Kann ein besseres Image für Entsorgerfirmen die Lösung sein?

Türmen sich hier bald Müllberge?

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Immer wieder muss die Müllabholung wegen Fahrermangels verschoben werden. Gezim Rexha kennt das Problem nur allzu gut.

München – Unrat, der am Straßenrand lagert, Container, die aus allen Nähten platzen: Weil immer mehr Fahrer fehlen stoßen private Entsorgerfirmen an ihre Grenzen

Bayern gehen die Müllmänner aus – insbesondere die Fahrer. Das ist auch in München zu spüren: Immer wieder muss die Müllabholung wegen Fahrermangels verschoben werden. Aus diesem Grund haben acht private Firmen und der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen jetzt eine Imagekampagne für den Beruf des Kraftfahrers gestartet.

Wittmann-Fahrer und Dispositionskoordinator Gezim Rexha beim Einsteigen in ein Saug-Müllfahrzeug.

„Wenn es eine Krankheitswelle gibt, fällt es uns inzwischen schwer, alle Touren voll zu erfüllen“, schlägt Alexander Wittmann, Fuhrparkleiter beim Gräfelfinger Entsorger Wittmann, Alarm. Im Idealfall drehen die Fahrer dann Extrarunden, zum Teil müssen aber schon jetzt Aufträge – wie private Sperrmüllcontainer – um mehrere Tage verschoben werden. „Der Haus- und Gewerbemüll sollte aber immer laufen.“

Um Ausfälle abzufedern, würde die Firma, die große Teile Münchens und des Würmtals versorgt, mindestens fünf neue Fahrer benötigen. Aktuell beschäftige sie 80. „Aber es ist inzwischen extrem schwer, qualifizierte Berufskraftfahrer zu finden“, so Wittmann.

Bei der Firma Remondis, für die in München 120 Fahrer arbeiten, fehlen bis zu zehn Kräfte. Sprecher Michael Schneider zufolge wirke sich der Mitarbeitermangel vor allem bei der Abholung von Gewerbemüll aus.

Markus Wittmann (rechts) und Verbandschef Rüdiger Weiß.

Ein Grund für den Mangel: Früher haben viele den benötigten Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr erworben. Seit dem Ende der Wehrpflicht gibt es nun weniger potenzielle Fahrer. „Der Führerschein kostet bis zu 10 000 Euro. Welcher junge Mensch kann sich das leisten?“, fragt sich Wittmann-Geschäftsführer Markus Wittmann. Gleichzeitig werden die Qualifikationen ausländischer Fahrer aber oft nicht anerkannt. „Aber 90 Prozent unser Bewerber sind aus dem Ausland.“

Zumindest die Anwerbung fremder Fachkräfte könnte sich aber ab August erleichtern. Denn ändert sich nichts am Mitarbeitermangel, rutscht der Beruf des „Kraftfahrers“ auf die sogenannte Positivliste der Bundesagentur für Arbeit, mit der Zuwanderung aus dem Ausland gefördert wird. Als „Mangelberuf“ wird er bereits seit Kurzem geführt.

Einzig der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) erklärt auf Hallo-Anfrage, aktuell keine offenen Stellen zu haben. Für ausgeschriebene Jobs gebe es noch ausreichend Bewerbungen. In die Zukunft schaut aber auch die AWM besorgt. Denn in den nächsten Jahren droht eine weitere Zuspitzung der Lage: Fast die Hälfte der derzeit beschäftigten Müllfahrer ist über 50 Jahre alt.

Romy Ebert-Adeikis

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