrenzen

Sie ist die Erste ihrer Art

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Familiensache: Wie man einen Grenzstein wie diesen setzt hat sich Brigitte Lenker von ihrem Vater, Leonhard Lenker, abgeschaut. Er ist schon seit über 40 Jahren Felgeschworener.

Gauting – Geheime Zeichen, Mitspracherecht bei der Setzung von Grenzsteinen: Ein Geheimbund? Mit Brigitte Lenker hat erstmals eine Frau das Ehrenamt der Feldgeschworenen im Kreis Starnberg inne

Immer wenn Grenzmarkierungen gesetzt, Grundstücke geteilt oder verschoben werden, sind sie zur Stelle: Feldgeschworene sind die Hüter der Grenzen ihrer Gemeinde. In der Regel ist dieses geheimnisumwobene Metier Männersache – jetzt ist mit Brigitte Lenker im Landkreis Starnberg erstmals eine Frau für das Ehrenamt vereidigt worden. 

Bayernweit sind von rund 25 000 Feldgeschworenen gerade einmal um die 40 weiblich. Rund um München sind es, mit Lenker, gerade einmal vier Damen.

„Dass das so besonders ist, war mir anfangs gar nicht bewusst“, sagt Lenker, die die Zahl der Gautinger Geschworenen auf fünf erhöht. Natürlich müsse sie für das Ehrenamt auch anpacken können – neue Grenzsteine wiegen mehrere Kilogramm und werden in der Erde vergraben. „Da muss man auch mal die Schaufel in die Hand nehmen.“ Die physische Arbeit ist die 45-jährige Mutter von drei Kindern aber ohnehin von der familieneigenen Landwirtschaft gewohnt.

Über die Familie ist Lenker auch zu ihrem neuen Ehrenamt gekommen. Seit über 40 Jahren ist ihr Vater Leonhard bereits Feldgeschworener und für den Ortsteil Buchendorf zuständig. „Jetzt werd’ ich ausgetauscht“, sagt der 78-Jährige lachend. 

Dabei ist das so gar nicht richtig: Feldgeschworener ist man auf Lebenszeit. Weil sie ihrem Vater im Sommer bei der Erfüllung seiner Aufträge zur Hand ging, wurde Lenker schließlich selbst gefragt – und sagte Ja. „Es ist ja eine schöne Arbeit. Ein bisschen geheimnisvoll, verantwortungsvoll – und man ist bei jedem Wetter in der Natur.“

Romy Ebert-Adeikis

Das geheime Ehrenamt

Das Feldgeschworenenwesen ist das älteste kommunale Ehrenamt in Bayern – und seit 2016 offiziell immaterielles Kulturerbe. Die Wurzeln des Amtes liegen im 13. Jahrhundert. 

Feldgeschworene dürfen Grenzmarken auf Mängel kontrollieren sowie gesetzte Marken aufdecken, wenn ein Grundstückseigentümer das beantragt. Zudem unterstützen sie die Vermessungsämter beim Setzen von Grenzsteinen, das sie bezeugen und protokollieren. Dabei können die Geschworenen ein persönliches Zeichen dazulegen, das durch das sogenannte Siebener-Geheimnis geschützt ist. 

Bis heute werden die Zeichen von den Feldgeschworenen geheimgehalten. Nicht selten wird das Ehrenamt daher mit einem Geheimbund verglichen, zumal man nur auf persönliche Empfehlung dafür vereidigt wird.

Weitere Informationen zur Aufgabe der Feldgeschworenen unter: https://bit.ly/2vFZHj4

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