Eike Nell im Interview

Kandidatur-Rücktritt – Hallo hat den ehemaligen Kandidaten über seine Gründe befragt

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Eike Nell (28) bei Hallo im Interview.

Nell wird doch nicht das Rennen um das Gräfelfinger Rathaus bestreiten. Stattdessen gibt er seine Kandidatur und seinen Posten als Ortsvorsitzender auf. Was dahinter steckt und wie es mit der FDP im Ort jetzt weitergeht, hat er im Interview verraten...

Gräfelfing – Verjüngung – das ist das Hauptziel der FDP Gräfelfing in den letzten Monaten gewesen. Mit dem Vorsitzenden Eike Nell (28) kürte der Ortsverband bereits im März ein neues Gesicht zum Bürgermeisterkandidaten – zum Nachteil des altgedienten Gemeinderats Jörg Scholler, der am Ende im Sinne der Verjüngung ganz auf einen Listenplatz verzichten musste. 

Jetzt steht aber fest: Nell wird doch nicht das Rennen um das Gräfelfinger Rathaus bestreiten. Stattdessen gibt der Informationselektroniker seine Kandidatur und seinen Posten als Ortsvorsitzender auf, verlässt sogar die Gemeinde. Was dahinter steckt und wie es mit der FDP im Ort jetzt weitergeht, hat er im Interview verraten.

Herr Nell, Warum verlassen Sie Gräfelfing, obwohl Sie als Bürgermeisterkandidat der FDP ins Rennen gehen wollten?

Die Reise geht zurück in meine Heimat ins Siegerland. Im Anbetracht der Tatsache, dass ein Immobilienkauf in München und Umgebung finanziell selbst für Gutverdiener ohne Erbschaft nicht zu realisieren ist, hatte ich langfristig den Plan gefasst, wieder in meine Heimatregion zurückzukehren. Das war ursprünglich nicht für die kommenden Jahre geplant, so dass ich ein politisches Engagement, auch mit der Übernahme von Parteiämtern, für machbar hielt. Aufgrund eines sehr guten und gleichermaßen überraschenden Jobangebotes, das exakt die Eckdaten meines Traumjobs abgebildet hatte, habe ich diese berufliche Chance wahrgenommen und im Zuge dessen meinen langfristigen Plan in die Tat umgesetzt.

Es heißt, dass der Zweite auf der FDP-Wahlliste, Michael Nebel, die Kandidatur übernehmen soll. Ist das in Ihrem Sinne?

Das ist sehr in meinem Sinne. Das gesamte Team der aktiven Mitglieder hat bisher die Inhalte immer gemeinschaftlich erarbeitet. Natürlich braucht es einen Spitzenkandidaten, der öffentlich ganz vorne steht. Diese Aufgabe wird Michael Nebel aber vollumfänglich und im Sinne der Partei übernehmen können, sofern er von den Mitgliedern in der Aufstellungsversammlung gewählt wird. Das sehe ich allerdings nur als Formalie an.

Man kann spekulieren, dass die FDP Gräfelfing durch Ihre Kehrtwende geschädigt in die Wahl gehen wird – und vielleicht gar keinen Sitz mehr im Gemeinderat erringen wird. Warum haben Sie das trotzdem in Kauf genommen?

Sicherlich kommt mein Ausstieg für die Partei zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wir haben uns aber dennoch dazu entschieden, eine offene und ehrliche Kommunikation zu pflegen. Ein Warten bis nach der Wahl mit der Veröffentlichung dieser Neuigkeiten und dem einfachen Nachrücken eines Kandidaten war für uns keine Option. Für uns stehen aber immer inhaltliche Aspekte im Vordergrund, keine Personen. Wir engagieren uns alle ehrenamtlich, so dass ich auf Verständnis hoffe, eine solch weitreichende und aus meiner Sicht endgültige Entscheidung nicht von einem etwaigen Sitz im Gemeinderat abhängig machen zu können.

Zuvor gab es ja schon die Debatte um den Listenplatz des langjährigen FDP-Gemeinderats Jörg Scholler. Erst wurde auf die Verjüngung des Ortsverbands gedrängt, jetzt ziehen Sie zurück. Beschädigt das nicht das Vertrauen in die jungen Politiker allgemein?

Michael Nebel ist mit seinen 37 Jahren ebenfalls ein sehr junger Kandidat, gemessen am durchschnittlichen Alter der jetzigen Gemeinderatsmitglieder und Bürgermeisterkandidaten. Auch unsere übrige Liste dürfte noch immer eine der mit dem niedrigsten Durchschnittsalter der Kandidaten sein. Insofern sehe ich meinen alleinigen Ausstieg nicht als richtungsweisenden Einschnitt. Ich sehe meine Entscheidung nicht als Vertrauensbruch. Zu keiner Zeit haben wir den Wähler hinters Licht geführt, falsche Tatsachen kommuniziert oder taktisch unfair agiert.

Wollen Sie sich in Nordrhein-Westfalen auch für die FDP in der Kommunalpolitik engagieren?

Ich werde selbstverständlich politisch interessiert bleiben und auch der FDP die Treue halten. Ob ich mich politisch auch wieder aktiv engagieren werde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Für diese Entscheidung werde ich mir, auch im Hinblick auf das, was ich jetzt gelernt habe, Zeit nehmen.

rea

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