Projektgegner bleiben skeptisch

Bürger wollen Umfahrung – 63 Prozent Zustimmung bei Verkehrsbefragung

Visualisierung des Mobilitätskonzepts
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Visualisierung des Mobilitätskonzepts

Eine Befragung im Mai ergab, dass 63 Prozent einer Entlastungsstraße in Gräfelfing positiv gegenüber gestimmt sind. Das sagen die Projektgegner dazu...

  • Überraschend viele Bürger wollen die Umfahrung für die Pasinger Straße.
  • Gräfelfinger benoten ihre generelle Verkehrssituation.
  • Projektgegner erheben ihre Stimmen.

Gräfelfing – Im Gemeinderat und Kreistag ist eine Entlastungsstraße für Gräfelfing seit Jahren stark umstritten. 2013 wurde sie bei einem Bürgerbegehren auch von den Gräfelfingern mehrheitlich abgelehnt. 

Doch jetzt scheint sich die Stimmung gedreht zu haben, wie die Ergebnisse einer Bürgerbefragung nahelegen. Die Umfrage war der erste Schritt zur Erstellung eines Mobilitätskonzepts durch das Verkehrsplanungs-­Institut Obermeyer. 

Dafür wurden im Mai 3000 Gräfelfinger zufällig ausgewählt, 916 beantworteten den Fragebogen zu Mobilitätsverhalten und zur Verkehrs­situation im Ort. 

Erstaunliches Ergebnis

 Ganze63 Prozent beurteilen eine Umfahrung für die Pasinger Straße positiv, nur 16 Prozent lehnen sie ab. Für Projektgegner Jörg Scholler kein überraschendes Ergebnis. 

„So wie die Frage gestellt wurde, war sie manipulativ. Niemand hat etwas gegen eine Entlastungsstraße“, so der FDP-Gemeinderat. Die Umgehung werde aber mehr Verkehr anziehen, warum er diese weiterhin ablehne. 

Ähnlich sieht das Dritter BürgermeisterMartin Feldner (Grüne). Er nimmt dabei auch den Verkehrsdruck aus Freiham und die mögliche Bahnunterführung an der Brunhamstraße in den Blick. 

„Die jetzt noch mehrheitlich gewünschte neue Straße wird dann zur Belastungsstraße.“ 

Umfahrung: Hier werden noch viele Jahre ins Land gehen...

„Vielleicht braucht es dann keine Umgehung mehr.“ 

Auch Anette Kitzmann-Waterloo, Fraktionsvorsitzende der Gräfelfinger SPD, will keine voreiligen Schlüsse ziehen. 

„Es muss aufgeschlüsselt werden, ob die Bürger, die jetzt zugestimmt haben, auch mit den Konsequenzen wie der Waldabholzung leben können.“ 

Zudem hätten Verkehrszählungen des Instituts Obermeyer ergeben, dass die Verkehrsbelastung gegenüber 2017 um fast 20 Prozent gesunken ist – wenn auch vor allem coronabedingt. 

„Ich glaube, dass auch nach Corona mehr Leute daheim arbeiten werden“, so die SPDlerin. Gleichzeitig will das Büro Obermeyer bei örtlichen Unternehmen für flexiblere Arbeitszeiten und damit eine Entzerrung der Stoßzeiten werben. „Vielleicht braucht es dann keine Umgehung mehr.“ 

Hallo berichtete bereits: Umgehung soll Gräfelfing Entlastung bringen

Weitere Umfrage-Ergebnisse

„Befriedigend“ – so benoten die Gräfelfinger die generelle Verkehrssituation in ihrem Ort (Note 3,2). 

„Im Vergleich zu anderen Kommunen ist das eine positive Bewertung“, erklärte Verkehrsplaner Helmuth Ammerl im jüngsten Mobilitätsausschuss. Die schlechteste Note vergeben dabei diejenigen, die täglich mit dem Auto fahren (3,4). 

Am glücklichsten sind die ÖPNV­-Nutzer (3,1). Den größten Verbesserungsbedarf sehen die Gräfelfinger in der Bahnhofstraße, die dortige Verkehrslage bewerten sie nur als „ausreichend“. 

Hallo: Gräfelfinger Gemeinderat beschließt die lange Version der Entlastungsstraße

Verbesserung des Radwegenetzes erwünscht

Vor allem die Parksituation wird kritisiert. Dass die Bahnhofstraße umgeplant werden soll, fordern 48 Prozent. Genauso viele wollen aber keine Änderung. 

Handlungsbedarf gebe es ansonsten noch bei der Verbesserung des Radwegenetzes und der Verkehrssicherheit im Ort. Viel Lob erfuhr die Anbindung Gräfelfings an den öffentlichen Nahverkehr.

Aber: Zuverlässigkeit und Taktung sowie­ die Erreichbarkeit innerörtlicher Ziele wurden deutlich ­schlechter bewertet. Möglicherweise auch deswegen wünschen sich über 70 Prozent der Bürger mehr tangentiale ÖPNV-Verbindungen. 

Eine Seilbahn nach Pasing und Martinsried würden 52 Prozent der Befragten begrüßen.

rea

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